, sondern überwältigend , sie ist nicht der Repräsentant einer Erscheinung , sondern die Offenbarung des Genies selbst , in der Erscheinung . Ihr werdet nicht sagen : » Dies ist das Bild eines Mannes , der ein Held war « , sondern : » Dies ist die Offenbarung des Heldentums , das sich in diesem Kunstwerk verkörperte . « Zu solcher Aufgabe gehört nicht Berechnung , sondern Leidenschaft , oder vielmehr Erleiden einer göttlichen Gewalt . Und welcher Künstler das Heldentum ( ich nehme es als Repräsentant jeder Tugend , denn jede Tugend ist lediglich Sieg ) so darstellt , daß es die Begeistrung , die seine Erscheinung ist , mitteilt : der ist dieser Tugend nicht allein fähig , sondern sie ist schon in ihm wiedergeboren . In der bildenden Kunst steht der Gegenstand fest wie der Glaube , der Geist des Menschen umwandelt ihn wie der Begriff ; Erkenntnis im Glauben bildet das Kunstwerk , welches erleuchtet . In der Musik ist die Erzeugung selbst ein Wandeln der göttlichen Erkenntnis , die in den Menschen hereinleuchtet ohne Gegenstand , und der Mensch selbst ist die Empfängnis . - In allem ist ein Verein der Liebe , ein Ineinanderfügen geistiger Kräfte . Jede Erregung wird Sprache , Aufforderung an den Geist ; - er anwortet : - und dies ist Erfindung . Dies also ist die geheime Grundlage der Erfindung : das Vermögen des Geistes , auf eine Frage zu antworten , die nicht einen bestimmten Gegenstand zur Aufgabe hat , sondern die vielleicht bewußtlose Tendenz der Erzeugung ist . Alle Regungen geistiger Ereignisse des Lebens nach außen haben einen solchen tief verborgnen Grund ; so wie der Lebensatem sich in die Brust senkt , um aufs neue Atem zu schöpfen , so senkt sich der erzeugende Geist in die Seele , um aufs neue in die höhere Region ewiger Schöpfungskraft aufzusteigen . Die Seele atmet durch den Geist , der Geist atmet durch die Inspiration , und die ist das Atmen der Gottheit . Das Aufatmen des göttlichen Geistes ist Schöpfen , Erzeugen ; das Senken des göttlichen Atems ist Gebären und Ernähren des Geistes , - so erzeugt , gebärt und ernährt sich das Göttliche im Geist ; so , durch den Geist in der Seele , so durch die Seele in dem Leib . Der Leib ist die Kunst , - sie ist die sinnliche Natur , ins Leben des Geistes erzeugt . In der Künstlersprache heißt es : Es kann nichts neues erfunden werden , alles ist schon vorher dagewesen ; ja ! Wir können auch nur im Menschen erfinden , außer ihm gibt es nichts , denn da ist der Geist nicht , denn Gott selbst hat keine andere Herberge als den Geist des Menschen . Der Erfinder ist die Liebe . Da nur das Umfassen der Liebe das Dasein gründet , so liegt außer diesem Umfaßten kein Dasein , kein Erfundenes . - Das Erfinden ist nur ein Gewahrwerden , wie der Geist der Liebe in dem von ihr begründeten Dasein waltet . Der Mensch kann nicht erfinden , sondern nur sich selbst empfinden , nur auffassen , erkennen , was der Geist der Liebe zu ihm spricht , wie er sich in ihm nährt und ihn durch sich belehrt . - Außer diesem Gewahrwerden der göttlichen Liebe , in Sprache der Erkenntnis umsetzen : ist keine Erfindung . Wie könnte der Geist nun erfinden wollen , da nur er das Erfundene ist , da die Entfaltung seines Lebens nur die Entwicklung der Leidenschaft ist , die ihm einzuflößen der göttlichen Liebe Genuß und Nahrung ist , da sein Atem nur das Verzehren dieser Leidenschaft ist , und da seine Erzeugnisse nur das Verkörpern dieser Leidenschaft sind . Also das Dasein ist das Umfassen der Liebe , das Geliebtsein . Das Erfinden , das Aussprechen ist das Einflößen ihrer Leidenschaft in den menschlichen Geist . Die Schönheit aber ist der Spiegel ihrer Seligkeit , die sie in der Befriedigung ihrer Leidenschaft hat . - Die Seligkeit der Liebe spiegelt sich in dem Geist , den sie erzeugt , den sie mit Leidenschaft durchdringt , daß er sie begehre ; dieses Begehren zu befriedigen , erzeugt ihren Genuß , dieses Mitgefühl ihres Genusses , ihrer Seligkeit , spricht der Geist durch Schönheit aus . Die Schönheit verkörpert sich durch den liebenden Geist , der die Form mit Leidenschaft durchdringt , so wie die Liebe die selbsterschaffene Form des Geistes durchdringt . Dann spricht nachher die sinnliche Form die Schönheit des Geistes aus , wie der von Leidenschaft erfüllte Geist die Schönheit der Liebe ausspricht . - Und so ist die Schönheit der irdischen Form der Spiegel der Seligkeit des liebenden Geistes , wie die Schönheit der Seele der Spiegel der Seligkeit der liebenden Gottheit ist . Mein Freund glaubt vielleicht , ich sei mondsüchtig , da wir heute Vollmond haben , ich glaub ' s auch . Den 1. August 1817 Nicht geahndet hab ich es , daß ich je wieder so viel Herz fassen würde an Dich zu schreiben , bist Du es denn ? oder ist es nur meine Erinnerung , die sich so in der Einsamkeit zu mir lagert und mich allein mit ihren offnen Augen anblickt ? Ach , wie vielmal hab ich in solchen Stunden Dir die Hand dargeboten , daß Du die Deinigen hineinlegen möchtest , daß ich sie beide an meine Lippen drücken könnte . - Ich fühl es jetzt wohl , daß es nicht leicht war , mich in meiner Leidenschaftlichkeit zu ertragen , ja ich ertrage mich selbst nicht , und mit Schauder wende ich mich von all den Schmerzen , die die Betrachtung in mir aufwühlt . Warum aber gerad heute , nachdem Jahre vorüber sind , nachdem Stunden verwunden sind , wo ich mit Geistern zu kämpfen hatte , die mich zu Dir hin mahnten ? Heute bedachte ich es , daß vielleicht auch du nie eine Liebe erfahren habest , die