neulich wieder dem armen Bennigsen zugesetzt haben ? Mir mißfällt es , wiewohl Bennigsen nicht gerade mein Mann ist . « » Auch meiner nicht . Aber , er sei , wie er sei , er ist doch ein Excelsior-Mann . Und wer hierlandes für ein freudiges excelsior ist , der ist bei den Ostelbiern ( Pardon , Sie gehören ja selbst mit dazu ) von vornherein verdächtig und ein Gegenstand tiefen Mißtrauens . Jedes höher gesteckte Ziel , jedes Wollen , das über den Kartoffelsack hinausgeht , findet kein Verständnis , sicherlich keinen Glauben . Und bringt einer irgendein Opfer , so heißt es bloß , daß er die Wurst nach der Speckseite werfe . « Dubslav lachte . » Lorenzen , Sie sitzen wieder auf Ihrem Steckenpferd . Aber ich selber bin freilich schuld . Warum kam ich auf Bennigsen ! Da war das Thema gegeben , und Ihr Ritt ins Bebelsche ( denn weitab davon sind Sie nicht ) konnte beginnen . Aber daß Sie ' s wissen , ich hab auch mein Steckenpferd , und das heißt : König und Kronprinz oder alte Zeit und neue Zeit . Und darüber hab ich seit lange mit Ihnen sprechen wollen , nicht akademisch , sondern märkisch-praktisch , so recht mit Rücksicht auf meine nächste Zukunft . Denn es heißt nachgrade bei mir : Was du tun willst , tue bald . « Lorenzen nahm des Alten Hand und sagte : » Gewiß kommen andre Zeiten . Aber man muß mit der Frage , was kommt und was wird , nicht zu früh anfangen . Ich seh nicht ein , warum unser alter König von Thule hier nicht noch lange regieren sollte . Seinen letzten Trunk zu tun und den Becher dann in den Stechlin zu werfen , damit hat es noch gute Wege . « » Nein , Lorenzen , es dauert nicht mehr lange ; die Zeichen sind da , mehr als zuviel . Und damit alles klappt und paßt , geh ich nun auch gerad ins Siebenundsechzigste , und wenn ein richtiger Stechlin ins Siebenundsechzigste geht , dann geht er auch in Tod und Grab . Das is so Familientradition . Ich wollte , wir hätten eine andre . Denn der Mensch is nun mal feige und will dies schändliche Leben gern weiterleben . « » Schändliches Leben ! Herr von Stechlin , Sie haben ein sehr gutes Leben gehabt . « » Na , wenn es nur wahr ist ! Ich weiß nicht , ob alle Globsower ebenso denken . Und die bringen mich wieder auf mein Hauptthema . « » Und das lautet ? « » Das lautet : Teuerster Pastor , sorgen Sie dafür , daß die Globsower nicht zu sehr obenauf kommen . « » Aber , Herr von Stechlin , die armen Leute ... « » Sagen Sie das nicht . Die armen Leute ! Das war mal richtig ; heutzutage aber paßt es nicht mehr . Und solch unsichere Passagiere wie mein Woldemar und wie mein lieber Lorenzen ( von dem der Junge , Pardon , all den Unsinn hat ) , solche unsichere Passagiere , statt den Riegel vorzuschieben , kommen den Torgelowschen auf halbem Wege entgegen und sagen : Ja , ja , Töffel , du hast auch eigentlich ganz recht , oder , was noch schlimmer ist : Ja , ja , Jochem , wir wollen mal nachschlagen . « » Aber , Herr von Stechlin . « » Ja , Lorenzen , wenn Sie auch noch solch gutes Gesicht machen , es ist doch so . Die ganze Geschichte wird auf einen andern Leisten gebracht , und wenn dann wieder eine Wahl ist , dann fährt der Woldemar rum und erzählt überall , Katzenstein sei der rechte Mann . Oder irgendein andrer . Aber das ist Mus wie Mine ; - verzeihen Sie den etwas fortgeschrittenen Ausdruck . Und wenn dann die junge gnädige Frau Besuch kriegt oder wohl gar einen Ball gibt , da will ich Ihnen ganz genau sagen , wer dann hier in diesem alten Kasten , der dann aber renoviert sein wird , antritt . Da ist in erster Reihe der Minister von Ritzenberg geladen , der , wegen Kaltstellung unter Bismarck , von langer Hand her eine wahre Wut auf den alten Sachsenwalder hat , und eröffnet die Polonäse mit Armgard . Und dann ist da ein Professor , Kathedersozialist , von dem kein Mensch weiß , ob er die Gesellschaft einrenken oder aus den Fugen bringen will , und führt eine Adelige , mit kurzgeschnittenem Haar ( die natürlich schriftstellert ) , zur Quadrille . Und dann bewegen sich da noch ein Afrikareisender , ein Architekt und ein Porträtmaler , und wenn sie nach den ersten Tänzen eine Pause machen , dann stellen sie ein lebendes Bild , wo ein Wilddieb von einem Edelmann erschossen wird , oder sie führen ein französisches Stück auf , das die Dame mit dem kurzgeschnittenen Haar übersetzt hat , ein sogenanntes Ehebruchsdrama , drin eine Advokatenfrau gefeiert wird , weil sie ihren Mann mit einem Taschenrevolver über den Haufen geschossen hat . Und dann gibt es Musikstücke , bei denen der Klavierspieler mit seiner langen Mähne über die Tasten hinfegt , und in einer Nebenstube sitzen andere und blättern in einem Album mit lauter Berühmtheiten , obenan natürlich der alte Wilhelm und Kaiser Friedrich und Bismarck und Moltke , und ganz gemütlich dazwischen Mazzini und Garibaldi , und Marx und Lassalle , die aber wenigstens tot sind , und daneben Bebel und Liebknecht . Und dann sagt Woldemar : Sehen Sie da den Bebel . Mein politischer Gegner , aber ein Mann von Gesinnung und Intelligenz . Und wenn dann ein Adeliger aus der Residenz an ihn herantritt und ihm sagt : Ich bin überrascht , Herr von Stechlin - ich glaubte den Grafen Schwerin hier zu finden , dann sagt Woldemar : Ich habe die Fühlung mit diesem Herrn verloren . « Der