die ich ihm gab , schlug die Stimme um . Marquis , sagte ich , um so schlimmer ! So sind es übertünchte Gräber , in denen sie nichts zu verdecken hätten , als Hobel oder Elle - und der Bursche , der mir zu den Schuhen Maaß nimmt , hat in meinen Augen mehr Werth , als diese impertinenten Masken , die sich unsere Vorzüge anzumaßen wagen . « » Vortrefflich , vortrefflich ! « rief Souvré ; » mit welchem Geiste Sie Ihren Willen auszudrücken wissen . Es müßte für die Nachwelt verzeichnet werden ! - Gottlob , daß Frankreich die Herzogin von Bellefond als Wache vor dem Throne dieser sanften , nachgiebigen Königin hat ! Es ist die einzige Rettung , der einzige Schutz gegen die andrängende Volksbildung , die , wie ich im vollen Ernste hörte , sich allerlei Nachahmungen der höheren Stände erlauben soll ; und wie lächerlich und unglücklich auch solche Versuche sind , sie bleiben doch jederzeit ein Aergerniß und verrathen einen gefährlichen Sinn , der im Entstehen erstickt werden muß . « - » Ja wohl , Marquis ! Sie haben nur zu Recht ; aber ich beschwöre Sie , hören Sie auf davon zu sprechen - ich muß sonst mein Flacon gebrauchen . Ach , Marquis , wer hatte sonst nur nöthig , diese Klasse in den Mund zu nehmen ! Wir hatten Handwerker , die nur unsere Haushofmeister und Kammerfrauen sprachen ; und ich hätte es nicht für möglich gehalten , daß ich mich jemals über einen Bürgerlichen würde ärgern können . Aber hören wir auf - es greift mich an , und ich bin beschämt über den Gegenstand ! « - » Nun so sagen Sie mir etwas Neues vom Hofe , « rief Souvré - » Sie wissen , ich war mit dem jungen Grafen Crecy abwesend . « - » Ja , ja , ich erinnere mich ! - Doch sagen Sie Marquis , warum sehen wir Sie allein zurückkehren ? Ist man so lau und nachlässig in der Bewerbung um ein Ehrenfräulein Ihrer Majestät ? « » O , Madame , « sagte Souvré , » welche Voraussetzung ! Er ist wie ein Wahnsinniger Tag und Nacht gereist , als er die Weisung zur Rückkehr erhielt , und da hat er sich erkältet . Doch , es wird vorübergehn ! Euer Gnaden haben sicher schon über die Vermählung des Paares Ihre Dispositionen gemacht ; darf ich im Vertrauen sein ? « » Sie sind mein Verzug ! « erwiederte die Herzogin mit einer steifen Grimasse , die Lächeln andeuten sollte , » und wollen immer Alles voraus wissen . Doch ist es zu erwähnen , wie Ihre Gesinnung wirklich sich stets unbefleckt rein erhält , und ich habe deshalb manche Rücksichten ! « Der Marquis verneigte sich , und Madame de Bellefond fuhr fort : » Die Zeit erlaubt keine Festlichkeiten - Ihre Majestät muß sich bereit halten - Sie wissen , das erste Hauptquartier wird in Nancy sein - wir müssen uns auf den Weg dahin begeben , um dann mit Seiner Majestät zugleich einziehen zu können . Natürlich können aber der Graf und Mademoiselle de Lesdiguères nicht bei demselben Hofstaat , in derselben Karosse vielleicht , die Reise antreten , ohne vermählt zu sein . Das haben denn auch Ihre Majestäten erwogen , und ich habe selbst die etwas streitsüchtige Lesdiguères zum Schweigen gebracht . - Nun soll es also ein Impromptu werden ! Wie ich höre , hat es aber die eigensinnigste Hofdame , die ich je unter Aufsicht hatte , durchgesetzt , daß die Frau Königin den Herrn Erzbischof von Noailles um die Abtretung seiner Funktionen an Monsieur Fenelon , diesen überspannten Pfarrer von St. Sulpice , gebeten hat . Das war hinter meinem Rücken geschehen ; die Königin wird von dem jungen Mädchen beherrscht ; doch hatte sie die Gnade , sich bei mir deshalb zu entschuldigen . Sie fühlte wohl , daß sie mir ins Amt gegriffen ! Doch mein Kind , Sie sehen , wir haben nicht mehr viel Zeit , und der Bräutigam fehlt ! Dieser junge Mensch , Marquis , im Vertrauen , ähnelt nicht sehr seinen musterhaften Eltern ! Krank zu werden , wenn man seine Anstellung bei Hofe antreten soll , hat immer etwas gegen den Respekt und gegen die vollkommene Feinheit , die wir bei solchen Gelegenheiten vorherrschen lassen müssen . Wer kann mir nachsagen , daß ich je krank war ? Aber das ist so der Spuck , der sich gern einschleichen möchte , den alle diese Herren Dichter , Philosophen und Gelehrte verbreiten , und den sie Menschenrechte , oder Naturgebote , oder Gott weiß wie nennen . Aber ich frage Sie , Marquis , ist es schicklich , daß man so etwas bei Hofe hört , wo lauter Edelleute vom ersten Range leben ? - Ich frage Sie , mein Lieber - wenn Monsieur Molière im Vorzimmer des Königs frühstücken darf , und Seiner Majestät ihn anredet , als wäre er ein Mensch , wie jeder andere , da haben wir freilich nichts Besseres zu erwarten ! Sonst , Marquis , begaben wir uns in die große königliche Loge , und vor uns auf den Brettern , in dieser unüberschreitbaren Entfernung , ließen wir alle diese Herren machen , was sie konnten , und frugen nicht nach , ob es sogenannte Dichter , Philosophen und Gelehrte waren . Machten sie es gut , wurde geklatscht , machten sie es schlecht , wurden sie wieder weggejagt . Das erhielt aber die Luft rein ! Da waren unsere Cavaliere ohne jene sonderbaren Manieren , die jetzt einen jungen Mann in den Zwanzigern erkranken lassen , wenn er eine Hofcharge antreten soll und sich vermählen ! « » Euer Gnaden zürnen , wie ich merke , « sagte Souvré , » ich muß Fürbitte thun ! Ihr Zürnen würde nicht allein den Schuldigen unglücklich machen , sondern besonders die Eltern , die Sie doch