es , zwischen Landshut und Burghausen eine Art von Sicherheit aufrechtzuerhalten . An den vielen , die seinem Landfrieden in die Quere gerieten , hatten die entlaubten Bäume neben den niederbayerischen Straßen schwer zu tragen . Herr Heinrich pflegte zu sagen : » Das sind Wölfe . Weg damit ! « Es sah auch sonst im Herzen seines Landes während dieses Winters ein wenig besser aus als anderwärts . Er hatte den Gegner nach Kräften geschädigt , doch immer nach Möglichkeit seine eigenen Leute geschont . Es war eines von seinen klugen Worten : » Wenn alle Bauern erstochen werden , wo nehmen wir andere her , um uns zu ernähren ? « Bei Beginn des lauen Frühlings stand er mit erfrischten , gut bewaffneten Truppen wieder als erster im Feld und berannte die noch winterschläfrigen Burgen seines Gegners . Er wandte sich immer gegen Plätze , deren Bezwingung nur ein mäßiges Opfer an Geld , Zeit und Menschen von ihm verlangte . Ehe die blauen Veilchen kamen , war von den Bergen bis zum Main der Krieg schon wieder in roter Blüte . Herr Heinrich - ohne Rücksicht auf seine Verbündeten nur den eigenen Vorteil wahrend - führte diesen Frühlingsfeldzug so vorsichtig und sandte den treuen Vettern nur so bescheidene Hilfe zu , daß die Herzöge von München unwillig wurden und klagten : » Willst du nicht besser beispringen , so müssen wir von diesem Kriege abstehen . « Mit Heinrichs sparsamer Hilfstruppe , mit ihren Münchener Bürgern und ihren Oberländer Bauern brachen Herzog Ernst und Wilhelm dem Ingolstädter die Feste Friedberg , die Burgen Schwabeck , Türkheim und Grainsbach und bedrohten die Städte Neuburg und Rain , zwischen denen die Fackeln von hundert Dörfern loderten . Noch übler als südlich der Donau stand die Sache des von Feinden umkreisten Ingolstädters im Nordgau . Als Markgraf Friedrich die festen Plätze Kirchberg , Monheim und Dingolfing mit dem Schwerte genommen und zur Huldigung gezwungen hatte , mußte Ludwigs Hauptmann Christoph Laiminger nach dem Falle von Lauf bei Fritz von Zollern um einen Waffenstillstand ansuchen . Herzog Ludwig geriet in eine erbitterte Stimmung . Der Ausgang des Unternehmens konnte bei der Übermacht seiner Gegner nicht zweifelhaft sein . Die Zahl seiner Feinde mehrte sich noch immer , und seine eigenen Leute begannen irr an ihm zu werden . Die kleinen Mäuse verließen das sinkende Schiff . Auch einer von Ludwigs mächtigsten Vasallen , der Abendsberger , fiel von ihm ab und öffnete den Münchener Herzögen seine Burgen . Doch was in Ludwig die strotzende Kraft am gefährlichsten zerbröselte und sein helles Lachen erlöschen machte , war sein begründetes Mißtrauen gegen den eigenen Sohn . Prinz Höckerlein , obwohl er in diesen knirschenden Zeiten Töne von kindlicher Herzlichkeit gegen den Vater zu finden wußte , entwickelte hinter des Herzogs Rücken eine unheimliche Tätigkeit , zog des Vaters Freunde durch goldene Versprechungen an sich und gewann des Herzogs Vertrautesten , den Lautenspieler Nachtigall . Herr Ludwig fühlte das graue Spinnennetz , das da gewoben wurde , und konnte es doch mit seiner starken Faust nicht fassen , nicht zerreißen . Er ließ sich bei Tag und Nacht von seinen roten Einrössern bewachen und genoß keine Speise , ohne daß Prinz Höckerlein die Mahlzeit mit ihm teilte . Das Gefühl der Unsicherheit , seine ruhelose Sorge um Macht und Leben , seine gereizte Laune und sein Jähzorn verleiteten ihn zu Grausamkeiten , die sonst nicht in seiner Art lagen . Als eine seiner reichsten Städte , Donauwörth , von ihm abfiel und ihm die schweren Steuerlasten mit offener Fehde heimzahlte , zwang er den Bürger Lang , der den Fehdebrief überbrachte , das Pergament mit Schnur und Siegel zu verschlucken . » Du bist kein Gesandter . Du bist ein meineidiger Schuft . Allen deinen Mitbürgern , wenn ich sie fange , soll es ergehen wie dir ! « Dieser leutselige und frohe Fürst , der noch nie in seinem Leben ein Todesurteil unterschrieben hatte , gab den Befehl , dem städtischen Gesandten die Augen auszustechen , die Zunge und den Lebner abzuschneiden und die beiden Hände vom Leib zu hacken . Als dem Herzog in seiner kostbaren Stube gemeldet wurde , daß es geschehen wäre , deutete er auf den aus Bronze gegossenen Bluthund und sagte im Ekel : » Jetzt bin ich auch wie der ! Heraufsteigen zu mir hat sie nicht können , die Laus ! Jetzt hat sie mich zu sich hinuntergezogen . « Beim Auf- und Niederschreiten durch die von Vogelgezwitscher erfüllte Stube sah er in einem Silberspiegel sein Bild , lachte grell und spie es an . Dann plötzlich umklammerte er den Hals seines alten Gleslin , weinte wie ein Kind und bettelte : » Laß ihn töten ! Daß er nicht leiden muß ! « Nach diesen Tränen schien die alte Kraft in ihm wieder wach zu werden . Er wehrte sich wie ein Verzweifelter gegen eine Welt in Waffen , verpfändete seine kunstvollen Kostbarkeiten an Juden und reiche Bürger , rüstete ein neues Heer und gewann im Unglück eine Seelengröße , eine Festigkeit und Ruhe , daß auch unter seinen Gegnern mancher Gerechte ihn einen herrlichen , preiswerten Fürsten zu nennen begann . Die Münchener Herzöge - durch Ludwig zum Abzug von Rain und Neuburg gezwungen - wurden immer drängender gegen den Vetter Heinrich , dem sie trotz allem Mißtrauen noch immer die Treue hielten . Heinrich schickte neue Versprechungen und bundsbrüderliche Briefe , doch keinen Gaul , keinen Spießknecht , keine Büchse , und blieb persönlich dem Feldlager fern , sich entschuldigend mit einem Anfall seiner Krankheit . Durch Kundschafter gut unterrichtet , witterte er mit seiner klugen Nase das Erwachen einer neuen , bedrohlichen Kraft in dem Unverwüstlichen zu Ingolstadt . Und da hielt er mit Vorsicht das Seine zusammen , und während er am Tage zu Burghausen und seiner pflichtschuldigen Fiebers willen das Bett hütete und erst nach Anbruch der Dunkelheit einen erfrischenden Ausritt unternahm , betrieb er innerhalb seiner Mauern mit Hast