, den sie fortwährend auf das Land ausübten , sie den Preußen nicht als solche zeigen konnte . Auch das eigne ritterliche Gefühl sagte den bessern Franzosen , daß die Preußen , nach den großen Demüthigungen , die sie erlitten , sich nicht eher aufrichtig mit ihnen versöhnen könnten , bis die Schmach wieder getilgt wäre . Es war also natürlich , daß der Graf und der General nur über sehr allgemeine Gegenstände sprachen , und sich nur so weit näherten , wie es Männern von Welt die Sitte gebietet . Der Arzt war Anfangs scheu in dieser ihm durchaus fremden Gesellschaft und sein schroffes , seltsames Betragen wurde hier noch auffallender , als unter schonenden Freunden ; auch tadelte er sich innerlich , daß er , ohne daß die Pflicht es gebot , an einer Gesellschaft Antheil nahm , deren Dasein schon sein patriotisches Gefühl verletzte , und er würde vielleicht den Grafen gar nicht begleitet haben , wenn er nicht seinen Feind Lorenz hätte demüthigen wollen , der am Ende der Tafel saß , wohin der Arzt nun von Zeit zu Zeit übermüthige Blicke richtete . Eine andere Furcht beunruhigte ihn noch . Er besorgte nämlich , St. Julien werde , wie er es sich unter Freunden erlaubte , ihn auch hier zum Gegenstande des Scherzes machen , und er wußte nicht , wie er dann seine Fassung behaupten sollte ; doch sah er zu seiner großen Freude bald , wie ungegründet diese Besorgniß war . St. Julien behandelte ihn hier unter Fremden mit der ernsthaftesten Achtung und sprach gegen die jungen bei der Tafel gegenwärtigen Offiziere mit lebhafter Dankbarkeit darüber , wie er dem Eifer , der Geschicklichkeit und der unermüdlichen , uneigennützigen Sorgfalt seines Arztes und Freundes sein Dasein verdanke . Dies war genug , um die lebhaften Franzosen seine seltsamen Manieren vergessen zu machen , und sie überschütteten den Arzt mit lebhaften und aufrichtigen Danksagungen dafür , daß er ihnen einen braven Kameraden erhalten habe . Der überglückliche Arzt bewegte sich heftig hin und her auf seinem Stuhle , um nach allen Richtungen hin , über seine erfüllte Pflicht sprechend , für das ihm bezeigte Wohlwollen zu danken . Erstaunt war er aber , daß die Franzosen sein Französisch größtentheils nicht verstanden , und daß es ihnen St. Julien oft wie eine fremde Sprache übersetzen mußte , und zum ersten Male kam er auf die Vermuthung , daß es nicht Anmaßung und Eigensinn sein möchte , wie er früher glaubte , wenn ihm Dübois Winke über seine Aussprache des Französischen gegeben und zuletzt , da er sie nicht beachtet , nur immer Deutsch mit ihm geredet hatte . St. Julien schien bei dem Anblick französischer Uniformen und Feldzeichen alle andern Verhältnisse vergessen zu haben . Mit Begeisterung erfüllten ihn die Berichte von Schlachten und Siegen , an denen seine Tischgenossen Theil genommen hatten , und er seufzte über die Unthätigkeit , zu der er selbst indeß durch seine gefährliche Verwundung war gezwungen worden . Er fragte nach manchen von seinen Bekannten und Kameraden , und wenn er auch von vielen hörte , daß sie in den Schlachten geblieben waren , in denen er nicht mitgefochten zu haben beklagte , so hatten doch auch andere militärischen Rang und Ehren erkämpft , während sein eigener Ehrgeiz unbefriedigt blieb , und er betrachtete mit einer Art von Neid ihr Loos . Als das Gespräch schon eine Zeit lang mit Lebhaftigkeit über alle diese Gegenstände geführt worden war , sagte einer der Adjudanten zu St. Julien : Da Sie doch nach so vielen von Ihren Bekannten und Kameraden sich mit Theilnahme erkundigen , so wundert es mich , daß Sie gar nicht an die drei Brüder Lambertis denken , die doch beinah Ihr Geschick getheilt hätten . Was ist aus ihnen geworden ? fragte St. Julien mit großer Bewegung . Der älteste , erwiederte der Adjudant , ist in der Schlacht bei Friedland geblieben , der zweite ist mit seinem Regimente nach Italien gegangen , und den jüngsten , der bei Friedland einen Arm verloren hat , habe ich vor einigen Monaten in Berlin gesprochen ; er hatte die Absicht nach Paris zu gehen . Mit seiner Gesundheit aber stand es in Folge seiner gefährlichen Verwundung noch so schlecht , daß er bei meiner Abreise noch in Berlin bleiben mußte , um sich einigermaßen zu erholen , ehe er die weite Reise unternehmen konnte . Er theilte mir auch Ihr unglückliches Ende mit , denn er hielt Sie für todt . Und was sagte er darüber , fragte St. Julien mit großer Spannung . Er erzählte mir , sagte der Adjudant , daß Sie beim Marsche Ihres Regiments einen Abend in heiterer Gesellschaft mit den Lambertis zugebracht , darauf des andern Morgens etwas spät mit ihnen ausgeritten wären , und um an dem gegebenen Sammelplatze wieder mit Ihrem Regiment zur rechten Zeit zusammentreffen zu können , hätten Sie einen Führer angenommen , der Sie auf kürzeren Wegen durch das Gebirge zu führen versprochen habe . Dieser aber sei ein Verräther gewesen , denn er habe Sie gänzlich vom Wege abgeleitet , und endlich wären Sie in der Einöde eines sich weit ausdehnenden Waldes auf ein kleines Detachement preußischer Truppen gestoßen , bei deren Anblick Ihr Wegweiser sogleich entflohen sei . Von den Preußen angegriffen , hätten Sie , theurer St. Julien , nach der tapfersten Gegenwehr Ihrem Schicksale erliegen müssen , und auch Ihre Freunde , die Lambertis , wären nahe daran gewesen , Ihr Loos zu theilen , weil sie sich , aus mehreren Wunden blutend , schon ermattet gefühlt hätten , als Hörnertöne aus der Ferne das feindliche Detachement vermuthlich zu seinem Regimente riefen , denn ohne sich um den Todten zu bekümmern und ohne die Lebenden weiter zu bekämpfen , wären die Feinde so eilig als möglich davon gesprengt , und den Lambertis blieb nichts übrig , als ihren gefallenen Freund zu beweinen . Der jüngste Lamberti hatte Ihre Uhr , Ihren Ring und Ihr Taschentuch