zu schwimmen , und das Nachdenken kam ein eben so schwarzer und stürmischer Tag daher . Von mir selber verlassen , aufgelöst und kraftlos , schien ich mich in das ausgetrocknete Bett eines großen Flusses gelegt zu haben ; ich hörte eine Flut daherrauschen durch die fernen Gebirge , und fühlte , wie der Strom herankam : aufzustehen hatte ich nicht den Willen , zu fliehen , nicht die Kraft . Ich lag matt da und wünschte zu sterben . Nur noch ein Gedanke regte sich in mir -- die Erinnerung an Gott : sie erzeugte ein unausgesprochenes Gebet : diese Worte wanderten auf und nieder in meinem verdunkelten Geiste , als etwas , was ich leise flüstern mußte . Aber es war keine Kraft zu finden , um sie auszusprechen : " Sei nicht ferne von mir , denn Ungemach ist nahe , und Niemand da , mir zu helfen ! " Es war nahe : und da ich keine Bitte zum Himmel erhob , es abzuwenden - da ich weder meine Hände faltete , meine Kniee beugte , noch meine Lippen bewegte -- so kam es , und in vollem , rauschendem Strome ergoß sich die wilde Flut über mich . Das ganze Bewußtsein meines verschwendeten Lebens , meiner verlorenen Liebe , meiner erloschenen Hoffnung , meines vernichteten Glaubens strömte voll und mächtig über mich dahin in einer finstern Masse . Jene bittere Stunde ist nicht zu beschreiben : in Wahrheit , das Wasser ging mir bis an die Seele ; ich sank tief in den Schlamm , ich fühlte keinen festen Grund , ich kam in tiefes Wasser und die Wegen überfluteten mich . Ende des zweiten Theils . Erstes Kapitel Gegen Abend erhob ich mein Haupt , sah um mich , bemerkte den röthlichen Schein der untergehenden Sonne an der Wand und fragte mich : " Was soll ich thun ? " Aber die Antwort , die mein Geist gab : - “ Verlaß Thornfield sogleich ! ” - war so bestimmt , so schrecklich , daß ich mir die Ohren zuhielt und sagte , ich könne solche Worte jetzt nicht ertragen . “ Daß ich nicht Eduard Rochester ' s Braut bin , ist der geringste Theil meines Leidens , ” sagte ich bei mir selber , " daß ich aus den köstlichsten Träumen erwacht bin und sie alle eitel und leer gefunden habe , ist eine Empfindung des Entsetzens , die ich ertragen und bemeistern könnte , aber daß ich ihn augenblicklich und auf immer verlassen muß , ist unerträglich . Ich vermag es nicht . " Dann aber behauptete eine Kraft in mir , daß ich es könne und sagte mir , ich solle es thun . Ich rang mit meinem Entschlusse : ich hätte schwach sein mögen , um dem schrecklichen Leiden auszuweichen , welches vor mir lag , so wurde das Gewissen ein Tyrann , faßte die Leidenschaft bei der Kehle und sagte drohend zu ihr , sie sei mit ihrem zierlichen Fuße in die Pfütze gerathen , und schwur , sie mit seinem eisernen Arme in unergründliche Tiefen der Qual hinunter zu schleudern . " So mag ich denn hinweggerissen werden ! ” rief ich . " so mag mir nur Einer helfen ! " " Nein , Du sollst Dich selbst hinwegreißen ; Niemand soll Dir helfen : Du sollst selbst Dein rechtes Auge ausreißen , selbst Deine rechte Hand abhauen : Dein Herz soll das Schlachtopfer sein und Du der Priester , der es durchbohrt . ” Ich erhob mich plötzlich , von Entsetzen erschüttert , als ein so unerbittlicher Richter in der Einsamkeit sich hörbar machte - als das Schweigen von einer ehrfurchtgebietenden Stimme erfüllt wurde . Mein Kopf schwindelte , als ich aufrecht dastand : ich bemerkte , daß ich aus Aufregung und Entkräftung einer Ohnmacht nahe war ; weder Speise noch Trank war an dem Tage über meine Lippen gekommen . Jetzt überdachte ich mit seltsamer Angst , daß man , so lange ich hier eingeschlossen gewesen , nicht geschickt hatte , um zu fragen , wie ich mich befinde , noch um mich einzuladen , hinunter zu gehen : nicht einmal die kleine Adele hatte an die Thür geklopft ; nicht einmal Mistreß Fairfax hatte mich besucht . “ Stets vergessen die Freunde die , welche das Glück verläßt , ” murmelte ich bei mir selber , als ich den Riegel öffnete und hinausging . Ich stolperte über einen Gegenstand ; mein Kopf war noch schwindlig , meine Augen trübe und meine Glieder schwach . Ich konnte mich nicht sogleich fassen ; ich fiel , aber nicht auf den Boden : ein ausgestreckter Arm hielt mich . Ich blickte auf- Rochester , der dicht vor meiner Thür auf einem Stuhle saß , unterstützte mich . “ Du kommst endlich heraus , " sagte er . " Ich habe lange auf Dich gewartet und gehorcht ; doch keine Bewegung , kein Schluchzen habe ich gehört : noch fünf Minuten dieser Todtenstille und ich hätte das Schloß erbrochen , wie ein Dieb . So , Du vermeidest mich also ? - Du schliefest Dich ein und hängst allein Deinem Kummer nach ? Ich wollte lieber , Du wärest gekommen und hättest mich heftig ausgezankt . Du bist leidenschaftlich ; ich erwartete eine Scene der Art. Ich war auf den heißen Regen der Thränen vorbereitet ; nur hätte ich gewünscht , daß sie an meiner Brust wären vergossen worden : nun hat der gefühllose Fußboden sie aufgenommen oder Dein feuchtes Tuch . Aber ich irre Du hast gar nicht geweint ! Ich sehe eine weiße Wange und ein mattes Auge , aber keine Spur von Thränen Dein Herz hat also wohl kein Blut geweint ? " " Nun , Johanna , kein Wort des Vorwurfs ? Nichts Bitteres - nichts Stechendes ? Nichts , was das Gefühl verletzen oder die Leidenschaft aufstacheln könnte ? Du sitzest ruhig da , wo ich Dich hingesetzt habe , und siehst