das , was mir allein wichtig ist , gleich mit mir dachte . So endigte der erste Besuch viel besser , als ich gehofft hatte ; ich soll nun , so gebeut es mein Vater , ihn täglich besuchen , so lange er in Byzanz bleibt , dann mit ihm nach Nikomedien gehen , und ihn nie wieder verlassen . Leb ' wohl , Theophania ! Ich muß mich bereiten , am Hofe zu erscheinen . Einer Kaisertochter wird es nicht so gut , wie der Tochter des gemeinsten Handwerkers , daß sie ihrem Vater unvorbereitet , und mit ihrem alltäglichen Anzuge , an die Brust fliegen könnte . 96. Constantin an Agathokles . Nikomedien , im März 305 . Nach einer sehr langsamen , und sehr unangenehmen Reise bin ich endlich vor einigen Wochen mit dem Augustus hier eingetroffen . Sein Zustand ist bedenklich , obwohl für den jetzigen Augenblick ohne Gefahr . Die Aerzte oder vielmehr sein Leibarzt , der durch sie spricht , derselbe , den ihm Galerius überlassen hat , erklären , daß nur Entfernung von allen Geschäften , wenigstens auf einige Zeit , nur vollkommene Ruhe seine ganz zerrüttete Gesundheit wieder herstellen kann . Ob sie in der Tiefe ihrer Kunst , oder in der Politik des Galerius diese Kunde geschöpft haben , entscheide ich nicht . Dieser , der uns von Syrmium auf dem Fuße hierher gefolgt ist , um keinen Augenblick zu versäumen , und überall selbst gegenwärtig zu seyn , steigert seinen Ton und sein Betragen an Bestimmtheit und Hoheit mit jeder schlimmen Nachricht von des Augustus Befinden , und zwischen den Höfen von Nikomedien und Mailand waltet ein ununterbrochener Briefwechsel . Nicht umsonst wird Salona , wie ich mich selbst überzeugt habe , mit kaiserlicher Pracht erbaut und eingerichtet . Es ist ein äußerst lieblicher Aufenthalt , reizend zwischen sanften Hügeln und dem Meer , in der schönsten Gegend von Dalmatien gelegen . Diocletian schien mit auffallender Vorliebe und allem Eifer , den ihm seine Schwachheit übrig ließ , die Vollendung dieses Baues zu betreiben , der so ganz das Gepräge einer stillen Freistatt nach den Stürmen und Mühseligkeiten eines thatenvollen Lebens trägt . Ich sehe im Geiste Alles vor , es ist , als ob eine geheime Stimme mir es zuflisterte . Freiwillig oder halbgezwungen , aus Philosophie , oder um das untergehende Gestirn dem bösen Einfluß des gewaltsam empordringenden zu entziehen , wird Diocletian die Zügel der Regierung niederlegen , Galerius - Augustus heißen , und wie Diocletian , Herr der Welt seyn wollen . Auch spricht man am Hofe und in der Stadt zu viel , zu allgemein , zu laut von dieser wahrscheinlichen Zukunft , als daß dies Gerücht blos der aufgetriebene Schaum des Müßigganges und der Langeweile seyn sollte , die schon so manches Gerede erzeugt haben . Heimliche Boten sind ausgesendet , um im Gespräch gleichsam zufällig die Nachricht zu verbreiten , und die Welt auf das seltsam wichtige Schauspiel vorzubereiten . Man erwartet das jüngst kaum Geglaubte , das halb Unmögliche , fast schon als gewiß . Der Ehrgeiz , die Ruhmsucht , der Eigennutz in seinen innersten Tiefen durch neue Hoffnungen , Besorgnisse und Aussichten geweckt , kommt in gährende Bewegung , die Neugierde zermartert sich in Vermuthungen und Erwartungen , und der müßige Pöbel des Hofes und der Stadt sieht mit gespannter Aufmerksamkeit dem großen Ereigniß , wie einem interessanten Schauspiel , entgegen , von dem er sich Zerstreuung und Zeitkürzung erwartet . So stehen die Sachen hier . Seit dem diese Gerüchte anfangen laut zu werden , und vom Hofe aus ihnen Niemand widerspricht , handelt und befiehlt Galerius als Einer , der bald allein zu handeln und zu befehlen haben wird . Er möchte sich doch verrechnet haben . Der Titel eines morgenländischen Augustus enthält noch nicht den Titel des Herrschers der Welt , nicht jeder Augustus ist ein Diocletian , und gerechte Ansprüche zu sichern , und von ihnen geleitet und geschützt so weit zu gehen , als Sterblichen möglich ist , ist der hohe Beruf , den die Natur in manche Seelen legte , und den zu überhören , sie eben so unwürdig als unmöglich dünken würde . Was mein Vater für mich im Stillen bereitet hat , was mir aus jenen Gegenden droht , und was ich dort durch seine und deine rastlose Sorge und Anstrengungen zu hoffen habe , habe ich theils durch deine geheimen Briefe , die mir der treue Vipsanius aus Laureacum brachte , theils durch die mündlichen Nachrichten erfahren , die mir die edle Valeria , als das letzte Vermächtniß ihres und meines sterbenden Freundes , mitgetheilt hat . Ich habe sie in Byzanz gesehen , und auf den ersten Blick die Landsmännin in ihr erkannt . Solche schlanke weiße Gestalten , so gelbes Haar , so dunkelblaue Augen erzeugt nur Britanniens lieblich düsterer Himmel . Sie ist sehr unglücklich . Eine ihrer ersten Bitten an mich , dem sie als einem Bruder sich mit schöner Zuversicht offen nahte , war , wenn sie stürbe , ihre Ueberreste nach Laureacum zu senden , und sie an unsers verehrten Lehrers Seite begraben zu lassen . Sie scheint nur Raum für diesen Gedanken zu haben , und in ihm allen Trost zu finden , dessen ihre Lage fähig ist . Schmerzlich hatte ihr Anblick , ihr Gespräch jene alten Wunden wieder in mir erneuert , ihr Umgang mich weich und wehmüthig gestimmt , und ich fand es bald nöthig , meine Einbildungskraft mit Gewalt von diesen Bildern abzuziehen , deren lähmende Wirkung ich mit Verdruß in meiner Empfindungs-und Handlungsweise empfand . Die hiesigen Angelegenheiten boten mir bald würdige Gegenstände , und Valeria , die ich übrigens so sehr achte , als es ihre Vorzüge und ihr Unglück verdienen , wird mich , wie ich hoffe , nicht verkennen , und nicht glauben , daß das Andenken unsers verklärten Freundes darum in meiner Seele schwächer fortlebt , weil ich selten und mit mehr Ruhe , als