im Lande , Steckten manches Flügelkind In das Körbchen schnell geschwind , Und verkauften ' s ohne Schande ; Leutchen , wer kauft Liebesgötter , Ach es ist so liebreich Wetter . Ach es ist so liebreich Wetter , Kauft , ihr Mädchen jung und schön ! Eine kommt sie anzusehen , Spricht : » Das sind die Liebesgötter ? « Ei bewahre , das sind Tauben , Eine nur gehört zum Glauben . Eine , die gehört zum Glauben , Doch die Liebe alle braucht , Und zum Boten jede taugt , Läßt sich nicht ihr Brieflein rauben , Als wo sie den Liebsten wittert , Der sie oft mit Zucker füttert . » Sehr richtig « , sagte der Kammerjunker , » die orientalischen Liebestauben müssen mit Zuckerkandis gefüttert werden . « - » Sie haben das Gedicht nach dem alten Gemälde verfertigt , wo eine Frau Liebesgötter wie Tauben an den Flügeln zum Verkauf aus dem Korbe hebt und vorzeigt « , meinte neidisch der Fischkopf . - » Es ist ganz eigen mir « , sagte sie , » alles wird bei mir zum Bilde und jedes Bild zum Gedichte . « - » Ei « , sagte der Minister mit seinem tiefen Basse zwischenredend , nachdem er lange an der offenen Seitentüre gestanden , » daß Ihnen Ihr Gedicht nur nicht zur Wahrheit wird und Sie , mein schönes Kind zum Jungen , oder Ihre Nachtigallen , die ich heute noch bewundert habe , zu lauter kleinen Kindern . « - » Immerhin « , antwortete sie , » ich habe mir stets Kinder gewünscht , wenn ich nur nicht deswegen zu heiraten brauchte ; ich bin bei meiner Schwester an Kindergeschwätz so gewöhnt , daß ich es jetzt sehr vermisse ; in jeder flüsternden Welle glaub ich ' s zu hören . « - Der Primaner raunte hier dem Kammerjunker ziemlich ungeschliffen ins Ohr : » Hat sie uns wohl je so was Schönes hören lassen ; sie setzt sich dem Minister zu Ehren auf ihr Paradepferd . « - » Es ist etwas unsicher « , antwortete der Kammerjunker , » denn Wasser hat keine Balken . « - Der Minister sagte unterdessen mit einer Miene , die wenigstens eine Liebeserklärung andeutete : » Zur Kinderzucht gehört sehr viel lästige Reinlichkeit , wie zur Liebe . « - Ohne alle Verlegenheit antwortete sie , die Mutter hätte kein Herz , die nicht selbst den Schmutz ihrer Kinder lieb hätte . - MINISTER : » Sie haben wohl viel Kinder ? « - MAMSELL : » Außer meinen poetischen nur meine Tauben , deren Eier ich oft an meinem Busen ausbrüte . « - Bei diesen Worten tat der Minister , als wenn er sie väterlich umarmen wollte , drückte sie aber so fest an sich , daß die Eier , die sie an ihrem Busen gerade ausbrütete , krachend zerplatzten . Lachend über den goldnen Strom , der ihrem Herzen entquoll , stand rings die poetische Gesellschaft , und dachte über die Ursache nach ; Mamsell vergab dem Minister für den vollwichtigen Kuß den bethlehemitischen Kindermord . Sie reinigte sich sehr leicht , und das Gespräch wendete sich natürlich wieder zu den verschiedenen Sehnsuchten nach Italien . Der Kammerjunker hatte zwar etwas mehr Zutrauen gewonnen zu seinem Gedichte seit diesem Rührei , doch fürchtete er noch den Fischköpfigen . Der Primaner mußte voran lesen ; er tat es mit zitternder Heftigkeit , unterdrückt vorschreiend : Ausbildung Das Kind Sternlein des Abends am Leuchtturm der Höhen , Willst du im Kreise ewig uns drehen , Keiner erblicket , wo du gegangen , Warum von Abend nach Morgen verlangen ? Lieber in Blitzen möcht ich erblinden , Als in den tauenden Wolken verschwinden , Hinter den Wolken harrend zu stehen , Ist nur ein langsam verzweifelnd Vergehen . Der Abendstern Kindlein , ich leuchte dir nicht alleine , Komm in des Südens himmlische reine Immer verklärte , verklärende Lüfte , Nimmer bestehn da umnebelnde Düfte . Sonnendurchstrahlet müssen sie sinken , Schöner in glühenden Früchten zu winken , Bilden sie weichlich das Bette der Sonne , Immer sich opfernd , sich ehrend in Wonne . Ich nur bestehe den Menschen zum Zeichen , Flügel den Armen unfühlbar zu reichen , Wert ist das Glück nur der menschlichen Mühe , Genius bin ich der ahndenden Frühe . Will sich der Wärme feuriger Regen Abends und Morgens auf Ferne hinlegen , Warum verschmachten danach und erfrieren ? Laß dich zur goldenen Ferne hinführen . Schuldlose Herzen trauen der Ferne , Nimmer veralten ihnen die Sterne , Warnen heut , lächeln dann morgen auch wieder , Abend und Morgen sind himmlische Brüder . Ja ich komm wieder ! Schwankt dann der Boden , Fangen die Netze des Dunkels den Oden ; Siehe nach mir , denn wisse , mein Flügel Wecket dich auf an dem Römischen Hügel . Das Kind Ja das ist Roma , selber die Trümmer Fügen sich wieder zum herrlichen Schimmer , Lasset die Erde taumelnd nur schwanken , Trägt sie mein Glück doch und meine Gedanken . Schimmern die Tempel bei Kirchen so dichte , Himmlische Wüste umschließet sie lichte , Langsam die Tiber , Sehnsucht im Blicke , Fließt sie zum Meere und wünscht sich zurücke . Bin ich geworden , bin ich vollkommen , Gestern ein Kindlein , bang und beklommen ; Heut in Italien findet mein Sehnen Endlich des Busens hochherrliches Dehnen . Ist dies die Heimat ? Ist dies die Fremde ? Wie ist es kommen , daß ich mich grämte ? Schwimmen die Äpfel nicht golden im Bache , Wenn ich erinnernd und hoffend erwache . Wißt , wo die fröhlichen Mädchen noch hausen , Nimmer die Stürme des Nordens einbrausen , Merkt , daß Italien die schwimmende Insel , Fliehend das stürmische Menschengewinsel . Lachet ihr Mädchen , sehet , sie weilet , Nicht mit dem Morgenrot wieder zerteilet , Alle Erinn ' rung im Schilfe da rauschet