, träumt sie den Traum der Liebe , und dieser Traum ist jener stille schöne Schmerz , jenes Bangen , ich möchte sagen , die Seele aller Sehnsucht , und die sentimentale Poesie der Liebenden . - Mir ist jede unvollendete Harmonie in den Naturerscheinungen , jenes Streben des Formlosen und Toten nach Gestalt und Leben , wo Seele und Stoff mit innerm Drange zueinander streben , und der Stoff von dem Strahle des Geistes nur erglüht und schmerzlich wieder in den Tod zurücksinkt , so ein Traum der Liebe . - Verstehen Sie mich ? - nein . - So ist mein Ausdruck selbst ein Beispiel eines solchen Traumes der Liebe , in dem der Gedanke und das Zeichen nicht zum Worte wurden . - Ich glaube es Ihnen aber deutlicher zu sagen , lieber Godwi , wenn ich schweige , und Sie bitte , ans Fenster zu treten . - Sie sehen die roten Flammen des Abends , wie die Berge von ihnen entzündet werden und Feuer zu duften scheinen , und wie diese Flammen sich mannigfach gestalten , und ganze Landschaften zu werden scheinen . - Was ist die Flamme anders als die Gestalt des Feuers , und das Feuer anders als die Gestalt der Wärme , und diese als die Gestalt des Lichts ? Sie sehen , wie sich das Licht von dem Stoffe ergriffen zur Flamme zu bilden scheint , und wie die Flamme den Berg und den Wald entzündet , und sich die ganze Gegend nach dem Lichte sehnt ; es ist , als sei nichts in Ruhe , und das innere willenlose Treiben kehre sich heraus , und doch ist alles Ruhe , eigentliches Gefühl der Ruhe , in dem sich die Ruhe aufhebt . - Dies ist ein Traum der Liebe . Und ist Liebe in Ihnen , so müssen Sie einstimmen in diesen allgemeinen Traum , auch Sie ergreift die allgemeine Sehnsucht ; aber Ihre Sehnsucht ist nur die Ihrige , - und wer keine Liebe hat , möchte sterben in dieser Minute . - Aber es giebt einen Traum des Lebens , der Liebe zu umfassen glaubt ; aber Liebe ist nur Wahrheit - und jene luftigen unbestimmten Seelen , die es nur zum Reize und nie zur Schönheit bringen , träumen dieses Leben , und ihre Liebe ist eine solche Liebe des Traumes , - sie ist ohne Bestimmung , mit unendlichem Reize , ohne Ziel , wo sich alle diese Mittel zu einer Schöpfung vereinigten . Wer sich ihnen hingiebt mit seiner Liebe , muß mit diesen Blumen verwelken - lieben darf man sie als Frühling und Poesie , aber nie als einzelne Blumen . Nur das starke gesunde Gemüt wagt nichts mit ihnen , es blickt auf sie nieder , wie auf die Blumen , die es seiner Geliebten bricht , die es in den Triumph seines Lorbeers flicht , damit der Ernst auch lächle , und schützt sie sogar wie zarte Kinder , wie lieblose Unschuld , und nimmt sie wie ein reines Bild der bloßen Schönheit . Wendet er aber seine Liebe zu diesen hin , die sich nach seiner Liebe wenden müßten , so ist es , als wende sich die Sonne nach der Blume , und die Blume nicht nach ihr . - Ihr Leben ist eine bloße Allegorie , ihre Liebe nur leiser Erguß , nicht der Schöpfung , nur des Todes . - Mir , lieber Godwi , sollte ich sterben , sollen Sie einen einfachen Stein setzen , und darauf die letzte Terzine dieses schlechten Sonetts . « - Sonett O schwerer heißer Tag , ihr leichtes Leben Schließt müde weinend seine Augenlider , Schon senkt der Schlaf das tauende Gefieder , Um solche Schönheit kühl ein Dach zu weben . - Von ihren Lippen leise Worte schweben , » Du Liebe süßer Träume , kehre wieder ! « Da läßt sich ihr der Traum der Liebe nieder , Um ihres Schlummers kranke Lust zu heben . - » Du Traum ! « - » Ich bin kein Traum , « spricht er mit Bangen , » O laß uns nicht so holdes Glück versäumen ! « Da weckt er sie , und wollte sie umfangen . - Sprecht ! Wessen bin ich ? Wer hat mich besessen ? Ich lebte nie - war eines Weibes Träumen - Und nimmer starb ich . - Sie hat mein vergessen . Fünfunddreißigstes Kapitel Als ich erwachte , blickte ich durch die Stube hin . Nach der Gräfin zu sehen , hatte ich den Mut nicht . Es war eine ganz eigne Empfindung , wie ich mich mit allem verwandt fühlte , mit den alten Schränken und dem Gipsbilde , den Sesseln und mit dem kleinen Sopha im Erker . Meine Augen liefen an den sauren Gesichtern der Ritterbilder und den süßlich ernsten der neuern Ahnherrn auf und ab , wie auf meinen Verwandten ; ich ergötzte mich ebenso an den Damen , und wunderte mich , wie freundlich ihre Schnürbrüste aus einem Gesichtspunkte waren ; ich nahm sie nämlich als cornu copiae und freute mich der schönen Früchte , die aus ihnen hervordrangen , und hier und da zierlich mit Blumen zusammengestellt waren . Es war mir , als hätte ich von allen den Leuten erzählen hören , und konnte mich nicht enthalten , dem Bilde des verstorbenen Grafen , der mir gegenüber hing , ein kleines lächelndes Kompliment zu machen , denn ich erinnere mich nicht , daß es mir je so leicht und so lustig zu Mute war . - Nachdem ich alle fremde Geschäfte besorgt hatte , wendete ich meine Gedanken auf meine eigne Person , und bekam keine geringe Hochachtung vor ihr . - Zuerst in welchem herrlichen , ja herrschaftlichen Bette , vielmehr Schlafgebäude , Schlummerpalast , Ruhetempel befand ich mich , wenn ich heute nacht sollte geschnarcht haben , - die hochwürdigen Herrn des Klosters , das ich am Anfange meiner Herreise besuchte , konnten in