S ' den Löffel her ! « » Jesses ja ! An Löffel ! Wo hab ich denn mein Kopf ! « Die Horneggerin rannte in die Kammer hinaus . » Habt ihr schon gebetet ? « fragte Graf Egge , während er die Füße unter den Tisch streckte . Franzl brachte keinen Laut heraus und nickte nur . Graf Egge lehnte sich an die Wand zurück , verschlang die Hände über dem Gurt der Lederhose , sprach halblaut ein Vaterunser und bekreuzte sich ; dann griff er über den Tisch , faßte den Blechlöffel der Horneggerin , wischte ihn am Zipfel des blauen Tischtuches ab und fuhr in die Schüssel . » Schieß los , Franzl ! « Als die Försterin kam , mit dem silbernen Patenlöffel ihres Buben und einem blanken Hirschhornbesteck , das sie vor Jahren auf dem Münchener Oktoberfest im Glückshafen gewonnen hatte , war die Suppenschüssel schon halb geleert . » Packen S ' wieder ein , Mutter ! « sagte Graf Egge und behielt den Blechlöffel . Mit Zittern und Bangen trug die Horneggerin das Kraut und die Knödel auf ; doch das derbe Gericht erwarb sich so ausgiebig die Gnade des Gastes , daß Franzl und seine Mutter zu kurz kamen . Da fand die Försterin unter scheuem Lächeln sogar den Mut zu der Bemerkung : » Mir scheint , Herr Graf , sie schmecken Ihnen ? « » Prämieren tät ich Ihnen grad net für so an Exemplar . Aber der Hunger treibt Bratwürst nunter . Ich hab harte Fasten hinter mir . « » O mein Gott , gelt , vor lauter Kümmernis haben S ' nix mehr essen können ? « Die Augen der Horneggerin füllten sich wieder mit Tränen . » Dös kenn ich , wie so was is ! Und wie so an Unglück nur kommen kann ! Gestern noch ' s lachende Leben , und heut der ewige Schlaf ! Da wär ' s kein Wunder , wann der Mensch zittert vor jeder Stund , und wann er Gott sei Dank sagt hinter jedem Tag , der glimpflich vorbeigangen is ! « Eine Weile noch hörte Graf Egge den herzlich gemeinten Jammer der alten Frau geduldig an . Dann legte er plötzlich die Gabel nieder , würgte den letzten Bissen hinunter und erhob sich . » Mach ' fertig , Franzl , ich wart ' im Hof ! « Er reichte der Horneggerin , die erschrocken verstummt war die Hand über den Tisch . » Vergelts Gott , Mutter ! « Dann griff er nach seiner Büchse und verließ die Stube . Franzl schob sich aus der Bank heraus . Da nahm die Horneggerin sein Gesicht zwischen die Hände . » Bub ! Was sagst ! Gestern hast mich in deiner Kümmernis erbarmt , daß ich mir ' s Herz hätt aussireißen können . Und heut is alles wieder gut ! « Franzl nickte ; dabei sprach aus seinen Augen etwas , das mit dieser Zustimmung nicht harmonieren wollte . Er umschlang die Mutter und schmiegte die Wange an ihr graues Haar . So standen sie eine Weile , bis Franzl aufatmend sagte : » Jetzt mußt mich auslassen . ' s Warten hat er net gern . « Er rannte zur Stube hinaus . Eine Minute später kam er die Treppe herunter , fertig für den Berggang . Die Mutter wollte ihm die Stirn mit Weihwasser besprengen , aber bei Franzls Eile gingen die heiligen Tropfen daneben . Graf Egge trommelte schon mit dem Fuß und drängte : » Vorwärts ! Vorwärts ! « Mit langen Schritten wanderte das Paar davon , an den welkenden Hecken entlang . Als sie die Wiesen überschritten und zu den dichter stehenden Häusern des Dorfes kamen , klang hinter ihnen ein Gewinsel , Gebell und Geheul , das sich näherte und immer lauter wurde . Franzl drehte das Gesicht : » Um Gottes willen , Herr Graf ! Was kommt denn da daher ? « Mit Springen und Stürzen , Überschlagen und Kollern näherte sich ein lebendig scheinender Knäuel von flatternden Leinwandfetzen und lang nachschleifenden Bändern , die sich durcheinanderringelten wie kämpfende Schlangen . Je näher das seltene Ungeheuer kam , desto deutlicher ließen sich die wirbelnden Füße , der zuckende Kopf und die schlagende Rute des Hundes erkennen , der als heulender Kern in dieser absonderlichen Schale steckte . » Jesus Maria ! Herr Graf ! Unser Hirschmann ! Der is dem Tierarzt durchbrennt , hat heimgsucht und is auf unser Fährten kommen ! « Franzl legte den Bergstock und die Büchse ab und rannte dem Hund entgegen . » Hirschmanndl ! Hirschmanndl ! Da komm her ! Ja Hirschmanndl ! Was is denn mit dir ? Wo kommst denn her ? « Wie der Hund in seinem zerzausten Spitalgewand herangeschossen kam ; wie er in winselnder Freude an dem Jäger emporzuspringen versuchte , sich in die schlagenden Fetzen verwickelte , laut heulend stürzte und fröhlich bellend wieder aufsprang ; wie Franzl ihn haschen wollte und nur die flatternde Bandage zu fassen bekam , aus der sich der Hund unter Geheul und Gezappel vollends hervorkugelte ; wie der Jäger nun selbst zu Boden taumelte und der befreite Hund mit ungestümer Liebkosung über ihn herfiel - das war ein so drolliger Anblick , daß Graf Egge lachen mußte . Aber dieses Lachen schien ihn zu schmerzen , denn er preßte die Hand an den Hinterkopf . Auch Franzl lachte . Die lärmende Freude des treuen Tieres ließ ihn des Kummers vergessen , den auch die Aussöhnung mit seinem Jagdherrn nicht hatte beschwichtigen können . Auf der Erde sitzend , hielt er den zappelnden Hund umschlungen und blickte lachend zu Graf Egge auf : » Jetzt , Herr Graf , jetzt sind wir wieder alle beinander ! « » Alle ? Da fehlt noch viel , scheint mir ! « Dem Grafen war das Lachen vergangen . Nun erkannte der Hund auch ihn , riß sich aus den Armen des Jägers