Fürsten zu haben glaubte , er hätte dem zweifelhaften Schimmer seines Ichs bald ein Ende gemacht und sich offen als das anspruchlose Glied der Gesellschaft zu erkennen gegeben , das er wirklich war . In dieser Stimmung kam ihm ein Gruß sehr willkommen , den ihm ein an dem Apfelbaume Vorübergehender schenkte . Es war Heunisch , der Jäger . Alle kannten ihn . Es befremdete nicht wenig , daß Dankmar , den das seinetwegen stockende Gespräch fast verlegen machte , aufstand , Heunischen , der ins Haus gehen wollte ( er kam durch den Garten , vom Felde her ) auf die Schulter schlug , ihm freundlich die Hand schüttelte und mit ihm nach der Straße zu durch das Haus ging . Die Kinder umjubelten den fleißigen Besucher dieser Stätte , auf der ihm so Schmerzliches begegnet war . Sie grüßten seinen Hund , den sie liebkosten . Sie nahmen dem Onkel , wie sie Heunisch nannten , den Hut und selbst die Flinte ab , die er ihnen heute gab , weil sie nicht geladen war . Das Pulverhorn behielt er . Dankmar knüpfte gleich an Heunisch ' s Erinnerungen an und wollte von Ackermann , von Selmar , von der Ursula und ihrer Erbschaft hören . Während die Gesellschaft im Garten frühstückte , setzte er sich mit Heunisch auf die Bank vor dem Gelben Hirsch , dicht unter eines der Enden des gewaltigen Geweihes , das über der Thür als Wahrzeichen einer Herberge hing , die man nach der Gesinnung des Herrn Drossel ein demokratisches Widerspiel des » Heidekruges « nennen konnte . Gelb hieß der Hirsch wol deshalb , weil das Haus grell gelb angestrichen war oder ... umgekehrt . Wir werden begierig sein , wie die Ansichten des lebhaften , unruhigen , in seinen Finanzen zerrütteten Hirschenwirthes in Helldorf mit denen des Heidekrügers über die Wahl des Justizraths Schlurck zusammentreffen müssen , wollen uns aber einstweilen mit Dem begnügen lassen , was uns unser alter Freund , der gutmüthige Jäger , noch aus seinem grünen Reviere erzählen wird . Elftes Capitel Ein Nachhall aus dem Walde Heunisch , der Förster , war ein so zerstreuter , gutmüthig vergeßlicher Mann , daß er nicht errathen konnte , was er eigentlich Dankmarn zu berichten versprochen hatte . Er fing sogleich , als ihm Lenchen einen Trunk Bier gebracht hatte , den er neben sich auf die Bank stellte , während Dankmar durch Abrücken Platz machte ... er fing sogleich von Dem an , was Dankmar bereits wußte . Ja , ja , sagte er , hier hab ' ich meine erste Braut , das Riekchen Drossel verloren . Da die Scheune ist , wie Sie sehen , neu gebaut und auch das Wohnhaus ist fast neu ; doch sind ' s schon wieder fünfzehn Jahre her und Alles sieht schwarz und vergessen aus . Haben Sie denn in der Ullaschlucht das Kreuz gesehen ? Welches Kreuz ? fragte Dankmar , selbst zerstreut . Das Kreuz um Sägemüller ' s Nantchen ! Die Leute weisen ja jeden Fremden dahin und erzählen ihm mein Elend ... Dankmar besann sich und bedauerte , sich die Stätte nicht angesehen zu haben . Das Kreuz an dem Wasserstrudel , sagte Heunisch , ist gleich von Hause aus schwarz . Drum hält sich ' s immer wie neu . Die Frau Fürstin ließ es setzen . Sie war doch gut ... und eigentlich ist ' s nicht recht , daß ich öfter hierher gehe als an das Kreuz . Warum nicht ? Hier findet Ihr Trost und Labung . Nein Herr , sagte Heunisch , oft werf ' ich mir ' s wirklich vor , daß ich lieber hierher gehe und mich gewöhnt habe , fast alle drei Tage bei Drossel ' s zu sein , als auf die Sägemühle zu , wo ich selten hinkomme und doch weiß ich nicht , wessen Tod mich mehr geschmerzt hat ... Nantchen ' s oder Riekchen ' s. Nantchen war schelmisch und behend wie ein Reh ; sonst hätte sie mich Riekchen nicht vergessen lassen , die so freundlich hier die Gäste empfing und gleich wenn sie bedient hatte , sich wieder zum Arbeiten hinsetzte , da hinter die Blumen am Fenster . Lieber Gott , ich rede von damals ! Damals lag das Fenster hier unten rechts und Blumen waren dahinter gezogen wie eine Laube . Ich sehe sie noch mit ihrem Kamm von Schildpatt und Elfenbein hinterm Goldlack .... Jetzt ist der Flügel ganz abgebrannt und neu angebaut , die Scheune ist neu und der Stall . Der Wind trieb den Brand nach Scheune und Stall und im Hause verbrannte Die nur , die verbrennen sollte . Verbrennen sollte ? fragte Dankmar verwundert . Wer wollte denn , daß sie verbrannte ? Ist ' s denn nicht Gottes Rathschluß , so wie so , und was uns bestimmt ist , wer kann ihm entgehen ! antwortete Heunisch nachdenklich . Er kam dann auf die Schwester seiner Braut , die er wol erkannt , aber nicht gegrüßt hatte ... die Frau Wirthschaftsräthin . Überhaupt war er erschrocken , da unter dem Apfelbaum so die ganze » Bescherung « vom Schlosse anzutreffen .... Was sie wol mögen herausgebracht haben über unser Aller Schicksal , fragte er ; denn - nehmen Sie mir ' s nicht übel , Herr ... Sie gehören doch wol auch ... Zu den Gläubigern ? sagte Dankmar kopfschüttelnd und gab ihm den Trost , daß sich der Prinz ohne Zweifel noch entschließen würde , die Herrschaft beizubehalten , worüber Heunisch große Freude bezeugte . Dann aber fuhr Dankmar fort : Aber Heunisch , Sie sind mir ja noch Eins schuldig ... wissen Sie denn nicht mehr ? ... Ich wollt ' Ihnen was erzählen ? Von der Fränz in der Stadt ? Nicht wahr ? Nein ! Nein ! Von den Kugeln unterm Ebereschenbaum ? Erfuhr ich schon ... Nein , nein ! ... Ob die Ursula Marzahn ... gestanden hat