, und das schönste ist , daß aller Kinderlebensmut dazu wieder herabgekommen ist vom Himmel . Ach , wäre nicht Kleophea , die helle , reine Kinderfreude käme auch wieder herab - O Johannes , Johannes , habe mich recht lieb , recht , recht lieb ! « Johannes Unwirrsch antwortete nicht auf diese letzten Worte des Fränzchens aus dem einfachen Grunde , weil er es nicht konnte . Er nahm die Braut nur fester in die Arme , und sie barg ihr Gesicht an seiner Brust . Erst nach einiger Zeit sprachen sie weiter von dem Weihnachtsschnee und davon , daß es ganz und gar nicht recht sei , sich vor ihm zu fürchten . Sie sprachen von dem Onkel Rudolf , dem Obersten von Bullau samt seinem Grips und seinen Hunden ; sie sprachen von dem trefflichen Pfarrherrn Josias Tillenius , und bis ins einzelnste beschrieb Hans nach besten Kräften Land und Leute zu Grunzenow an der Ostsee . Er beschrieb das Dorf , den Gutshof und das Pastorenhaus ; vor allem aber suchte er den Eindruck zu beschreiben , welchen das Meer auf ihn gemacht hatte . » Ich fürchte mich nicht vor dem Meer « , sagte Franziska . » Manchmal kommt es mir ganz traumhaft vor ; dann bin ich ein ganz kleines Mädchen in den Armen meiner Mutter , dann sehe ich den Mond aufsteigen über den schwarzen Wassern , und eine lebendige , tanzende Lichtstraße wird bis zum Horizont . Es ist wunderlich , des Meeres im Sonnenlicht kann ich mich nicht mehr entsinnen , obgleich ich es oft gesehen haben muß auf der langen Fahrt von Montevideo bis Havre-de-Grâce Ich entsinne mich auch keines Sturmes , obwohl wir einen sehr grimmigen auszuhalten hatten , wie mir mein Vater nachmals erzählt hat . Das Schiff hieß der Amphitryon , und im Jahr achtundzwanzig oder neunundzwanzig kamen wir nach Paris zurück . Ich freue mich so sehr auf das Meer , es hat mich gar sanft geschaukelt in meiner allerfrühesten Kindheit . « » Du hast soviel gesehen , soviel erfahren , mein Lieb « , sagte Hans ganz kleinmütig . » Eine halbe Weltumseglerin bist du , und was ist alles in Paris vor den Fenstern deines Stübchens vorübergezogen ! Du hast so reiches , buntes Leben kennengelernt , und nun ziehe ich dich mit mir in die tiefste Armut und Einsamkeit , wo wir nur die alten Freunde , die armen Fischersleute , die See und uns selber haben ! « » O welch ein Reichtum - welch eine weite , weite Welt ! « rief das Fränzchen , die Hände faltend . » Wie hätte ich in meinen kühnsten Träumen hoffen können , so überschwenglich reich , so unsäglich glücklich in so weitem Wirkungskreis zu werden . O Johannes , wer hätte es gedacht , daß wir beide so glücklich werden könnten ? Aber wir wollen auch glücklich machen ; wir wollen nicht selbstsüchtig nur in uns allein leben , unsere Herzen sollen in unserer Liebe nicht enge werden ; - wir wollen Liebe und Glück geben , und beide sollen nicht weniger werden . « » Das wollen wir ! « sagte Hans feierlich , und in seinen Gedanken stand er wieder im nächtlichen Schneetreiben mit dem Pastor von Grunzenow an der Mauer der dunklen Hütte , in der kein Licht mehr brannte , auf deren Herde kein Feuer mehr glimmte , deren Leben erloschen war für alle Zeiten . - Es schneite immer lustiger . Die Kinder in der Gasse sprangen und jauchzten in dem wirbelnden Gestöber . Ein schwarzer Rabe flatterte über die Dächer , setzte sich auf einen Schornstein , schüttelte den Schnee von den Fittichen und schrie mit heiserer Stimme sein Behagen in die Welt hinaus . Hans hielt sein Mädchen umschlungen , und immer tiefer und tiefer versanken alle die dunklen Zeichen und Merksteine auf ihren jüngst durchschrittenen Wegen . Trotz der frischen Gräber , trotz der armen Kleophea wurden Hans und Fränzchen immer mehr und mehr von der sichern Ruhe des Glücks überkommen . Hans sah sich in dem Stübchen seiner Braut um und verglich es mit seinem Aufenthaltsort in der Grinsegasse ; er zeigte sich als ein ungemein würdiger und aufmerksamer Haushalter und Beobachter , bis das Fränzchen zu seinem großen Unbehagen nach dem Hungerbuche fragte . Er wehrte sich anfänglich so gut als möglich gegen die Fragen , bis er endlich zwischen Lachen und Erröten gestand , wie es mit dem Ding bestellt sei und wie oft er das vortreffliche Schriftstück wieder zerrissen habe . Nun war es sehr hübsch , wie das Fränzchen für das berühmte , aber leider noch nicht in Erscheinung getretene Werk Partei nahm und das Wort ergriff . Der Kandidat Unwirrsch konnte nur leise auf die Zeit der Muße zu Grunzenow hindeuten und mit Behagen auch in dieser Hinsicht herrliche und liebliche Dinge in Aussicht stellen , nachdem er wieder einmal alle Zweifel an der Möglichkeit der saubersten Vollendung der Handschrift niedergekämpft hatte . Nun ließ sich ein nicht sehr leichter Schritt auf der Treppe vernehmen , es klopfte an der Tür , und eine recht martialische Frau trat , ohne den Hereinruf abzuwarten , ein , setzte den schweren Marktkorb nieder und verwunderte sich nicht wenig über den Besucher ihres » Fräuleins « . Als sie aber mit Namen , Stand und sonstigen Eigenschaften und Würden des jungen Herrn bekannt gemacht worden war , erheiterte sich ihr Blick , sie reichte dem Kandidaten zum Gruß eine Hand , die ihn lebhaft an die arbeitsselige Hand seiner Mutter erinnerte . Und der Geruch von Seife und frischer Wäsche , welchen die Frau Brandauer in das Zimmer mitbrachte , mußte ihn ebenfalls ganz und gar anheimeln . Hans erkannte zu seiner hohen Freude , daß das Fränzchen wirklich hier in gute Hände gefallen sei und daß das Geschick freundlich über sie gewacht habe . Er stattete der Frau Brandauer seinen und des Herrn Leutnants Götz besten Dank ab