sieben Deserteure vermehrt . Letztere höchst widriges Gesindel . Mit genauer Not bekamen wir einige von den erbeuteten Pferden ; dann , bei jedem Offizier ein Gendarm , außerdem noch zwei , drei zur Eskorte der übrigen , so ging unser Zug rückwärts auf der Straße nach Homburg zu . Ein wahrer Golgathas-Weg für uns arme Sünder . Gleich zu Anfang passierten wir einen großen Teil der französischen Armee , die auf einer weiten Ebene hielt . Hier fanden wir Truppen aller Art , auch das Proviantfuhrwesen . Wir kamen leidlich vorüber . Als wir aber eine andere Abteilung der geschlagenen Armee erreichten , bei der sich viele Hunderte von Schwerverwundeten befanden , war es mit unserer Ruhe vorbei . Ein großer Teil dieser Unglücklichen , als sie uns sahen , gebärdete sich wie rasend , wetterte und fluchte und schien durchaus willens , es bei den insultierenden Worten nicht bewenden zu lassen . Mehr als einmal schlug man die Gewehre auf uns an , und nur der Umstand , daß wir rechts und links Gendarmen zur Seite hatten , die bei dieser Gelegenheit so gut wie wir getroffen werden konnten , rettete uns aus dieser Gefahr . Die Insulten dauerten fort , aber nach einer halben Stunde schienen auch die Lungen erschöpft und man ward still . Nochmals eine halbe Stunde später und wir wurden in einem Stall untergebracht , wo sich unser Häuflein alsbald um einen Unglücksgefährten vermehrte . Das Regiment Göcking-Husaren hatte verfolgt und bei diesen Verfolgungs-Scharmützeln war Kornett Gottschling vom genannten Regiment verwundet und dann gefangen genommen worden . Er hatte einen Hieb über den Kopf , einen andern über die Hand und war in sehr bedauernswerter Lage . Der Zug setzte sich endlich wieder in Bewegung . Neue feindliche Trupps waren zu passieren , da wir aber auf dem Marsche blieben , so hatten wir weniger zu leiden ; nur der arme Gottschling erhielt einen Steinwurf . Gegen Abend rückten wir in ein Dorf ein , das nicht mehr ferne von Homburg war . Der Führer der Eskorte wollte weiter , aber die Mannschaften , die sich angeschlossen hatten , wollten bleiben oder wenigstens eine Rast machen . Der Führer mußte nun gehorchen . Ein Haus wurde ausgewählt , und wir Offiziere , der Junker , die Deserteurs und die Gendarmen kamen in ein und dieselbe Stube . Die gutmütige Wirtin schaffte Milch , wir selbst hatten Kommißbrot und so wurde denn eine Milchsuppe gekocht , die mir ganz besonders mundete , da ich seit jenem Reisfrühstück in Gesellschaft der Generalität , nichts Warmes mehr gegessen hatte . Homburg indessen sollte noch erreicht werden , und um zehn Uhr abends rückten wir in seine Straßen ein . Quartiere erhielten wir im Ratskeller , in einem weitläufigen Gemach , das schon vorher mit vielen Verwundeten belegt worden war . Uns blieb nur , wie in der Nacht vorher , ein kleines Plätzchen zum Stehen übrig . Hart an uns vorüber trug oder führte man die Verstümmelten . Eine Hölle war uns dieser Aufenthalt ; das war » gekerkert im Kerker « . Unbegreiflich und wunderbar war es uns allen und ist es mir noch in dieser Stunde , daß nicht einer dieser Unglücklichen , wütend wie sie waren , uns niedermordete oder doch mißhandelte . Wir erwarteten es jeden Augenblick , aber es blieb bei Fluch und Verwünschung . Ein oder anderthalb Stunden mochten wir in diesem Zustande zugebracht haben , bittend , flehend , daß man uns aus dieser Höhle des Jammers fortführen möge . Alles umsonst . Endlich , aufs äußerste empört , begannen wir selbst zu toben und zu fluchen . Das half . Man brachte uns in ein Wirtshaus , in dem ein französischer Artilleriegeneral logierte . Dieser teilte seine Stube mit uns und behandelte uns mit vieler Artigkeit . Wir ließen uns ein gutes Nachtmahl schmecken , legten uns auf Streu oder Stühle und vergaßen in festem Schlaf die bittern Erlebnisse des letzten Tages . Den 1. Dezember 1793 . Morgens beim Erwachen war der General fort ; wir haben auch später seinen Namen nicht erfahren können . Unser Frühstück , Kaffee und Zubehör , stand bereit , wir ließen es uns schmecken und weiter ging es bis Zweibrücken . Hier führte man uns auf den Marktplatz , wo denn alsbald alles , was nur Raum finden konnte , sich an uns herandrängte . Wir fürchteten ein Dacapo des Spiels vom vorigen Tage , aber es unterblieb ; teils waren hier keine Blessierten , teils war die erste Wut schon verraucht ; zudem befanden wir uns hier zumeist unter Linientruppen . In ihrem Beisein waren wir in der Regel vor groben Beleidigungen sicher . Jeder von uns ward von einem ganzen Haufen umzingelt , alles schwatzte und frug auf uns ein , frug immer von neuem und immer etwas anderes , ohne unsere Antworten abzuwarten . Dabei reichten sie uns Kognak und Brot , sprachen uns Mut zu und hießen uns guter Dinge sein . Genug , das Ganze dieser Szene war menschenfreundlich und gutartig , wenn ich einige Tölpel ausnehme , die grob wurden , weil wir ihnen kein Gegenprosit mehr zutrinken wollten . Einer den ich bat , mich nicht weiter zu nötigen , erklärte laut : » ich sei ein Emigrierter , er kenne mich « . Dabei nahm er mein Pferd beim Zügel und wollte mich zum Repräsentanten abführen . Doch kam es nicht soweit , einige andere bedeuteten ihm seinen Unsinn und drängten ihn weg . Nach einer halben Stunde führte man uns auf die Hauptwache . Hier wiederholten sich die Szenen vom Marktplatz , aber schon nach kürzester Frist wurden wir weiter geschleppt , und zwar in das Gefängnis der Stadt ; wir drei Offiziere kamen in die Armesünderstube . Wohl allenthalben sind sich diese Lokalitäten so ziemlich ähnlich . Das erste , was mir ins Auge fiel , war eine mit Kohle an die Wand geschriebene Zeile : » Der nächste Gang von hier