sittig geworden wäre . Es gereicht mir auch nicht zur Ehre , daß es ihrer leibhaften Gegenwart bedurft hätte , zur Bescheidenheit zurückzukehren . Doch als ich von meinen Vettern und Bekannten als ein verloren Geglaubter tapfer begrüßt und in den Strudel gezogen wurde , blendete mich das Licht der Freude , daß ich mich und meinen Arger vergaß und der Reihe nach mit meinen drei Basen tanzte . Nach diesen tanzte ich mit einem fremden zierlichen Mädchen ; allein ich erhitzte mich immer mehr , ohne zufrieden zu sein ; die Lust , welche im ganzen soviel Geräusch machte , ging mir im einzelnen viel zu langsam und nüchtern vor sich . So freudestrahlend alle die jungen Leute dreinblickten , schien es mir doch nur ein matter Schimmer zu sein gegen den Glanz , der in meiner Phantasie wach geworden . Unruhig streifte ich durch einige Trinkstuben , die neben dem Saale waren , und wurde von einer Gesellschaft junger Burschen angehalten , welche purpurroten Wein tranken und dazu sangen . Hier schien meine Sehnsucht endlich ein Ziel zu finden , ich trank von dem kühlen Wein , dessen schöne Farbe meinen Augen sehr wohl gefiel , und fing leidenschaftlich an zu singen . Kaum hatte ein Lied geendet , so begann ich ein anderes , schlug ein rascheres Tempo an und erhob bei ausdrucksvollen Stellen die Stimme , daß sie bald die anderen übertönte . Verwundert , daß der Duckmäuser aus der Stadt noch besser trinken und lärmen könne als sie , wollten die Burschen nicht zurückbleiben , wir feuerten uns gegenseitig an , ich sang und sang immerzu und bemerkte erst bei einem Rundgesange , wo ich eine Weile schweigen mußte , daß sämtliche Bäschen durch die Türe guckten und mich mit vergnügtem Erstaunen in meiner Gloria sitzen sahen . Sie lachten mir zu , winkten mir drohend , weil ich ihr Panier verlassen , und forderten mich auf , wieder zu tanzen . Aber ich war nun ein gemachter und angesehener Mann unter meinen Gesellen , ganz wie einst als Knabe , wo ich eine Zeitlang den Renommisten gespielt , und als einige davon sich wieder nach Mädchen umsahen , brach ich mit zwei wilden Jünglingen auf , das Städtchen zu durchziehen . Arm in Arm stürmte ich mit den gesunden Bauerssöhnen über die Straße , wir gaben uns die lustigsten Redensarten zum besten , sangen und empfanden das reine und edle Vergnügen , welches entsteht , wenn Ungleiches sich eint und zu Gefallen lebt . Doch schon im nächsten Tanzhause , in welches wir traten , verlor ich einen um den andern meiner neuen Freunde , indem sie hier fanden , was sie wahrscheinlich gesucht hatten , und ich setzte allein , aber rastlos , meinen Streifzug fort . Hie und da schaute ich einen Augenblick zu , trank bei Bekannten ein Glas , erwiderte ungesäumt und etwas gesalzen die Späße , die man an mich richtete , bis ich in eine Stube kam , wo an einem großen runden Tische noch vier von den barmherzigen Brüdern saßen . Zwei waren schon abgefallen und verschwunden ; die hier saßen , hatten bereits ihren dritten Rausch hinter sich und befanden sich nun in jenem lässigen Zustande , in welchem erfahrene Zechbrüder einen lustigen Tag austönen lassen , wohlgeschliffene Witze machen und ihren Wein so trinken , als ob sie nicht mehr viel darum gäben , sich aber wohl hüten , schließlich einen Tropfen stehenzulassen . Etwas entfernt von ihnen saß am gleichen Tische die Judith , welcher die Brüder der Sitte gemäß ein Glas geboten . Sie schien sich ganz allein bei dem Feste umgesehen zu haben und sich nun am besten zu gefallen , die Witze und Verfänglichkeiten dieser Herren schlagfertig zurückzugeben und sie in Respekt zu halten , wozu es keiner geringen Gewandtheit und Kraft bedurfte . Sie saß ebenso lässig da , zurückgelehnt und halb abgewandt , und warf ihre Erwiderungen gleichmütig hin . Die Mönche hatten ihre Flachsbärte abgelegt und die gefärbten Nasen gewaschen ; nur der älteste , welcher einen angehenden Kahlkopf und eine natürliche Feuernase besaß , prangte noch mit dem hohen Rot derselben . Dies war der Unnützeste und rief mir zu , als ich vorübergehen wollte » Heda , Grünspecht ! wo hinaus ? « Ich stand still und erwiderte » Guter Freund ! Ihr habt vergessen , den Zinnober von Eurer Nase zu wischen , wie die anderen Herren doch getan ! Ich mache Euch hiemit aufmerksam , damit Ihr nicht etwa Euer Kopfkissen rot macht . « Das Gelächter der übrigen nahm mich sogleich in den holden Bund auf ; ich mußte mich setzen und ein Glas annehmen , worauf sie sagten » Und dennoch , könnt Ihr glauben , daß dieser Kerl es noch für nötig befunden hat , heut seine Nase zu schminken ? « - » Das war freilich « , erwiderte ich , » ebenso töricht , als wenn man eine Rose schminken wollte ! « » Und dazu viel gefährlicher « , versetzte ein anderer , » denn eine Rose schminken heißt ein Werk Gottes verbessern wollen , und der liebe Gott verzeiht ! Aber eine rote Nase schminken heißt den Teufel verhöhnen , und der verzeiht nicht ! « So ging es fort ; sie verhandelten nun seinen Kahlkopf , wobei ich aber bald weit zurückblieb , indem sie über diesen Gegenstand allein wohl zwanzig verschiedene Witze machten , welche in der Phantasie die lächerlichsten Vorstellungen erregten und von denen einer den andern an Neuheit und Kühnheit der Bilder überbot . Judith lachte , als die Taugenichtse über sich selbst herfuhren , und als der Angegriffene dies sah , suchte er sich aus dem Feuer zu retten , indem er sich gegen sie wendete . Sie saß da in einem schlichten braunen Kleide , die Brust mit einem weißen Halstuche bedeckt , welches ein wenig ihren prächtigen Hals sehen ließ ; um diesen lag eine feine Goldkette und verlor sich