auch noch ein dämonischer Einfluß zu guter Letzt . XII. Das Testament des Magisters Schnotterbaum Als die Stunde gekommen war , gingen wir nach dem Rathause . Vor demselben hatte sich eine große Menge Volks versammelt , welches sich ehrerbietigst verneigte und uns Platz machte , als wir uns näherten . Auf dem Vorsaale erwartete uns der Beamte , welcher zur Feier des Tages sich in seine Staatsuniform geworfen hatte , mit mehreren Honoratioren , unter denen ich den Spezereihändler bemerkte . Von ausgezeichneten Fremden sah ich freilich niemand als den Ehinger Spitzenkrämer . Es mochten wohl an fünfzig Menschen aller Art oben versammelt sein , in deren Gesichtern Neugier , Befremden , Spannung sich auf die mannigfaltigste Weise kundgaben . So weit wie heute hatte sich die Thaumaturgie noch nicht in die Kreise des profanen Lebens gewagt ; schon das mußte alle Erwartungen entfesseln , dazu aber kam noch der Tod der Jungfer Schnotterbaum . Dieser setzte selbst die Leidenschaften in Bewegung . Der Beamte empfing die beiden Geschäftsträger der höheren Welt mit einer Artigkeit , die fast an Demut grenzte , und sagte zu einem seiner Dienenden leise : » Achten Sie auf Dürr . « - » Irgendeine Auszeichnung , wahrscheinlich das Ehrenbürgerrecht der Stadt , wird wohl die Folge der Sache sein « , dachte ich . » Vielleicht bekommst du auch etwas ab . « Über dem Schlüselloche der Archivstube lagen Papierstreifen mit Siegeln , diese wurden für unverletzt erkannt und sodann hinweggenommen . Der Beamte ließ die Stube öffnen ; wir nahmen den staubigen Schränken und Repositorien gegenüber Platz . Für Kernbeißer und Eschenmichel waren auf einer Erhöhung in der Mitte des Gemachs zwei eilig herbeigeschaffte Ehrensessel hingestellt worden . So saßen sie denn , allen Blicken sichtbar , über uns andere erhöht , da . Indem ich mich zufällig während dieser vorbereitenden Handlungen umwandte , sah ich jemand in unserem Rücken durch die offene Türe herein und hinter eine spanische Wand schlüpfen , welche zunächst der Türe stand . Da ich etwas neugierig bin , benutzte ich einen Augenblick , in welchem ich mich für unbeachtet halten durfte , um mich auch hinter der spanischen Wand umzusehen . Zu meinem allergrößten Erstaunen aber fand ich hinter derselben einen Bekannten , den ich auf der Stelle mir erinnerlich zu machen wußte , nämlich - den Gehülfen aus dem Würzburger Juliusspital , mit dem ich mich über die » Seherin von Prevorst « und die beiden entlaufenen alten Weiber unterhalten hatte . Ich wollte meiner Verwunderung durch einen Ausruf Luft machen , der Gehülfe hielt mir aber den Mund zu und sagte : » Erregen Sie kein Aufsehen , die vorseiende heilige Handlung darf nicht gestört werden , ein Zufall führt mich auf dieser meiner Reise durch Weinsperg , und es war wohl natürlich , daß ich ein Zeuge des merkwürdigen Ereignisses zu werden wünschte , von welchem ich , sobald ich im Wirtshause abgetreten war , zu hören bekam . Was den Umstand betrifft , daß ich hier hinter der spanischen Wand zuzusehen , oder vielmehr zuzuhören wünsche , so ist dieses letztere eine Liebhaberei von mir , die sonder Zweifel zu den völlig unschuldigen gehört . « Ich weiß nicht , welcher abermalige geheime Einfluß mich trieb , nach dieser Entdeckung türwärts zu schleichen , um in das Freie zu entgleiten . Der Mensch ist dunkeln , unerklärlichen Anstößen so häufig unterworfen . Aber zwei Türsteher wiesen mich zurück und sagten : » Niemand darf das Gemach verlassen , bis die Handlung vorbei ist . « - » Ei ! Ei ! « dachte ich , » werden die Geistersachen nun mit solcher polizeilichen Strenge behandelt ? « Der Beamte hatte inzwischen der Versammlung ihren Anlaß in einer bündigen Rede auseinandergesetzt , und forderte eben , als ich zu dem erhöhten Sitze der beiden Doktoren der Geisterwelt zurückkehrte , diese auf , das Fach zu bezeichnen , worin das Testament des seligen Magisters Schnotterbaum nach dessen Angabe liegen solle . Eschenmichel gab mit herzhafter Stimme das Fach an . » Nun merket wohl auf , meine Mitbürger « , sprach der Beamte . » Liegt das Testament des verstorbenen Magisters , so wie behauptet wird , in dem Fache S unter verschiedenen nicht mehr brauchbaren und staubigen Papieren , so habt ihr ein Wunder , mit Händen zu greifen . Denn selbst seine Tochter , die tugendsame , durch die beiden Herren so zweckmäßig behandelte und nun in der Ewigkeit versierende Jungfer Anna Katharina Schnotterbaum wußte von dem Aufbewahrungsorte nichts , weil ihr seliger Vater ihr denselben keinesweges entdeckt hatte . Er war vielmehr nur zweien Menschen auf Erden bekannt , dem Testator und mir , dem der alte Schäker einstmals in einer Weinlaune das versiegelte Papier eingehändiget hatte , ohne gleichwohl dessen Inhalt mir zu offenbaren . Es sind also nur zwei Fälle möglich . Entweder muß ich mit den beiden Herren unter der Decke gespielt , und ihnen den Ort verraten haben , oder er ist durch den Geist des Magisters aus jener Welt heraus kundgetan . Der dritte Fall läßt sich nicht gedenken - « » Wenn ich reden dürfte - « sagte ich , von neuem durch geheimen Anstoß hingerissen . » Nein , Herr von Münchhausen « , sprach der Beamte mit Ansehen , » Sie dürfen hier nicht reden . Sie sind ein Ausländer und haben bei uns keine Stimme . « Er warf einen so bezeichnenden Blick auf sein Dienstpersonal , daß der innere Impuls , weiter zu sprechen , plötzlich in mir verschwand . » Wissen Sie einen dritten Fall , meine Herrn ? « fragte er Kernbeißer und Eschenmichel . » Ich bin überzeugt , daß es Ihnen nur um Wahrheit zu tun ist . « » Nein « , versetzte Eschenmichel mutig . » Nein « , erwiderte Kernbeißer schüchtern . » Wißt ihr einen dritten Fall , versammelte Schwaben ? « rief der Beamte in das Publikum hinein . - » Nein