, was noch auf der Schwelle zum Hotel , noch im Vorzimmer in seiner Brust , ein wohlgeordneter Strom der Ueberzeugung , fertig lag . » Was wollen Sie eigentlich ? « sagte der Minister . » Ich habe es in der Druckschrift , welche ich meiner ehrfurchtsvollen Bitte um diese Audienz beilegte , dargelegt . « » Ich lese nichts Gedrucktes , « sagte der Minister . Es war ein kalter Blitzschlag . Aber er zündete in Walters Brust . Eine Pause , dann verbeugte er sich : » So bitte ich um Verzeihung , daß ich an die unrechte Stelle mich wandte . « Walter hatte übersehen , daß der Olymp , aus dessen Wolken der Blitz kam , seine Stirn nicht kräuselte . Auch nach dieser Antwort blieb er unbeweglich . Er gab nicht das Zeichen zur Entfernung . Nach einer neuen Pause kam aus denselben Lippen dieselbe Frage : » Was wollen Sie eigentlich ? « » Jetzt nur meine Dreistigkeit bereuen . « » Sie sind der Sohn von van Asten und Compagnie ? « » Zur Compagnie gehöre ich nicht . « » Ein respektables Haus . Macht nur in Geschäften , die es versteht . « Abermals eine Pause , und noch kein Zeichen der Entlassung . Aber der Olymp bewegte sich . Die Hände auf dem Rücken , ging der Minister einige Mal auf und ab : » Der Tausend noch mal , wie kommen Sie denn zu dem Zeug ! « Also hatte er sich doch vortragen lassen , von Jemand , der Gedrucktes las . Der Schluß war richtig , und Waltern , ich sage nicht der Muth , aber die Lust zurückgekehrt : » Weil ich in Euer Excellenz den Mann erkannte , welcher durch die That dem , was nothwendig wird , vorausgekommen ist . Sie sind es , der mit seinen Bauern sich gesetzt hat , der ihnen Freiheit , Eigenthum zurückgab , Sie der erste , der dies glänzende Beispiel - « » Ach also darum ! « unterbrach der Minister . » Ich glaubte von wegen Ihres Vaters - « » Nein , weil Excellenz erkannt , wo uns der Schuh drückt , weil Excellenz erkannt , daß diese Säule , auf welcher der germanische Staat ruht , der Bauernstand , kein Helotenstand länger bleiben darf - « » Ja , ja , ja , also darum ! « wiederholte der Minister ihn unterbrechend , und nahm eine Prise , vielleicht ein Zeichen der Zufriedenheit , jedenfalls eines , daß er fürs erste nichts weiter hören wollte . - » Was geht Sie denn der Bauernstand an ? Sie haben doch keine Güter . « » Erlauben Sie mir zu fragen , was ging er Excellenz an - « » Weil meine Bauern faules Volk sind , weil der Meier sie aus dem Kruge treiben musste , weil mein Inspektor gut rechnen kann , und mir wie ' s Ein mal Eins bewies , daß die Frohnarbeit uns theurer zu stehen kam , als der Tagelohn , weil ich meine Aecker durch die Bauernäcker arrondirte , die sie mir als Abkaufssumme hergaben , weil ich ein guter Landwirth bin , und sie zweimal besser nutze als sie , weil ein großer Complex sich besser bewirthschaftet als ein kleiner . Darum mein junger Herr - « » Und wenn auch nur diese , gelten diese Gründe nicht für Alle ! « » Was gehn mich die Andern an ! Fege Jeder vor seiner Thür , und wer sich im Mist betten will , warum soll ich ' s hindern ! « Walters Brust hob , seine Lippen öffneten sich , der vorhin unterdrückte Strom der Rede floß heraus in kurzen , schlagenden Sätzen , und die Excellenz hatte die Güte ihn nicht zu unterbrechen . Sie beschäftigte sich , einen Fleck auf ihrer Emaildose abzuwischen . Er hatte gesprochen ; das Was wissen wir schon , oder wir erfahren es noch . Da war der Fleck wirklich gereinigt und der Minister sagte recht freundlich : » Eine hübsche Elaboration . Wenn Sie das geschrieben hätten , könnte man ' s ad acta nehmen . Aber Drucksachen , das ist nichts ; es schickt sich nicht für einen Geschäftsmann . - Was wollen Sie nun eigentlich , ich meine Sie für sich ? « » Ich leugne nicht , Excellenz , wenn diese Ansichten vor unsern Staatsmännern Eingang finden , und man an die Ausführung ginge , daß ich mich wohl befähigt fühlte , mit Hand anzulegen . Ich würde eine Freiheit opfern , die ich mir lange als ein köstliches Gut bewahrt , und würde gern eine Anstellung annehmen . « » Sehn Sie , das lieb ich , das ist vernünftig gesprochen . Sie gehn auf eine Anstellung aus , um das Uebrige kümmern Sie sich nicht . « » Dies dürfte doch von meiner Ansicht differiren . « » Drauf kommt es nicht an . Wird Ihren Vater sehr freuen . Ist ein braver Mann , und wird es Ihnen an Unterstützung nicht fehlen lassen , wenn ich ein Wort einlege . Denn Unterstützung werden Sie noch eine ganze Weile brauchen . Die große Karriere , die geben Sie natürlich auf , haben ja nicht Cameralia studirt . Und die Examina ! Schadet nichts . Das von unten Anfangen ist das solideste . Erst in der Kanzlei ein Jahr , höchstens ein paar als Kopist . Dann machen wir einen Versuch mit dem Expediren , Sekretair ! An Konnexionen wird es Ihnen ja wohl bei guter Conduite nicht fehlen « - lächelte der Minister - » dann Geheimsekretär , Kanzleiinspektor ! « Der junge Mann stand sprachlos da . » Der Kriegsrath Alltag , sehn Sie dessen Karriere ! Noch nicht voll sechszig und war schon Kanzleidirektor mit dem Titel Kriegsrath , und Sie wissen noch nicht , was er noch wird . Aber nun etwas , mein junger Herr , die Flausen lassen