Bestimmung des kommenden Tages einfiel , und der furchtbare Mann , der mein Vater hieß , und Alles , was ich durch ihn gelitten hatte , was ich noch leiden würde . Da erklang Florianus Stimme wieder in meinem Innersten : Vater ! Verzeih ihnen , denn sie wissen nicht , was sie thun . Auf ein Mal fiel es mir wie ein Schleier von den Augen , auf ein Mal war ich wie verwandelt . Ich konnte verzeihen , ich konnte entschuldigen , ich fühlte , daß ich sogar würde lieben können , wo ich bis jetzt nur gezittert hatte . Der Kaiser kannte ja mein stilles Verhältniß nicht , als er mich aus Britannien wegführen ließ , er hat es gut mit mir gemeint , mich nach seinem Begriffe glücklich machen wollen . Ach , es gibt so wenig Menschen , die glücklich zu machen verstehen , so wenig , die es über sich gewinnen können , jene , die sie lieben , nach ihrer Weise froh werden zu lassen ! Der Mensch nimmt so gern seine Wünsche zum Maaßstab für die übrige Welt - und wie klein , wie unbedeutend müßte dem Augustus , selbst , wenn er sie gekannt hätte , die Liebesangelegenheit eines jungen Mädchens vorkommen , ihm , der das Wohl und Weh der ganzen Welt in seinem Herzen trägt ! So dachte ich , oder vielmehr , so entwickelte der Engel , der mir auf Erden in einer theuern Gestalt erschienen war , der jetzt im Traum vor mir gestanden , und die bedeutenden Worte gesprochen hatte , die Gedankenreihe in meiner Seele . Ja , Theophania ! Es war mein Schutzgeist ! Um mich den Weg des Heils zu leiten , nahm er einst die schöne Bildung meines Freundes an , und ist jetzt wieder in den Himmel zurückgekehrt , wo ich ihn finden werde , wenn ich seiner würdig bleibe . O Theophania ! Laß mir den süßen Glauben - er hält mich aufrecht ! Mir ward leichter um ' s Herz , nachdem jene Ideen und Empfindungen in mir klar geworden waren . Mit ergebener Fassung , ja sogar mit einer Art von angenehmer Erwartung , den zu sehen , an den mich so heilige Bande knüpften , ließ ich mich mit all ' dem Geschmeide belasten , das mein Vater mir gesandt hatte , und folgte meinem Führer in den Palast . In der Einsamkeit und Einfachheit meiner Kindheit , fern von Allem , was mir richtige Begriffe von dem Leben und Wesen der Großen dieser Erde hätte geben können , standen ihre Bilder , wenn ich sie mir dachte , in beinahe übermenschlicher Hoheit und Glanz vor mir . Als späterhin mein Schicksal von dem Ersten unter ihnen so unsanft berührt , und in den wilden Wirbel der Welt gezogen worden war , da gesellte sich ein Schein von Furchtbarkeit zu jenen riesenhaften Gestalten , und die Herren der Erde erschienen mir mit den Zügen unerbittlicher , strenger Richter . O meine Liebe ! Wie so ganz verschieden fand ich die Wahrheit von diesen Bildern meiner Phantasie ! In einem Lehnstuhl saß oder lag vielmehr ein kranker abgezehrter Greis , dessen Blick und Haltung eher Alles , als den Gebieter von Myriaden verkündigte . Freilich umhüllte ein Purpurgewand diese zitternden Glieder , aber es schien mit seiner Pracht und jugendlichen Farbe nur dieses Alters , dieser Hinfälligkeit zu spotten . Ist das der Herr der Erde ? dachte ich . O Vorsicht ! Was sind die Könige vor deinem Thron ! Mich bewegte eine seltsame Empfindung , sie war nicht mehr Furcht , sie war dem Mitleid verwandt , und so trat ich ein paar Schritte näher . Da streckte er mir die Hand entgegen , und richtete sich , von Zweien seines Gefolges unterstützt , mühsam auf . Komm , mein Kind ! sagte er : komm näher , daß ich dich recht ansehe . Der leise gütige Ton der väterlichen Stimme , die ich jetzt zum ersten Mal hörte , überwältigte jeden Rest von Scheu , ich eilte hinzu , sank vor ihm nieder , und drückte die zitternde Vaterhand fest an meine Lippen , an mein Herz . Ich war zu bewegt , um zu sprechen , und auch mein Vater schien erschüttert . Bald aber faßte er sich wieder , hieß mich aufstehen , und betrachtete mich genau , indem er meine Züge mit einem Bilde verglich , das ihm ein sehr schöner junger Mann , dessen Gesicht ganz allein unter allen , die ich hier sah , einen freundlichen Eindruck auf mich machte , von einem Tische herüber gelangt hatte . Ach , es war wahrscheinlich das Bild meiner nie gekannten Mutter ! Der Gedanke ergriff mich sehr , und ich fing an zu weinen . Da winkte mir einer der glänzenden Herren , und ich verstand , daß ich mich bezwingen sollte , weil allzugroße Rührung dem Kranken schädlich seyn konnte . Ich mußte also im ersten Augenblick der Ergießung mein volles Herz verschließen , und meine Thränen verschlingen . Ach , da offenbarte sich der Fluch , der auf Macht und Hoheit liegt , an mir . Ich begann , in meine alten Gedanken zurückzusinken , als mein Vater das Bild bei Seite legte , und mich sehr liebreich über allerlei Umstände meines früheren Lebens befragte , auch mit einer Schonung , für die ich ihm ewig danken werde , Alles vermied , was mich an mein größtes Unglück erinnern konnte . Endlich stellte er mir mit einem bedeutenden aber nicht strengen Blick , den schönen jungen Mann , als meinen Landsmann - Constantin vor . Ach , ich hatte es dunkel geahnet , als ich ihn sah , ich hatte wenigstens gewünscht , ihn so zu finden . Nun ward mir viel leichter . Ich hatte nebst meinem theuern Vater noch ein Herz in dieser freudenlosen Welt gefunden , das Theil an mir nahm , mich verstand , und über