Nein , ein Beduine ist er freilich nicht . Er hat es nicht nötig , Brot zu genießen , welches auf Kamelmist gebacken worden ist ! Weißt du , wie der Muhassil geheißen hat ? « Der Pedehr schnippste verächtlich mit dem Finger . » Omar Iraki , « sagte er . » Kennst du seine Familie ? « » Sie ist mir gleichgültig . Da er ein Iraki ist , stammt er da unten aus dem Sand heraus . « » Spotte nicht ! Sein Vater ist einer der mächtigsten Männer im Reiche des silbernen Löwen . Er hat die Gewalt , euch alle zu verderben . Es stehen ihm tausende von Soldaten zur Verfügung , die euer ganzes Gebiet zur Wüste machen werden ! « » Sie mögen kommen ! Hoffentlich sind sie klüger und vorsichtiger , als ihr gewesen seid ! Aber wie heißt denn dieser große Mann , der solche Macht besitzt ? Willst du vielleicht die Gnade haben , mir seinen Namen mitzuteilen ? « » Er wird Ghulam el Multasim genannt . « Als der Perser diesen Namen sagte , sah er uns mit einem triumphierenden Blicke an . Er schien zu erwarten , daß wir erschrecken würden . Das war aber keineswegs der Fall . Freilich kann ich nicht behaupten , daß der Name gar keinen Eindruck auf uns gemacht habe . Seine Wirkung auf den Pedehr und mich war eine verschiedene . Man wird sich wohl noch des unadressierten Briefes erinnern , den Halef von unserm Wirte in Basra bekommen hatte . Wir hatten zwar von dem letzteren erfahren , daß er an einen gewissen Ghulam el Multasim gerichtet sei , aber nicht , wo dieser Ghulam wohne . Die einzige Auskunft des schwerbetrunkenen Wirtes hierüber hatte gelautet : » In - - - in - - - Straße nach - - ah - - ah ! « Ich hatte schon öfters an dieses Schreiben und seinen Adressaten gedacht . Das Wort » in « deutete an , daß er in einer Stadt wohne , aber in welcher ? Das war die Frage ! Sein Haus schien nicht im Innern sondern in einem Außenteile dieser Stadt zu liegen . Das war aus den beiden Worten » Straße nach - - « zu schließen . Aber war dieser Ghulam el Multasim derjenige , den der Rittmeister meinte ? Ghulam heißt , wie bereits einmal gesagt , Läufer , Page , auch Courier . So hieß ja der » Paß des Couriers « auch Boghaz-y-Ghulam . Unter Ghulam versteht man auch die Leibgarde des Schah . Wenn ein Offizier dieser Leibgarde für besondere Dienste zu belohnen ist , so kommt es vor , daß er als Muhassil irgendwohin geschickt wird , um die Steuern einzutreiben . Vielleicht war der Mann , von welchem der Rittmeister sprach , Offizier der Leibgarde . Daß beide Ghulams , der meinige und der seinige , identisch seien , war ein Gedanke , dessen Richtigkeit durch den Ring bestätigt wurde . Der Adressat des Briefes war unbedingt ein Sill . Daß der Rittmeister auch einer war , bewies sein Ring . Ich freute mich herzlich darüber , dem unbekannten Adressaten hiermit auf die Spur gekommen zu sein , doch selbstverständlich fiel es mir nicht ein , durch irgend eine Frage mein besonderes Interesse für ihn zu verraten . Ich war also still . Ganz anders der Pedehr . Kaum hatte er den Namen gehört , so hielt er den Rittmeister mit einem so erstaunten Blicke fest , daß dieser ganz verlegen wurde . » Ghulam el Multasim ! « sagte er . » Der Blutsauger ! Der Verachtete ! Und du hast , wie es den Anschein hat , geglaubt , daß ich erschrecken werde ? Meinst du , daß dieser Feigling es wagt , mich offen anzugreifen ? Ja , nun weiß ich , daß dieser Effendi Recht hat : du bist kein Offizier , sondern ein Schurke ! Du hast dich als seine Kreatur entpuppt . Ich bin mit dir fertig . Fort , fort ! « Eine solche Wirkung des genannten Namens hatte der Perser nicht erwartet . Er fühlte sich entlarvt und sagte kein Wort dagegen , als die beiden Dschamikun , welche ihn gebracht hatten , ihn nun bei den Armen faßten , um ihn fortzuführen . Als er hinter dem mehrfach genannten , alten Thore verschwunden war , sagte der Pedehr zu mir : » Nun ist es gewiß , daß diese Menschen keine wirklichen Soldaten sind . Dieser Multasim war nämlich früher Offizier der Leibgarde , ein nach obenhin kriechender , nach unten aber grausam rücksichtsloser Mensch . Er wußte sich durch solche Kriecherei bei dem damaligen Muajir el Memalek125 in der Weise einzuschmeicheln , daß es ihm gelang , einen langjährigen Pachtbrief für gewisse Staatseinnahmen ausgestellt zu erhalten , den auch der Sader aazam126 mit unterschrieb . Als er das erreicht hatte , nahm er seinen Abschied vom Militär , um nicht mehr gehorchen zu müssen , sondern nun fortan befehlen zu können und dabei ein reicher Mann zu werden . Er ist giftig wie eine Assaleh127 , feig wie eine alte , zahnlose Hyäne und gefühllos wie ein Stein . Wenn ein einziges Schaf genügt , die Steuer , welche schuldig geblieben ist , zu decken , so nimmt er eine ganze Herde . Wohin er kommt , da setzt er sich fest , um Land und Menschen auszusaugen , und wenn er endlich geht , ist er rund wie ein Maultier , welches von der fetten Weide kommt . Es giebt Menschen , welche den Raubtieren gleichen , und wieder andere , die wie das Ungeziefer sind . Wenn man sie und ihre Thaten kennen lernt , möchte man an Chodeh ' s Güte und Gerechtigkeit zweifeln , falls man nicht so genau wüßte , daß uns nur zu unserm Heile die Gründe dessen , was geschieht , verborgen bleiben - - « Er war , wie es schien