Elisen sagen ? Ich wollte das an diesem Morgen mit Ihnen verabreden . Es war zu einer Stunde , in der ich Sie allein zu finden hoffen durfte , da unsere Freundin lange schläft , oder doch wenigstens das Bett erst spät verläßt . Es muß ihr auffallen , nichts von Hugo zu sehen und zu hören . Was können wir aber gescheuter Weise ersinnen , das ihr genügen würde ? Das Herz ist in solchen Fällen klüger als der Kopf , wenn Verstand verstehen heißt . Ich fürchte , die Arme ist nicht lange mehr zu täuschen ! Bestimmen Sie , liebe Sophie ! über mich . Ich versichere Sie , wie immer , meines Gehorsams . Antwort Sie haben mir die Augen geöffnet ! Das war es auch ! O wagen Sie es , wagen Sie es dreist , da an eine Beziehung zu glauben , wo sie ein Blinder entdecken würde . Sie wissen , ich bin von Natur lebhafter , als ich gewöhnlich erscheine . Ich habe es gelernt , diese Lebhaftigkeit in dem Maße zu beherrschen , als ich der Gelassenheit bedurfte . Vielleicht macht mich das Erworbene zuversichtlicher , als ich es zu sein Ursache habe , vielleicht halte ich mich nur für gefaßt und überlegt , weil mich Andere dafür halten . Ich weiß es nicht genau . Ich weiß daher auch nicht , ob mich Leidenschaft oder klare Einsicht in diesem Augenblicke leitet ? Aber das weiß ich , daß ich den Zusammenhang des unerhörtesten Betrugs ganz deutlich , ganz in seinen Einzelnheiten bedingt , schreiend wahr zu erkennen glaube , und es kaum begreife , wie erst jetzt die Bedeutung unzählig auffallender Umstände mir entging . Ich erinnere Sie hier nur an das Eintreffen der Unbekannten in dieser Gegend , gerade , nachdem Hugo von einer mehrtägigen Abwesenheit zurückkehrte , von welcher Niemand den Zweck , noch die Veranlassung kannte . Dann , das stete , unerwartete Zusammentreffen jener mit dem Grafen , in Augenblicken , wo sie ihn mit Elisen beschäftigt wußte . Trat sie nicht den Abend an den Wagen der Ohnmächtigen , als diese in das Amthaus getragen ward ? Sah man sie nicht in jener Nacht vor dem Fenster der Kranken umherschleichen und erlauschen , was im Zimmer vorging , während Rührung und überraschtes Mitgefühl Ihrem Neffen das neue , unbesonnene Gelübde entrissen ? Trafen wir sie nicht Abends bei der Nachhausefahrt von Wehrheim , dicht vor dem Orte im Kahne ? Und sah ich nicht , daß Hugo die Unruhe , die mich so unerklärbar befiel , in erhöhetem Maße theilte ? Soll ich Ihnen nun noch sagen , daß die räthselhafte Verkappung und das Spukhafte in dem Betragen der Fremden nur dazu diente , Unberufene aus ihrer Nähe zu entfernen , ihr aber die Freiheit verschaffte , Nachts die Gegend zu durchstreifen , den Grafen auf seinen Jagdritten zu treffen , ja sich im Burgbezirk , im Schloßgarten , im Wildzwinger , auf Emma ' s Bank unter ihren Lieblingen sehen zu lassen ! Ich schaudre , tritt mir Alles in seiner unleugbaren Wirklichkeit vor die Seele . Und nun fort ! Und auch er ! Unglückliche Elise ! so dreist , so sündhaft wurdest Du betrogen ! Ja , was sagen wir ihr aber ? was wir fürchten ? Ich wage es nicht . Denn hege ich gleich keinen Zweifel über meinen Verdacht , so besitzen wir doch nicht hinreichende Beweise , um auf eine Muthmaßung hin , ein Herz unbarmherzig zu zerreißen . Wir müssen sie noch hinhalten . Ist es , wie ich mir ' s vorstelle , so kann es kein Geheimniß bleiben . Wir sind dann vorbereitet , haben uns gesammelt , und können sie besser aufrecht halten , als jetzt , wo mein Blut kocht , und das Gefühl zwischen bitterer Empörung und heißem Schmerze hin- und hergetrieben wird . Wachsam müssen wir bleiben . Keinen Augenblick darf sie ohne mich sein , denn es theilen auch Andere unsern Argwohn , und mehr als eine Stimme sagt , was wir noch zu denken zögern . Also für jetzt Behutsamkeit und Schweigen , lieber Freund ! Der Comthur an Sophie Zu rechter Zeit , Liebste ! haben Sie es in Zweifel gestellt , ob die angeborne Lebhaftigkeit Sie nicht dennoch öfter übereile , als Sie glauben . Ich meine , wir haben Beide rascher empfunden , als das Rechte gefunden . Muß ich auch Sie , wie mich selbst daran erinnern , daß die Oberhofmeisterin um die Fremde wußte ? daß diese mit ihr und dem Kloster in Verbindung steht ? daß sie ärztliche Besuche hatte , daß ihr Krankheitszustand folglich anerkannt und mit Sorgfalt beobachtet wurde ? Hierin also , ist wenigstens keine List zu vermuthen , und wie diese einzelne Widerlegung alles andere widerlegt , leuchtet Ihnen gewiß so gut ein , wie mir . Ein Glück daher , daß die Freundschaft zaghaft macht , und Sie weise handeln , weil Sie zärtlich empfinden . Freilich , liebe Freundin ! freilich , » Behutsamkeit und Schweigen ! « Elise darf nichts von unsern voreiligen Schlüssen ahnden . Vielleicht hilft uns Hugo bald über alle Zweifel hinaus . Noch wissen wir nichts von ihm . Auch Walter zeigt sich nicht , und mir liegt dazu ob , keine Unruhe zu verrathen , ich muß über die Schritte meines Neffen vollkommen unterrichtet scheinen . Meine Haltung hält ihn in der Meinung aufrecht . Möchte er bald die peinliche Anstrengung enden ! Antwort Sie haben recht . Und doch - ich weiß nicht , wie Alles zusammenhängt , aber - er ist der Fremden gefolgt . Sein Sie dessen gewiß . Elise weiß es . Der alte Gartenknecht Carl hat es ihr verrathen . Hugo war bei ihm . Er hatte ihn über jeden kleinen Umstand im Betreff der schleunigen Abreise der Dame befragt . Er soll sehr blaß , sehr matt und angegriffen dabei ausgesehen haben , so , als