Frage an den Grafen erlaubt , so unmöglich auf der einen Seite , und das Gesuch um diese Veränderlichkeit , es mochte bewilligt oder abgeschlagen werden , überhaupt so heruntersetzend auf der andern , daß die betroffne Ministerin stolz aufstand , wieder fragte : » Ist das dein letztes Wort an uns , Liane ? « - und als Liane weinend antwortete : » Ich kann nicht anders , Gott sei mir gnädig ! « , sich zornig wegwandte an den Minister und sagte : » Tun Sie nun , was Sie für convénable halten , ich bin unschuldig . « - » Nicht so ganz , ma chere ; aber gut ! « ( sagt ' er : ) » Du bleibst von morgen an in deinem Zimmer , bis du dich korrigierst und unsers Anblicks würdiger bist « , kündigte er hinausgehend Lianen mit zwei auf sie geworfenen Augen-Salven an , worin meines Ermessens weit mehr Reverberierfeuer-Plagegeister - ätzende , fressende Medikamente - Gehirn- und Herzensbohrer versprochen wurden , als sonst ein Mensch gebend halten oder empfangend tragen kann . Armes Mädchen ! dein letzter August ist sehr hart und kein Erntemonatstag ! - Du siehst in die Zeit hinaus , wo dein kleiner Sarg steht , an welchem ein grausamer Engel die schönen , um ihn herumlaufenden , noch frischen Blumenstücke der Liebe wegwischt , damit er ganz weiß , so rosenweiß wie deine Seele oder deine letzte Gestalt , herübergetragen werde ! Dieses Vertreiben von der Mutter in die Einöde ihres Klosterzimmers war ihr ebenso fürchterlich , nur nicht fürchterlicher als das Zürnen derselben , das sie heute erst zum drittenmal erlebte , obwohl nicht verdiente . Es war ihr , als wenn nun nach der warmen Sonne auch noch gar das helle Abendrot unter den Horizont gesunken wäre , und es wurde dunkel und kalt in der Welt . Sie blieb diesen ganzen noch eingeräumten Tag bei der Mutter ; gab aber nur Antworten , blickte freundlich an , tat alles gern und behend und hatte - da sie jeden zusammenrinnenden Tautropfen schnell mit dem Zwergfinger aus den Augenwinkeln schlug , als sei es Staub , weil sie dachte : nachts kann ich weinen genug sehr trockne Augen ; und das alles , um der belasteten Mutter nicht zu neuer Last zu sein . Aber diese , wie Mütter so leicht , verwechselte die scheue liebende Stille mit dem Anbruche der Verstockung ; und als Liane in unschuldiger Absicht des Trostes sich Karolinens Bild aus Lilar wollte bringen lassen , galt auch diese Unschuld für Verhärtung und wurde mit einer elterlichen gestraft und erwidert ; nämlich mit der Erlaubnis , zu schicken . Nur forderte die Ministerin die französischen Gebete von ihr zurück , als sei sie nicht wert , diese ihrem jetzigen Herzen unterzulegen . Nie ist der Mensch kleiner , als wenn er strafen und plagen will , ohne zu wissen wie . Da jeder , der regiert , er sitze auf einem Lehr- oder Fürstenstuhl , oder wie Eltern auf beiden , dem Fußbewohner desselben den vorigen Gehorsam , sobald er ihn einmal aussetzt , nicht als Milderung seiner Schuld anschreibt , sondern als Vergrößerung : so tat es die Ministerin auch gegen ihr von jeher so folgsames Kind . Sie haßte ihre reine Liebe , die wie Äther ohne Asche , Rauch und Kohle brannte , um desto mehr und hielt sie für Schadenfeuer oder Feuerschaden , besonders da ihre eigne bisher fast nie mehr als ein vornehmes Kaminstück gewesen . Liane stieg zuletzt , zu schwer zusammengepresset , da jenseits der Wandtapete der heitere Tag , der schönste Himmel blühte , aufs welsche Dach hinauf . Sie sah , wie die Menschen vergnügt von kleinen Lustörtern , weil die Erde ein großer war , zurückfuhren und - ritten ; auf Lilars Stauden-Pfad wandelten die Spaziergänger selig-langsam heim - auf den Gassen wurde laut an den Fest-Gerüsten und Himmelswagen für die Fürstenbraut gezimmert , und die fertigen Räder wurden prüfend gerollt - und überall hörte man die Übungen der jungen Musik , die erwachsen vor sie treten sollte . Aber als Liane auf sich blickte und hier ihr Leben allein im dunkeln Gewande stehen sah - drüben das leere Haus des Geliebten - hier das ihrige , das auch leer für sie geworden - diese Stelle , die noch an eine schönere , seltnere Abblüte als des cereus serpens erinnerte - und o ! diese kalte Einsamkeit , da ihr Herz heute zum ersten Male ohne ein Herz lebte ; denn ihr Bruder , der Chorist ihres kurzen Freudengesanges , war verschickt und Julienne seit einiger Zeit ihr unbegreiflich unsichtbar - nein , sie konnte die schöne Sonne , die so hell und weiß mit ihrem hohen Abendsterne sich tiefer wiegte , nicht niedergehen sehen - oder das frohe Abendchor des langen Tages anhören , sondern verließ die glänzende Höhe . O , die fremde Freude stirbt im unbewohnten dunkeln Busen , wo sie keine Schwester antrifft , und wird zum Gespenst darin ! So deutet das schöne Grün , diese Frühlingsfarbe , sobald es eine Wolke malt , nichts als an lange Nässe . Da sie bald in die Freistatt des Tags , das Schlafzimmer , trat , wetterleuchtete draußen der Himmel ; o , warum jetzt , hartes Geschick ? - Aber hier , vor dem Stilleben der Nacht , wenn das Leben , von ihrem Flor bezogen , leiser tönt - hier dürfen alle ihre Tränen fließen , die ein schwerer Tag gekeltert hat . Auf dem Kopfkissen , als trüg ' es den längsten Schlaf , ruhet dieses verblutete Haupt sanfter als an der Brust , die ihm seine Tränen zankend nachzählt ; und es weinet sanft nicht über , nur um Geliebte . Wie gewöhnlich wollte sie ihre mütterlichen Gebete aufschlagen ; als sie erschrocken daran dachte , daß man sie ihr genommen . Da blickte sie heißweinend auf zu Gott und bereitete allein aus dem