und aller Gewalt ein neues Rüsten . Da wurde ihm zu Anfang des August , in später Nachtstunde , eine Botschaft gebracht , die ihn barfüßig aus dem Bett trieb und zu so wildem Jähzorn reizte , daß sich nun ein Anfall seines Erbübels ganz ehrlich bei ihm einstellte . Sein Schwager Zollern hatte ihm sagen lassen : » Wehre dich mit eigenen Fäusten deiner Haut , wenn du glaubst , daß du noch immer fechten mußt ! Mich erbarmt dieses schönen , deutschen Landes . Und der König will ' s. Ich schließe Frieden . Willst du dir raten lassen und nicht den Zorn des Königs wider dich heraufbeschwören , so tue das gleiche ! Meinst du es aufrichtig , so will ich Mittler sein zwischen dir und dem Loys . « Jagenden Puls in den Adern , mit nackten Füßen , nur in einen Mantel gewickelt , tobte Herr Heinrich in den schlecht beleuchteten , schmucklosen Stuben seiner Burg umher , während man den geheimen Rat Nikodemus aus der Stadt heraufholte . Die Zähne des Herzogs knirschten , die Nägel seiner Finger gruben sich in das Fleisch seiner zarten Fäuste , und die Augen traten ihm vor wie bei einem , den die Angst vor dem Tode rüttelt . Sein wühlender Haß schon fast erfüllt ! Seine Sehnsucht schon fast zur Wahrheit geworden ! Das erdürstete Glück schon in den Händen ! Jener Starke mit der gebeugten Stirn und dem erloschenen Lachen schon fast in den Staub gedrückt ! Und jetzt alles nur ein Halbes ! Alles zunichte , allem die Kehle durchschnitten . Und ihm , diesem Schwachen und Kleinen , war wieder das Schwert aus der Hand gewunden - wie damals auf der dunklen Gasse zu Konstanz ! In der großen , vielfenstrigen Stube , vor deren Scheiben eine schöne Sommernacht mit funkelnden Sternen blaute , setzte sich Herr Heinrich unter keuchenden Atemzügen , die flehende Mahnung seines Kämmerers mißachtend , an den Tisch und begann zu schreiben . Als Nikodemus kam , war die Antwort an Fritz von Zollern vollendet . Und Herr Heinrich war ruhig . Er reichte seinem geheimen Rat die Botschaft des Schwagers . » Lies ! « Lächelnd schlüpfte er in die warmen Schlafschuhe , die ihm der Kämmerer gebracht hatte , und zog seinen schwarzen Mantel fester um das Hemd . Nikodemus , als er gelesen hatte , sah den Fürsten erschrocken an . Der lachte leis und gab ihm die schief gekritzelte Antwort zu entziffern . Man sah es dem Kahlköpfigen an den Augen an , daß er den Inhalt dieses Blattes nicht begriff . » Wie heißt der letzte Satz ? « fragte Herr Heinrich . Nikodemus las : » So tue in deinem und meinem Namen , was ich als notwendig , hilfreich und redlich erkenne . « Mit heiterer Spannung in den fieberglänzenden Augen fragte der Herzog : » Das verstehst du doch ? « » Nicht ganz . « » Dann mußt du dich noch ein wenig besinnen . Treue Diener müssen die Gedanken ihres Herrn erraten . Siegle das Pergament ! Und fort damit ! Der Bote meines deutschen Schwagers wartet . « Herr Heinrich hatte das deutsch wie ein spottendes Wort betont . Nun trat er zu einem Fenster hin . Da draußen dämmerte ein klarer Morgen . » Schön Wetter wird ! Dieser gute König , der in Eilmärschen zu uns bösen Vettern kommt , um uns friedsam zu machen , wird feines Reisewetter haben . « Ein kurzes Lachen . » Ob Herr Sigismund , der sich um unseren Frieden bemüht , nicht besser Ursach hätte , den Frieden in seinem Ehebett herzustellen ? So viele Hirsche habe ich in meinem Leben noch nicht geschossen , als Königin Barbara ihrem hohen Gemahl schon durch das schöngesalbte Lockenhaar springen ließ . « » Auch Simson wurde betrogen . « » Dann bin ich lieber ein Schwacher . Aber wahr ist ' s , lernen kann man von diesem König . Er liebte zu sagen : Wer nicht zu heucheln weiß , versteht nicht zu regieren . Ein gutes Wort ! Seiner hab ich mich heut erinnert . Die Weisheit des Königs wird mir Früchte bringen . Gott soll ' s wollen . « Während Herr Heinrich zur Türe ging , glitt sein heiterer Blick über die Spruchbänder an der weißen Mauer . » Heut hab ich an den Loys gedacht ! Jetzt leg ich mich ins Bett . Guten Morgen , Nikodemus ! « Dem Kämmerer befahl er : » Ruf mir den Medikus ! « Unter seinem Mantel schauernd , trat er in den kahlen Korridor hinaus . Vor der Schlafstube des Herzogs hielten zwei Harnischer mit blankem Eisen die Wache - ein langer , sehniger Mensch mit einer schweren weißen Narbe über das sonnengebräunte Gesicht herunter ; der andere ein klobiges Mannsbild in wuchtigem Panzer , mit steinernen Zügen und heißen Augen . Diese beiden schienen bei Herzog Heinrich in hoher Gunst zu stehen , da er ihnen seinen Schlaf und sein Leben anvertraute . Er nickte ihnen freundlich zu . Und zu dem Mageren mit der schweren Narbe sagte er lustig : » He , du , mein Nüremberger Galgenvogel ? Bist du gesund ? « » Nit ganz , Herr ! « Der Harnischer lachte , doch etwas Mürrisches war im Klang seiner Stimme . » Faule Zeit vertrag ich nit recht . « » Dann wirst du gesünder werden . « Herr Heinrich , sich streckend , legte dem anderen die Hand auf die eiserne Schulter . » Und du , Ramsauer ? Warum dürsten deine Augen so heiß ? « » Weil ich sterben muß , wenn ich nit bald zu schaffen krieg . « Der Herzog betrachtete die zwei . » Hätt ich tausend wie ihr beide seid , so würde Gott immer wollen , was mir wohlgefällt . « In einem Schüttelfrost fingen ihm die Zähne zu schnattern an . Dabei kicherte er vergnügt