vielleicht Ihrem Vormunde verursacht . — Doch — Sie müssen wissen , was Sie dürfen ! “ Ernestine legte ihre Hand in die der Staatsrätin : „ Ich bleibe ! “ „ Nun das ist schön . Johannes hätte es mir nie verziehen , wenn ich Sie nicht zu halten gewußt . “ Sie klingelte . Regine erschien und holte das Kaffeezeug hinaus . „ Du kannst mir die Bohnen bringen , ich will sie schneiden , “ sagte die Staatsrätin . Regine brachte das Verlangte in einer großen Schüssel und einen Napf für die Abfälle . „ Nicht wahr , Sie erlauben es ? “ fragte die Staatsrätin Ernestinen , setzte sich an ihr Fenstertischchen und zog ihr Taschenmesser hervor , um die Arbeit zu beginnen . Ernestine sah ihr erstaunt zu : „ Das machen Sie selbst ? “ „ Warum denn nicht ? Das Mädchen hat heute viel zu tun , und da nehme ich ihr gerne etwas ab . „ Ich würde Ihnen helfen , wenn ich könnte , “ meinte Ernestine . „ O versuchen Sie ’ s nur , wenn es Ihnen Spaß macht . Das ist ja keine Hexerei ! “ Die alte Dame suchte , über diese häusliche Anwandlung Ernestinens erfreut , ein zweites Messer hervor und gab es ihr mit einer Bohne in die Hand : „ Sehen Sie , nun schneiden Sie zuerst die Stiele und die Fasern ab . So ! — Hierzulande zieht man die Fasern nur herunter , das ist aber nicht gut , etwas Zähes bleibt immer , wenn man sie nicht wegschneidet . — So ! — Und jetzt schnitzeln Sie die Bohne der Länge nach — halt , nicht so dick , etwas feiner ! Nein , den Abfall nicht in die Schüssel , hier in den Napf ! Nun sehen Sie , alles in der Welt will gelernt sein . Wenn man es auch voraussichtlich nicht zu machen braucht , man muß es wenigstens können , man weiß ja doch nie , was geschieht ! “ Ein leiser Seufzer entstieg ihrer Brust , sie dachte daran , daß auch sie einst in Verhältnissen gelebt , die sie derlei niederer Verrichtungen überhoben — bevor sie ihr Vermögen in dem Geschäft des Bruders eingebüßt . Ernestine beobachtete mit lächelnder Verwunderung den Eifer , mit dem die Staatsrätin ihre Studien in diesem Fache begünstigte . Ja , sie fragte sich ernstlich , ob denn diese Frau wirklich Geist besitze ? Ein prüfender Blick auf die hohe , denkende Stirn und in die klaren , ausdrucksvollen Augen der Sprechenden überzeugte sie jedoch aufs Neue davon . In diese Reflexionen vertieft , setzte Ernestine zwar die ungewohnte Arbeit fort , aber die Staatsrätin entdeckte plötzlich zu ihrem Schrecken , daß sie in der Zerstreutheit die Abfälle zu den Bohnen und diese zu jenen warf . „ Liebes Fräulein , “ rief sie , „ sehen Sie doch , was Sie machen . O , nun muß ich die ganze Schüssel leeren und die Schnitzel heraus lesen ! “ Ernestine warf das Messer hin und bog sich im Stuhle zurück . „ Ach ich tauge nicht für solche Beschäftigungen . Jedem das Seine ! Verzeihen Sie mir , ich glaube wirklich nicht , daß es für mich der Mühe lohnt , dergleichen zu lernen . Ich werde ja nie in die Lage kommen , es zu bedürfen . “ „ Wie Sie wollen ! “ sagte die Staatsrätin kalt . „ Zürnen Sie mir ? Ist es möglich , daß Sie mir zürnen , weil ich nicht Bohnen schneiden kann ? “ Sie griff nach der emsigen Hand der alten Frau : „ Frau Staatsrätin , haben Sie Nachsicht . Man muß von einem Menschen nicht fordern , wofür er nicht paßt . Verlangen Sie vom Fisch , daß er fliege — vom Vogel , daß er schwimme ? Gewiß nicht ! — Also fordern Sie auch von einem Wesen , welches nur in einer abstrakten Welt heimisch ist , kein Interesse für den Materialismus des Lebens . “ „ < < Sie zanken sich um Bohnen und es handelt sich um Kronen > > , könnte man hier sagen , “ bemerkte die Staatsrätin . „ Und dennoch stehen diese Dinge in unserem Falle gewissermaßen in Zusammenhang . Das Wichtigste läßt sich hier nicht vom Unwichtigsten trennen . Solche kleinen häuslichen Verrichtungen , wie untergeordnet , ja nichtig sie auch scheinen mögen , sie gehören nun einmal zu den Obliegenheiten des weiblichen Berufs , sie sind wie die Maschen in einem Gewebe : eine einzige fallen gelassen und allmählich lockert und löst sich das Ganze auf ! “ Ernestine zuckte die Achseln . „ Sie haben von Ihrem Standpunkte aus Recht , Frau Staatsrätin , aber Ihr Standpunkt ist nicht der meine . Ich suche den weiblichen Beruf in etwas Höherem . Ein edler Geist darf sich nicht zu diesen Sorgen herabdrücken lassen , die — verzeihen Sie den Ausdruck — doch mehr oder minder gemein sind ! “ Die Staatsrätin zog die Brauen zusammen , aber sie ließ Ernestinen reden . Diese fuhr fort : „ Es ist ja ohnehin schlimm genug , daß uns noch so viel vom Tiere anklebt , daß wir essen und trinken müssen , um die Maschine im Gang zu halten , daß wir in dem Entwicklungsprozeß der Arten keine höhere Stufe der Vollendung erreichten.88 Wir sollten einen Stolz darein setzen , uns selbst weiter zu entwickeln , alle tierischen Bedürfnisse so viel wie möglich in uns zu bekämpfen , nicht aber ihre Befriedigung zu einem förmlichen Studium zu machen . Wir sollten uns unserer gebrechlichen bedürftigen Körperlichkeit schämen , statt sie zu einem Götzen zu erheben , dem zu opfern und zu fröhnen , der höchste Inbegriff weiblicher Tugenden ist . “ „ Das klingt Alles sehr schön , “ sagte die Staatsrätin , „ aber es ist doch ein beklagenswerter Irrtum . Der Schöpfer hat uns mit der Fähigkeit zum