mich mit mattem und leidenden Blicke an . " " Johanna , es war nicht meine Absicht , Dich so zu verwunden . Wenn der Mann , der nur ein einziges kleines Lamm hatte , das ihm theuer war , wie eine Tochter , das von seinem Brode aß , aus seinem Becher trank und in seinem Schooße lag , es aus Versehen geschlachtet hätte , würde er diesen blutigen Fehlgriff nicht schwerer bereut haben , als ich den meinen bereue . Wirst Du mir zu vergeben ? ” Leser - ich vergab ihm in dem Augenblicke und auf der Stelle . Es war so tiefe Reue in seinen Augen , so wahres Mitleid in seinem Tone , so männliche Energie in seinem Wesen ; und überdies lag so unveränderliche Liebe in seinem ganzen Ausdrucke und in seiner Miene , daß ich ihm Alles vergab ; doch nicht in Worten , nicht äußerlich , nur im Innersten meines Herzens . " Du weißt , daß ich ein Schurke bin , Johanna ? ” fragte er nach einer Pause bedeutungsvoll - wahrscheinlich verwundert über mein Schweigen und meine Zahmheit , die mehr aus Schwäche , als aus freiem Willen hervorging . " Ja , Herr . ” " Dann sage es mir offen und heftig - schone meiner nicht . " " Ich kann es nicht : ich bin matt und krank . Ich bedarf etwas Wasser . ” Er stieß einen schaudernden Seufzer aus , faßte mich in seine Arme und trug mich die Treppe hinunter . Anfangs wußte ich nicht , in welches Zimmer er mich getragen ; es schwebte eine Wolke vor meinen gläsernen Augen , sogleich aber empfand ich die belebende Wärme eines Feuers , denn wenn es gleich Sommer war , so war ich doch eisig , kalt in meinem Zimmer geworden . Er hielt mir Wein an die Lippen , ich kostete ihn und erholte mich , dann aß ich etwas , was er mir anbot und war bald wieder völlig , hergestellt . Ich war im Bibliothekzimmer saß in seinem Sessel — er war ganz nahe . " Wenn ich jetzt ohne zu große Qual aus dem Leben scheiden könnte , so wäre es gut für mich , " dachte ich ; “ dann würde mir die Anstrengung erspart , die Saiten meines Herzens zu sprengen , indem ich sie aus den seinigen herausreiße . Es scheint , ich muß ihn verlassen . Ich will - ich kann ihn nicht verlassen ! ” " Wie ist Dir jetzt . Johanna ? ” " Viel besser , Herr , es wird mir bald ganz wohl sein . ” " Koste den Wein noch einmal , Johanna . " Ich gehorchte ihm ; dann setzte er das Glas auf den Tisch , stand vor mir und sah mich aufmerksam an . Plötzlich wendete er sich mit einem unartikulirten Ausruf voll leidenschaftlicher Aufregung ab , ging rasch durchs Zimmer , kehrte zurück und neigte sich zu mir nieder , als wollte er mich küssen ; doch erinnerte ich mich , daß Liebkosungen jetzt verboten waren . Ich wendete also mein Gesicht ab und schob das seine zurück . “ Was ! - wie ist dies ? ” rief er heftig . " O ! ich weiß , Du willst Bertha Mason ' s Gatten nicht küssen ? Du denkst meine Liebkosungen und Umarmungen gehören einer Andern ? ” " Auf jeden Fall habe ich keinen Anspruch daran , mein Herr . " " Warum , Johanna ? Ich will Dir die Mühe des vielen Sprechens ersparen und für Dich antworten - weil ich schon ein Weib habe , willst Du sagen . - Ist meine Vermuthung richtig ? " “ Ja . ” " Wenn Du so denkst , mußt Du eine seltsame Ansicht von mir haben : Du mußt mich als einen ränkevollen Wüstling betrachten - als einen gemeinen und niedrigen Schuft , der uneigennützige Liebe gezeigt hat , um Dich in eine absichtlich gestellte Schlinge zu locken , Dir die Ehre zu rauben und die Selbstachtung zu entziehen . Was sagst Du dazu ? Ich sehe , daß Du nichts sagen kannst : für ' s Erste bist Du noch matt und hast Mühe genug , um Athem zu schöpfen ; für ' s Zweite kannst Du Dich noch nicht gewöhnen , mich anzuklagen und zu schmähen , und überdies sind die Schleusen der Thränen geöffnet , und sie würden hervorstürzen , wenn Du viel sprächest ; auch hast Du keine Lust zu schelten und zu schmähen und eine Scene zu machen : Du bedenkst , wie Du handeln sollst — Du siehst an , daß das Reden von keinem Nutzen ist . Ich kenne dich - ich bin auf meiner Hut . ” " Mein Herr , ich wünsche nicht gegen Sie zu handeln , ” sagte ich , und meine unsichere Stimme warnte mich , meinen Satz nicht zu vollenden . " Nicht in Deinem Sinne des Worts - aber in meinem , bist Du beschäftigt , mich zu Grunde zu richten . Du hast es so gut wie ausgesprochen , daß ich ein verheiratheter Mann bin - als einen verheiratheten Mann wirst Du mich meiden , mir aus dem Wege gehen : ja , noch diesen Augenblick hast Du Dich geweigert , mich zu küssen . Du beabsichtigst mir gänzlich fremd zu werden , unter diesem Dache nur als Adelens Gouvernante zu leben : wenn ich je ein freundliches Wort zu Dir sagen , wenn je ein freundliches Gefühl sich wieder zu mir neigt , wirst Du sagen : “ “ Dieser Mann hätte mich beinahe zu seiner Maitresse gemacht : ich muß wie Eis und Felsen gegen ihn sein . ” ” — Und Eis und Felsen wirst Du folglich werden . Ich suchte meine Stimme sicherer zu machen und antwortete : “ Ales um mich her ist verändert , mein Herr : ich muß mich auch verändern — daran ist