lange Rede . Er hatte sie nicht etwa fließend gehalten , sondern seine Sätze von Pause zu Pause wie mit Gewalt herausgestoßen . Nun wartete er , ob ich endlich Antwort geben werde . Ich tat es nicht . Da trieb er sein Pferd etwas näher heran , stieg ab , kam auf mich zu und sagte : » Sprich doch , Effendi , sonst fange ich an , zu weinen ! Es war falsch und dumm von mir , daß ich ging . Sei gut wie immer , und verzeihe mir ! Was willst du denn auch anders mit mir machen ; ich bin doch Euer alter , treuer Tifl ! « Ich war im Stillen gerührt , zeigte ihm dies aber nicht , sondern deutete nach dem Hause und sagte : » Der Ustad ist wieder da ; er mag entscheiden . Geh zu ihm ! « Da holte er sein Pferd . Indem er es an mir vorüberführte , hingen seine Augen an Syrr , mit einer Bewunderung , als ob er etwas Ueberirdisches sehe . Er getraute sich aber nicht , noch Etwas zu sagen . Ich schaute ihm nicht nach , hörte aber gleich darauf eine weibliche Stimme jubeln . Die Festjungfrau nahm ihr Herzens- und Schmerzenskind wieder in Empfang . Das war eine neue Aufregung für sie , infolge deren die ebenso bedenkliche wie berechtigte Frage in mir auftauchte : Was wird nun wohl aus der Kalteschale werden ? ! Als ich dann wieder vor auf den Hof kam , stand Kara mit den Kamelen zum Aufbruche bereit . Er war gut bewaffnet . Einer von Dschafars Reitknechten sollte ihn begleiten . Der Bericht an den Herrscher war aber noch nicht fertig . Der Ustad stand auf seinem Balkon ; er winkte mir , hinaufzukommen . Tifl lehnte an einer der Säulen vor der Halle . Als ich an ihm vorüberwollte , sagte er : » Effendi , unser Ustad hat mir verziehen ; ich darf hierbleiben . Willst du nicht auch so gütig sein wie er ? « » Hat er vergeben , so habe auch ich es getan , « antwortete ich . » Wie du über den Scheik ul Islam denkst , das hast du mir gesagt , und ich hoffe , daß du nicht wieder anderer Ansicht wirst . Wie aber steht es mit Ahriman Mirza ? Wer hatte ihm damals Alles über mein Lager hier in der Halle mitgeteilt ? « » Ich war es , « gestand er aufrichtig . » Der Aschyk hatte uns gesagt , daß Ahriman ein großer Freund der Dschamikun sei ; er dürfe es sich jetzt nur noch nicht merken lassen . Darum beantwortete ich alle seine Fragen . Ich hielt mich für klüger und unterrichteter , als Ihr alle seid . Ich war überzeugt , daß Ihr mir später rechtgeben und meine Umsicht bewundern würdet . Ich bin aber ein Schaf , Effendi , das allergrößte Schaf , das es gibt , so weit das Gras hier auf den Bergen wächst ! « » Da hast du Recht , Tifl ! Du solltest bei den Takikurden geschoren werden . Sei froh , daß du mit dem Felle davongekommen bist ! « Als ich hinauf zum Ustad kam , empfing er mich mit den Worten : » Du wirst mich nach Tifl fragen wollen . Mir liegt aber zunächst etwas Anderes auf dem Herzen , wovon du in Dschafars Gegenwart nicht gesprochen hast , nämlich Syrr . Er zeigte mir das Pferd , als ich ihn unterwegs traf , und auch der Schah sprach sogleich mit mir davon . Als wir in jener Nacht hier bei mir von Syrr sprachen , konnten wir nicht ahnen , daß er sich eine Woche später bei uns befinden werde . Ich sehe unserm Rennen mit Zuversicht entgegen ; aber diese Zuversicht würde sich verzehnfachen , ja verhundertfachen , wenn Jemand hier wäre , der ihn reiten könnte . Der Schah ist sehr gespannt darauf , ob du es fertig bringst . Er hält es sogar für nicht unwahrscheinlich , daß es dir gelingen werde . Aber die Tatsache , daß er dich aufsitzen läßt und dich trägt , wohin du willst , genügt doch für so ein Rennen nicht . Du hättest ihn erst wochen- , vielleicht sogar monatelang zu studieren , um seine Schule zu entdecken . Sodann bist du ja noch krank . Es müßte also ein Anderer sein , und den gibt es nicht . « » Was du da sagst , ist Alles , Alles Nebensache , mein Freund , « antwortete ich . » Die Hauptsache ist doch wohl , ob wir uns anmaßen dürften , Syrr zum Rennen zu benützen . « » Unbedingt , unbedingt ! « » Du meinst , daß der Schah nichts dagegen hätte ? « » Dagegen ? Er würde sich sogar freuen , herzlich freuen , zeigen zu können , daß seine Schule alle andern Schulen schlägt . Der Kampf würde aber ein heißer , sogar ein entscheidender werden , denn wisse , der Teufel wird gegen uns geritten , und Ahriman reitet ihn selbst ! « » Der Teufel ? Was ist das für ein Pferd ? « » Eine Khorassan-Schecke von wunderbarer Schnelligkeit und Ausdauer . Sie gewann noch jedes Rennen , und zwar spielend , selbst gegen die berühmtesten Pferde . Man hält sie für unbesiegbar und wagt es schon seit Jahren nicht mehr , gegen sie zu setzen . Es heißt Teufel und ist ein Teufel , der oberste aller Teufel . Darum heißt die Schecke nicht bloß Schetan oder Scheitan , sondern Iblis . Und bezeichnender Weise ist dieser Iblis nicht im Besitze eines Mannes , sondern eines Weibes . Du wirst staunen . Seine Herrin ist nämlich jene Schahsadeh Khanum Gul , die sich Rose von Schiras nennen läßt und , wie wir jetzt wissen , Kaiserin von Persien werden will . « » Höchst kurios ! Aber