; die Frau weinte und schien erfreut , ihr einsames Haus durch mich belebt zu sehen ; mir aber war das Haus zum Verstummen einsam ; das Geheimnis , das mich erdrückte , verschloß mich mitten in Waffenzügen , in denen ich mich jetzt statt am Brevier übte , dem ewig Erneuenden der Tage . Kam ich heim , so blieb ich Tage lang vor den Bildern meiner Ahnen stehen ; sie umlagerten mich auch Nachts ; ich träumte von ihnen das Abenteuerlichste , und beim Erwachen dachte ich mir schrecklich die Ewigkeit , wenn ich sie immer mit diesen Verwandten , möchten sie auch noch so gut sein , zubringen sollte . Mehrmals erinnerte ich meinen Vater , das Geheimnis mit meiner Schwester aufzuklären ; ich sehnte mich selbst nach dem Schrecklichsten , wenn es nur das Geheimnis meines Unglücks aufklärte und mich mit lebendigen Bildern erfüllte . Er aber sagte ernst : Erst sollst du ein Mann werden und heiraten , ich habe für dich gewählt , aber du wirst meine Wahl bestätigen . Ich sagte ihm , daß ich nur für den Preis des Geheimnisses heiraten würde ; er bewilligte das . Nicht lange nachher traf ich , heimkehrend von einer Fehde , deine Mutter , mein Anton , bei meiner Mutter an sie hieß Mathilde von Amorbach , war ernst , schön und übergroß , fast einem Manne ähnlich an Bildung , aber ihre sanfte , bescheidene Stimme machte sie bald als Weib kenntlich . Wir wußten beide was wir miteinander sollten , man ließ uns allein , wir schwiegen lange , endlich sprach ich : Mathilde , seht diesen Ring ; sonst saß ein heller Demant in seiner Mitte , aber der Demant fiel durch einen heftigen Schlag des Geschickes ins Meer ; da liegt er unversehrt , nichts kann ihm schaden , hell und klar liegt er in der Tiefe , weiß aber nicht , wo er ist . Auch kann ihn kein Mensch herausziehen , mein Herrlichstes ist mir verloren . Dieser Goldring , der ihn faßte , es ist reines Gold , aber er wurde nicht gesehen vor dem Glanze des Diamanten ; jetzt ist er mein alles , kann er Euch genügen ? Was von mir übrig ist , soll Euer werden . Mathilde senkte die Augen und sprach : Ich will mit Euch trauern um alles , was Ihr verloren , ich werde es aber nicht vermissen , denn ich kannte es nicht ; was Ihr mir bietet , ist mir aber schon zu viel , denn ich habe nur einen Ring von Zinn , den ich Euch dagegen bieten kann . Darauf sagte ich ernst : Weil Ihr denn meint , daß Euer Ring zu leicht sei , so legt die Hand dazu auf die Waage , und ich lege mein Herz darein . Ich drückte bei diesen Worten ihre Hand an mein Herz ; unsere Eltern traten ins Zimmer , wir knieten nieder , und sie segneten uns ein . Nachdem die Hochzeit vollbracht , störten mich nicht mehr die Ahnenbilder in Träumen ; die Ebene und die ersten Höhen waren rings in mir fröhlich bebaut , nur auf dem Gipfel lag der alte Schnee . Du warst unser erstes und einziges Kind ; dein Gemüt kenne ich noch nicht , aber dein mächtiger Körperbau erinnert mich an deine Mutter , die ohne Prahlerei , nur wenn ich es ihr geheißen hatte , Hufeisen zerbrechen konnte und Zentnerlasten mit einem Finger heben . Als du geboren und getauft , führte mich der Vater auf die Kronenburg ; er zeigte mir das große Geheimnis und das künftige Geschäft meines Lebens , den schweren Dienst und die unbestimmte Hoffnung ; dann führte er mich nach kurzem Gebet den schwindelnden Gang , auf den er mich schon lange durch Versuche , an hohen Felsen , an Gebäuden anzuklettern , vorbereitet hatte . Der Gang ist fürchterlich ; ich schwöre , daß kein Feind , und wenn er die ganze Burg erstürmt , es wagt , auf die Spitze des Turmes zu steigen , wo die Krone liegt ; und doch ist dies der einzige sichtbare Zugang . Dieser Turm ist eine zweihundert Fuß über das höchste Gebäude hervorragende Säule , an der die schmalen Stufen , auf denen nur zwei Füße Platz zum Auftritt finden , ringsum in freier Luft ohne Geländer laufen . Der Blick vorwärts geht bald in unendliche Täler , bald in Felsengeklüft , je nachdem sich der Weg windet ; unter einem erscheinen da abwechselnd Straßenpflaster , Giebel von Häusern , die Luftbogen der Architektur , in denen die Vögel nisten ; die Menschen aber wenden die Augen weg , um nicht nachzusehen ; es ist ein Gang , den jede Fliege zum Spaß geht , wohin aber der Mensch nicht gehört , - mein armer Anton , du mußt ihn auch noch gehen . - Der Vater sagte mir , ich möchte nur ein herzerfrischend Lied singen . Ich fing an eine lustige Weise zu pfeifen , aber kaum war ich einmal um den Turm herum und konnte nicht mehr zurück , da sah ich vorwärts alles doppelt ; Vater , sagte ich und klammerte mich an die Stufen , ich seh zwei Treppen , die laufen so dicht beisammen , daß ich nicht weiß , auf welche ich treten soll . Es hat ja keine Eile , antwortete er ; halte dich nur fest , ich will auf meiner Stufe auch ruhen ; ich habe mir so vorgenommen , dir endlich ein Geheimnis aufzuklären , was so lange auf dir gelastet hat . Wo ist meine Schwester ? fragte ich . Sie ist tot , antwortete er . Vater , ich sehe jetzt klar , rief ich , was unter mir ist , reizt und schreckt mich nicht mehr , wir können ruhig ansteigen durch den Saum der Wolke , der meinen Scheitel umhüllt . Das Wort hatte mir Totenruhe gegeben , mit dem Worte