geben und ihn zu fragen : ob er zeitlebens sie gut versorgen wolle , oder ob sie seiner Gemahlin und ganz Nürnberg erzählen solle , was sie bisher nur um ihres Sohnes Willen verheimlicht . In einer späten Abendstunde hatte Elisabeth noch nach einem Becher Meth und Wasser verlangt , und da die Magd , welche sie zunächst zu bedienen , an- und auszukleiden pflegte , einmal hatte ausgehen dürfen und noch nicht zurück war , so hatte Katharina sich beeilt deren Stelle zu versehen . Jetzt kam sie eben mit dem schöngeformten silbernen Becher , der innen vergoldet und außen von goldenen Blumen umrankt war , die Treppe herauf , in der andern Hand eine brennende Lampe , als sie den Hausherrn hinter sich herkommen hörte . Die Gelegenheit war günstig , jetzt konnte sie ihn allein sprechen , ihm in sein Zimmer leuchten , und nicht eher von ihm weichen , bis er sie erkannt und ihr Alles versprochen hatte , was sie wünschte . Elisabeth konnte warten ; sobald Katharina mit Herrn Scheurl einig geworden , hatte sie ohnehin nicht mehr Lust , sich länger von dessen Gemahlin befehlen zu lassen , und diese Demüthigung galt ihr mehr als der Verdruß , den sie durch den Verlust des Ringes empfinden werde , und Katharina berechnete schnell , daß der Vortheil , den sie jetzt erringen könne , doch dem vorgehe , den möglicher Weise ihr Jacobea gönnen werde , wenn sie ihr zu dem Ringe verhelfe . Herr Christoph Scheurl kam wie gewöhnlich etwas taumelnd und mit rothglühendem Gesichte heim . Katharina leuchtete ihm schweigend voraus in sein Zimmer und zündete die darin befindliche Lampe an . » Wie kommst Du denn heute hier herein ? « fragte Scheurl mit lallender Zunge . Katharina antwortete : » Nun , Ihr kam ' t ja hinter mir drein , und es schien mir , als wenn Ihr den Weg nicht gut allein finden würdet - « » Was unterstehst Du Dich ? « rief er aufbrausend , weil ihn nie etwas so sehr in Wuth bringen konnte , als wenn man ihn betrunken hielt , auch wenn er es wirklich war , nur darum weil er eine Ehre darein setzte , Unmassen geistiger Getränke vertilgen zu können , ohne davon angefochten zu werden . » Ei , so laßt einmal sehen , « begann Katharina , sich dicht neben ihn stellend ; » kennt Ihr mich oder kennt Ihr mich nicht ? « Scheurl sagte : » Was soll das freche Betragen einer Magd , die eben so schnell fortgejagt werden kann , als sie gemiethet worden . Meine Frau hat Deine Vorgängerin fortgejagt , weil sie jung und nett war und mir gefiel - Dich kann ich fortjagen , weil Du das Gegentheil davon bist und mir nicht gefällst . « » Das lügt Ihr ! « rief Katharina , » denn einst gefiel ich Euch ! « Herr Scheurl ward immer aufgeregter und roher Katharina aber immer dreister , legte ihrer Zunge keine , Fesseln mehr an , erinnerte Scheurl an seinen Aufenthalt in Regensburg bei der schönen Nestler-Kathi , und sagte Alles , was sie sich vorgenommen zu sagen . Es war ein Gespräch , das bei der innerlichen wie äußern Rohheit der Betheiligten und bei der niedern Culturstufe ihres Zeitalters , seiner Sitten und Ausdrucksweise sich nicht wiederholen läßt . Herr Christoph Scheurl zeigte dabei weder ein Interesse für den Mönch gewordenen Sohn , noch für dessen Mutter , noch empfand er Reue über ein Vergehen , das er sich längst gewöhnt hatte , sich selbst niemals als ein solches anzurechnen ; aber er wünschte doch nicht , daß ihn eine Person wie Katharina zum Stadtgespräch machte , noch daß eine solche , die ihm so unbequem werden konnte , in seinem Hause lebe . Er gab ihr einen Beutel mit Gold , den er bei sich hatte , und versprach ihr eine ansehnliche Summe , die er ihr alljährlich senden wolle , wenn sie noch diese Nacht sein Haus , so bald wie möglich auch Nürnberg verließe und über Alles schweige , nach wie vor - außerdem aber , fügte er hinzu , finde ein Rathsherr von Nürnberg noch Mittel und Wege , eine flüchtige Landläuferin unschädlich zu machen . Indeß Katharina noch überlegte , griff Herr Scheurl nach dem Becher , den sie einstweilen aus der Hand gestellt . » Was ist das ? « fragte er . » Es ist Meth ; ich wollte ihn Eurer Frau als Nachttrunk bringen . « » Sie mag sich ihn selber holen , « sagte er ; » wenn sie durstig ist , ich bin es auch wieder geworden . « Katharina dachte : mag er es trinken ; während er einschläft , kann ich überlegen , was ich thun will ; ich habe noch das halbe Pulver für Elisabeth . Aber Scheurl hatte kaum mit einem raschen Zuge den Becher zur Hälfte geleert , als er ihn fluchend zur Erde warf und sagte : » Das schmeckt zu schändlich ! « Katharina erschrak unwillkürlich , und da Scheurl auf sein Bett taumelte , dachte sie : mag er schlafen - indeß versuche ich noch mein Heil bei Elisabeth . Und sie ging hinab in die Küche , den Trank noch einmal zu mischen . Indeß ahnte sie nicht , daß ihr Jacobea statt des Schlafpulvers ein Gift gegeben , das , wie sie gehört , nicht auf der Stelle tödten , aber den blühendsten Organismus in einen häßlichen , verwelkenden verwandeln sollte , und zwar allerdings während einer Nacht voll Schlaf und Ohnmacht . Ein solches Zaubermittel glaubte Jacobea gefunden zu haben und sich dadurch am wirksamsten an Elisabeth zu rächen ; da sie aber wußte , daß Katharina zwar ein rohes , aber doch zu solcher That ein zu weiches Gemüth hatte , so hatte sie ihr nur die harmloseste Wirkung ihres Pulvers gesagt . Indeß hatte es in der That nicht