, manches vereinzelt , sich aber in Kürze davon Mitteilungen machen . Ehe noch die Sonne den höchsten Punkt ihres Bogens erklommen hatte , waren wir bereits die Dachung empor gekommen , welche das niedrere Land von dem Hochlande trennt , und fuhren nun in das eigentliche Ziel unserer Reise hinein . Mein Gastfreund hatte recht . In dem milden , sanften Schimmer der Nachmittagsonne , die hier fast wärmer schien als in den Ebenen und Tälern des Tieflandes , fuhren wir einem lieblichen Schauplatze entgegen . Selbst untergeordnete Umstände vereinigten sich , die Reise angenehm zu machen . Die sandigen Straßen des Oberlandes , welche auch sehr gut gebaut waren , zeigten sich , ohne staubig zu sein , sehr trocken , was von den Wegen in der Tiefe nicht gesagt werden konnte , die teils durch die täglichen Morgennebel getränkt , teils ihres schweren Bodens halber schon in langen Strecken feucht , kühl und schmutzig waten . So rollten wir bequem dahin , alles war klar , durchsichtig und ruhig . Nataliens gelber Reisestrohhut tauchte vor uns auf oder verschwand , so wie ihr Wagen einen leichten Wall hinan ging oder jenseits desselben hinab fuhr . Die Sonne stand an dem wolkenlosen Himmel , aber schon tief gegen Süden , gleichsam als wollte sie für dieses Jahr Abschied nehmen . Die letzte Kraft ihrer Strahlen glänzte noch um manches Gestein und um die bunten Farben des Gestrippes an dem Gesteine . Die Felder waren abgeerntet und umgepflügt , sie lagen kahl den Hügeln und Hängen entlang , nur die grünen Tafeln der Wintersaaten leuchteten hervor . Die Haustiere , des Sommerzwanges entledigt , der sie auf einen kleinen Weidefleck gebannt hatte , gingen auf den Wiesen , um das nachsprossende Gras zu genießen , oder gar auf den Saatfeldern umher . Die Wäldchen , die die unzähligen Hügel krönten , glänzten noch in dieser späten Zeit des Jahres entweder goldgelb in dem unverlorenen Schmuck des Laubes oder rötlich , oder es zogen sich bunte Streifen durch das dunkle , bergan klimmende Grün der Föhren empor . Und über allem dem war doch ein blauer , sanfter Hauch , der es milderte und ihm einen lieben Reiz gab . Besonders gegen die Talrinnen oder Tiefen zu war die blaue Farbe zart und schön . Aus diesem Dufte heraus leuchteten hie und da entfernte Kirchtürme oder schimmerten einzelne weiße Punkte von Häusern . Das Tiefland war von den Morgennebeln befreit , es lag samt dem Hochgebirge , das es gegen Süden begrenzte , überall sichtbar da und säumte weithinstreichend das abgeschlossene Hügelgelände , auf dem wir fuhren , wie eine entfernte , duftige , schweigende Fabel . Von Menschentreiben darin war kaum etwas zu sehen , nicht die Begrenzzungen der Felder , geschweige eine Wohnung , nur das blitzende Band des Stromes war hie und da durch das Blau gezogen . Es war unsäglich , wie mir alles gefiel , es gefiel mir bei weitem mehr als früher , da ich das erste Mal dieses Land mit meinem Gastfreunde genauer besah . Ich tauchte meine ganze Seele in den holden Spätduft , der alles umschleierte , ich senkte sie in die tiefen Einschnitte , an denen wir gelegentlich hin fuhren , und übergab sie mit tiefem innerem Abschlusse der Ruhe und Stille , die um uns waltete . Als wir einmal einen langen Berg emporklommen , dessen Weg einerseits an kleinen Felsstücken , Gestrippe und Wiesen dahinging , andererseits aber den Blick in eine Schlucht und jenseits derselben auf Berge , Wiesen , Felder und entfernte Waldbänder gewährte , als die Wägen voran gingen , und die ganze Gesellschaft langsam folgte , vielfach stehen bleibend und sich besprechend , geriet ich neben Natalien , die mich , nachdem wir eine Weile geschwiegen hatten , fragte , ob ich noch das Spanische betreibe . Ich antwortete ihr , daß ich es erst seit kurzem zu lernen begonnen habe , daß ich aber seit der Zeit immer darin fortgefahren sei , und daß ich zuletzt mich an Calderon gewagt habe . Sie sagte , von ihrer Mutter sei ihr das Spanische empfohlen worden . Es gefalle ihr , sie werde nicht davon ablassen , so weit nämlich ihre Kräfte darin ausreichen , und sie finde in dem Inhalte der spanischen Schriften , besonders in der Einsamkeit der Romanzen , in den Pfaden der Maultiertreiber und in den Schluchten und Bergen eine Ähnlichkeit mit dem Lande , in dem wir reisen . Darum gefalle ihr das Spanische , weil ihr dieses Land hier so gefalle . Sie würde am liebsten , wenn es auf sie ankäme , in diesen Bergen wohnen . » Mir gefällt auch dieses Land , « erwiderte ich , » es gefällt mir mehr , als ich je gedacht hätte . Da ich zum ersten Male hier war , übte es auf mich schier keinen Reiz aus , ja mit seinem raschen Wechsel und doch mit der großen Ähnlichkeit aller Gründe stieß es mich eher ab , als es mich anzog . Da ich mit unserem Gastfreunde später einmal einen größeren Teil bereiste , war es ganz anders , ich fand mich zu dieser Weitsicht und Beschränktheit , zu dieser Enge und Großartigkeit , zu dieser Einfachheit und Mannigfaltigkeit hingeneigt . Ich fühlte mich bewegt , obwohl ich an ganz andere Gestalten gewohnt war und sie liebte , nämlich an die des Hochgebirges . Heute aber gefällt mir alles , was uns umgibt , es gefällt mir so , daß ich es kaum zu sagen im Stande bin . « » Seht , das geht immer so « , erwiderte sie . » Als ich mit meinem Vater zum ersten Male hier war , freilich befand ich mich noch in den Kinderjahren , war mir das unaufhörliche Auf- und Abfahren so unangenehm , daß ich mich auf das äußerste wieder in unsere Stadt und in deren Ebenen zurück sehnte . Nach langer Zeit fuhr ich mit der Mutter durch