Küchentüre kratzte und mit dem Schwanz zwischen den Beinen unter den Ofen kroch , da sagte Vreneli endlich : » Jetzt , Uli , mach dich zweg , jetzt wollen wir gehen , jetzt guggen uns die Leute gewiß nicht nach . « » Du bist mir doch das wüstest Gret « , sagte die Base . » Nein , bei solchem Wetter käme ich dir auch nicht , wenn ich Uli wäre , da könntest du alleine gehen . « » Das kann er machen , wie er will « , sagte Vreneli , » aber wenn er heute nicht kömmt , so gehe ich nachher nicht mehr . Und wenn seine Liebe so groß ist , wie er sagt , so tut ein solches Wetter ihm nur wohl . « » Wohl , ich wollte dir , wenn ich Uli wäre ! « sagte die Base . » Aber so nehmt doch das Wägeli , Hans kann euch führen , ihr kommt ja um in solchem Wetter . « » Warum nicht gar , Base , auf dem Wägeli reiten , um das Hochzeit anzugeben ! Da würden die Leute ja erst recht zu reden haben , und wir kämen das andere Jahr in die Brattig , und das Wägeli käme zmitts auf die große Helge . « Nun wollte die Base Uli aufweisen , er solle nicht gehen , aber dem war es recht , wenn Vreneli nur einmal gehen wollte . Aber wunder nehme es ihn , wie Vreneli durchkommen wolle . Etwas hätte es verdient um sein wunderlich Tun , und so wollten sie es in Gottes Namen wagen , könnten sie doch jetzt zusammen gehen und brauchte Keins dem Andern hinter einem Hag oder hinter einer Scheuer zu warten , wie es sonst üblich sei . Die Base , beständig brummend über diese Narrheit , half doch , so gut sie konnte , bei der Ausrüstung zu dieser Fahrt , brachte Joggelis Mantelkragen und seine Pelzhandschuhe ; aber bei jedem Stück , das sie brachte , sagte sie : » Los , Meitschi , das kömmt gewiß nicht gut . Wenn du so wunderlich tun willst , so schlägt dir Uli vom Nest . Wenn ein Meitschi so tut , du mein Gott , was soll das für eine alte Frau werden ! Die Wunderlichkeiten nehmen mit dem Alter zu , das kann ich dir sagen . « Als sie endlich fertig waren und die Küchentüre aufmachten , mußte Vreneli dreimal ansetzen , bis es draußen war , und Uli mußte seinen Hut zuhinterst in der Küche wieder suchen . Die Base fing von neuem an zu jammern , sie zu beschwören , sie sollten doch dr tusig Gottswillen nicht gehen , sie kämen ja um ! Aber Vreneli setzte zum drittenmal an mit aller Kraft , war im Schneewirbel verschwunden , der Base Gejammer verhallte ungehört . Es war wirklich ein halb halsbrechender Gang , und Uli mußte dem Mädchen aushelfen . Den Wind gerade im Gesicht , verloren sie öfters den Weg , mußten manchmal stillestehen , sich umsehen , wo sie seien , mußten Atem schöpfen , sich umdrehen , die grellsten Stöße vorbeizulassen ; sie brauchten Dreiviertelstunden für die kleine Viertelstunde bis zum Pfarrhaus . Dort klopften sie sich erst so gut möglich vom Schnee rein , dann an die Türe . Lange klopften sie umsonst , der Schall verlor sich in des Windes Geheul , das schauerlich durch die Kamine toste . Da verging Vreneli die Geduld , statt des ehrerbietig klopfenden Uli klopfte nun es , daß sie drinnen von ihren Sitzen auffuhren , die Frau Pfarrerin sagte : » Herr Jeses , Herr Jeses , was ist das ! « Der Herr Pfarrer aber beruhigte sie und sagte : Das werde ein Kindbettimann oder ein Hochzeit sein , die schon mehrere Male geklopft ; aber Marei werde wieder nichts gehört haben , wie es es im Brauch habe . Unterdessen Marei Bescheid gab , zündete er bereits ein Licht an , damit die Leute nicht lange warten müßten , und sobald Marei zur Türe hinein sagte : » Herr Pfarrer , es sind zwei Lütli da « , trat er schon heraus . Hinter der Haustüre stunden die Beiden , Vreneli hinter Uli . Der Pfarrer , etwas klein , in eben rechtem Alter , aber bereits mit einem ehrwürdigen Haupte versehen und klugen Zügen , die sehr scharf und sehr freundlich sein konnten , hob das Licht über sein Haupt empor , sah etwas vorwärtsgebeugten Hauptes darunter durch und rief endlich : » Eh , Uli , bist du es , bei solchem Wetter ! Und hinter dir wird wohl Vreneli sein , « sagte er , mit dem Lichte herumzündend . » Nei aber , « rief er » bei solchem Wetter ? Und die gute Glunggebäurin hat euch gehen lassen ! Marei , komm , « rief er , » putz mir die Lütli ab , nimm diesen Kragen und trockne ihn . « Marei kam mit seiner Lampe sehr gerne her . Da tat die Frau Pfarrerin auch die Türe auf mit dem Lichte in der Hand und sagte : » Führe doch die Lütli hier herein , es ist wärmer als bei dir , und Vreneli und ich kennen einander gar wohl . « Da stand nun Vreneli im Glanz von drei Lichtern noch immer zwischen Uli und der Türe und wußte nicht recht , was für ein Gesicht es vornehmen solle . Endlich machte es gute Miene zum bösen Spiel , kam hervor , grüßte sittig den Pfarrer und dessen Frau und sagte , die Base lasse ihnen guten Abend wünschen , der Vetter auch . Das sagte Vreneli mit der unschuldigsten Miene von der Welt . » Aber , « sagte drinnen der Pfarrer , » warum kommt ihr bei solchem Wetter ? Es ist ja für darin umzukommen ! « » Es hat sich nicht wohl anders geschickt «