über ein Jahr sollte Alexis sie heimführen dürfen . Mittlerweile aber mußte er einen Zug tun mit seinem Vater , weit weg , nach Konstantinopel . Dort hörte er zum erstenmal in seinem Leben das Evangelium von Christo predigen , was ihn und seinen Vater bewog , diesen Glauben besser kennenzulernen . Sie blieben einen Monat in der gedachten Stadt und kamen mit Freuden zuletzt überein , daß sie sich wollten taufen lassen . Bevor sie wieder heimreisten , ließ der Vater von einem griechischen Goldschmied zwei Fingerringe machen , worauf das Kreuzeszeichen in kostbaren Edelstein gegraben war ; der eine gehörte Belsoren , der andere Alexis . Als sie nach Hause kamen und der Graf vernahm , was mit ihnen geschehen , und daß seine Tochter sollte zur Christin werden , verwandelte sich seine Freude in Zorn und giftigen Haß , er schwur , daß er sein Kind lieber würde mit eigner Hand umbringen , eh ein solcher sie heiraten dürfe , und könnte sie dadurch zu einer Königin werden . Belsore verging für Jammer , zumal sie nach dem , was ihr Alexis vom neuen Glauben ans Herz gelegt , ihre Seligkeit auch nur auf diesem Weg zu finden meinte . Sie wechselten heimlich die Ringe und gelobten sich Treue bis in den Tod , was auch immer über sie ergehen würde . Der Graf bot Alexis Bedenkzeit an , ob er etwa seinen Irrtum abschwören möchte , da er ihn denn aufs neue als lieben Schwiegersohn umarmen wolle . Der Jüngling aber verwarf den frevelhaften Antrag , nahm Abschied von Belsoren , und griff zum Wanderstab , um in geringer Tracht bald da bald dort als ein Bote des Evangeliums umherzureisen . Da er nun überall verständig und kräftig zu reden gewußt , auch lieblich von Gestalt gewesen , so blieb seine Arbeit nicht ohne vielfältigen Segen . Aber oft , wenn er so allein seine Straße fortlief , bei Schäfern auf dem Felde , bei Köhlern im Walde übernachten blieb und neben soviel Ungemach auch wohl den Spott und die Verachtung der Welt erfahren mußte , war er vor innerer Anfechtung nicht sicher und zweifelte zuweilen ob er auch selbst die Wahrheit habe , ob Christus der Sohn Gottes sei , und würdig , daß man um seinetwillen alles verlasse . Dazu gesellte sich die Sehnsucht nach Belsoren , mit der er jetzt wohl längst in Glück und Freuden leben könnte . Indes war er auf seinen Wanderungen auch in diese Gegend gekommen . Hier , wo nunmehr der Brunnen ist , soll damals nur eine tiefe Felskluft , dabei ein Quell gewesen sein , daran Alexis seinen Durst gelöscht . Hier flehte er brünstig zu Gott um ein Zeichen , ob er den rechten Glauben habe ; doch dachte er sich dieser Gnade erst durch ein Geduldjahr würdiger zu machen , währenddessen er zu Haus beim Herzog , seinem Vater , geruhig leben und seine Seele auf göttliche Dinge richten wolle . Werde er in dieser Zeit seiner Sache nicht gewisser und komme er auf den nächsten Frühling wiederum hieher , so soll der Rosenstock entscheiden , an dessen völlig abgestorbenes Holz er jetzt den Ring der Belsore feststeckte : blühe bis dahin der Stock und trage er noch den goldenen Reif , so soll ihm das bedeuten , daß er das Heil seiner Seele bisher auf dem rechten Wege gesucht und daß auch seine Liebe zu der Braut dem Himmel wohlgefällig sei . So trat er nun den Rückweg an . Der Herzog war inzwischen dem Erlöser treu geblieben , und von Belsoren erhielt Alexis durch heimliche Botschaft die gleiche Versicherung . Sosehr ihn dies erfreute , so blieb ihm doch sein eigener Zweifelmut ; zugleich betrübte er sich , weil es im Brief der Braut beinah den Anschein hatte , als ob sie bei aller treuen Zärtlichkeit für ihn , doch ihrer heißen Liebe zum Heiland die seinige in etwas nachgesetzt . Er konnte kaum erwarten , bis bald das Jahr um war . Da macht er sich also zu Fuße , wie er ' s gelobt , auf den Weg . Er findet den Wald wieder aus , er kennt schon von weitem die Stelle , er fällt , bevor er näher tritt , noch einmal auf die Knie und eilt mit angstvollem Herzen hinzu . O Wunder ! drei Rosen , die schönsten , hängen am Strauch . Aber ach , es fehlte der Ring . Sein Glaube also galt , aber Belsore war ihm verloren . Voll Verzweiflung reißt er den Strauch aus der Erde und wirft ihn in die tiefe Felskluft . Gleich nachher reut ihn die Untat ; als ein Büßender kehrt er zurück ins Vaterland , dessen Einwohner durch die Bemühungen des Herzogs bereits zum großen Teil waren bekehrt worden . Alexis versank in eine finstere Schwermut ; doch Gott verließ ihn nicht , Gott gab ihm den Frieden in seinem wahrhaftigen Worte . Nur über einen Punkt , über seine Liebe zu der frommen Jungfrau , war er noch nicht beruhigt . Eine heimliche Hoffnung lebte in ihm , daß er an jenem wunderbaren Orte noch völlig müsse getröstet werden . Zum drittenmal machte er die weite Wallfahrt , und gücklich kommt er ans Ziel . Aber leider trifft er hier alles nur eben wie er ' s verlassen . Mit Wehmut erkennt er die nackte Stelle , wo er den Stock entwurzelt hatte . Kein Wunder will erscheinen , kein Gebet hilft ihm zu einer fröhlichen Gewißheit . In solcher Not und Hoffnungslosigkeit überfiel ihn die Nacht , als er noch immer auf dem Felsen hingestreckt lag , welcher sich über die Kluft herbückte . In Gedanken sah er so hinunter in die Finsternis und überlegte , wie er mit anbrechendem Morgen in Gottes Namen wieder wandern und seiner Liebsten ein Abschiedsschreiben schicken wolle . Auf einmal bemerkt er , daß es tief unten auf dem ruhigen Spiegel des Wassers als wie ein Gold- und