mit dem Ordnen der Geschenke , welche er nach unserer Ankunft zu verteilen hatte , und der Governor war heut von einer Nervosität , welche ihn fast ungenießbar machte . Ich versuchte einigemal , ein Gespräch mit ihm zu beginnen ; er hielt mir aber nicht Stand . Das war wohl freilich zu begreifen , weil die Entscheidung nun so nahe lag . Bei einem dieser Versuche sah er mich wie ratlos an und sagte : » Wißt Ihr , Sir , was morgen geschieht , schon morgen ? O , diese Yin ! Ich wünsche sie ins Pfefferland und freue mich doch fast wie ein Kind auf sie ! Ist das nicht verrückt ? Werde ich gewinnen oder verlieren ? Pshaw ! Ich brauche ja nur fest zu behaupten , daß sie mir nicht gefällt , so habe ich den Sieg ! Aber erstens wäre das eine Lüge , weil mir doch schon ihr Bild gefällt . Zweitens liegt mir dieser alte , liebe John am Herzen . Sollen wir ihn um Alles , Alles bringen , weil er so klug ist , wirklich glücklich sein zu wollen ? Und drittens , hm , drittens kommt mir diese ganze Wette so unsinnig vor , daß ich mich gar nicht begreife . Wie ein vernünftiger Mensch nur wetten kann ! « Das klang grad aus seinem Munde so sonderbar , daß ich ein Lächeln nicht unterdrücken konnte . Er sah das und fuhr schnell und fast zornig fort : » Lacht nur , Sir , immer lacht ! Wer hat denn diesen Hieb gegen John und mich geführt ? Ihr ! Jede Wette ging verloren , nur die Eurige nicht . Und Waller wird die seinige auch bezahlen müssen ! Nun treibt mich heut die Ungewißheit hin und her , und ich kann mir nicht einmal mit einer Wette Luft machen ! Und wenn ich könnte , so würde ich es doch nicht tun , denn ich - - ich - - wette nie in meinem Leben mehr . Hört Ihr es ? Nie ! Und daran seid Ihr schuld , Ihr fataler , schrecklicher - - guter , lieber Mensch ! « Er drehte sich auf den Hacken um und ließ mich stehen . Der Kampf des Menschen mit sich selbst ist der schwerste , den es gibt . Es gelingt nur Wenigen , ihn bis zum Ende und siegreich durchzuführen . Am Abende dieses Tages geschah etwas sehr Eigenartiges , sehr Unerwartetes . Der Kranke hatte , ohne die Augen zu öffnen oder ein Glied zu bewegen , dreimal mit starker , befehlender Stimme verlangt , aus der Kajüte hinaus auf das Deck geschafft zu werden . Er wolle den Strahl von oben direkt auf sich leuchten sehen . Mary meldete das Tsi , und dieser war so bedachtsam , erst dann zu bestimmen , nachdem er mit Fang hierüber gesprochen hatte . Beide trafen in der Meinung zusammen , daß man den Wunsch zu erfüllen habe , zumal der Abend ein sehr ruhiger und selten schöner war . Natürlich war Waller nur mitsamt dem Lager zu transportieren . Es wurde herausgeholt und bis nach Yins Kajüte getragen , weil dieser Platz am besten hierfür paßte . Ich stieg mit Fang auf das Verdeck dieser Kajüte , von wo aus wir den Kranken nahe unter uns hatten . Tsi und Mary nahmen ihre Stellung zu seinen beiden Seiten . Er lag zunächst mit geschlossenen Augen . Erst nach längerer Zeit öffnete er sie und schaute zum Firmamente empor . Er sagte nichts . Seine Seele war nicht nach außen , sondern nur in ihm beschäftigt . In dieser Stille verging eine lange , lange Zeit . Da kam der Mond im Osten aus der See gestiegen . Der Kranke wurde zunächst unruhig ; dann lag er wieder still . Und plötzlich , so unerwartet und so laut , daß wir fast erschraken , ertönte seine Stimme : » Gebt Liebe nur , gebt Liebe nur allein ; Laßt ihren Puls durch alle Länder fließen ; Dann wird die Erde Christi Kirche sein , Und wieder eins von Gottes Paradiesen ! « Wir konnten ihn nur sehen , wenn wir uns von oben vorbeugten , und da wir befürchteten , ihn dadurch zu stören , so wurde es von jetzt an unterlassen . Wir vermieden jedes , auch das geringste Geräusch , und so hörten wir , daß er vor sich hinflüsterte . Dann wurde seine Stimme wieder laut : » Steigt nieder , die ihr jetzt am Himmel strahlt , zu der , die euch nur aus der Ferne kennt , zur Welt des Scheins , die mit dem Lichte prahlt , obgleich sie nichts als nur Geborgtes brennt ! Steig nieder , heilger Stern von Ephrata , der du der Stern der wahren Liebe bist ; erscheine , wie ' s in jener Nacht geschah , und zeige uns wie dort den wahren Christ ! « Ich sah den Sprechenden nicht , und dadurch bekam das , was er sagte , einen ganz eigenartigen , unbeschreiblichen Klang für mich . Es kam wie aus großer Tiefe oder weiter Ferne , ein Ruf , wie aus der Zeit des alten Testamentes . Nun fuhr er fort : » Wo ist die Liebe , die am ersten Tag der Menschheit Christi arm geworden war , die ohne Dünkel in der Krippe lag und Demut übte stets und immerdar ? Wo ist die Liebe , die zum Jünger kam und ihm nur dann die Seligkeit verhieß , wenn er das Kreuz geduldig auf sich nahm und alle Erdengüter von sich stieß ? Wo ist die Liebe , welche der geliebt , der jede ihrer Gaben so verstand , daß Alles , Alles , was die Rechte gibt , verborgen bleibt der andern , linken Hand ? Wo ist die Liebe , die sich willig bot , als Opferlamm , trotz aller Qual und Pein , durch einen unerhörten Martertod für