der Kunst wegfegen wie Spreu . Dann werden wir wieder reinen Tisch und reine Luft haben . Sagen Sie nur , der Achthuber hat ' s gesagt . Vielmehr : sagen Sie gar nichts . Halten Sie nur Augen und Ohren offen . Reifsein ist alles - und arbeiten und sich nicht vor Tod und Teufel fürchten . Ich gehöre ja ohnehin zu jenen , die immer Feinde nötig haben , um scharf bei der Arbeit und fröhlichen Herzens zu bleiben ; Feinde sind mir so notwendig wie das tägliche Brot ; sie sind meine Wohlthäter , meine Lustmacher , meine Hofnarren , meine Sklaven . Nur ganz schmutzige , ekelhafte und insipide Gesellen wie der Preßbandit sind mir zuwider wie Läuse und Wanzen ... Inzwischen photographieren Sie ruhig Echters Triumphkarton , ausgeführt ist er deswegen , doch noch nicht , und lassen Sie sich ordentlich bezahlen . Nichts mehr aus Gratis- Kunstbegeisterung und um einen Gotteslohn , verstanden ? « » Ach ja , Herr Achthuber , « setzte jetzt der Photograph mit einer Stimme ein , die ins Falsett umschlug , was gar spaßhaft mit seiner Hünengestalt kontrastierte : » Eine Bitte hätte ich auch noch , speziell für mich . Wenn ich jetzt mein Geschäft auflöse , habe ich eine Menge alter Verbindlichkeiten zu bereinigen ... « » Und dazu brauchen Sie Geld - und das soll ich Ihnen pumpen ? O Sie Schwärmer ! Gedulden Sie sich bis heute Abend , wenn ' s dunkel wird , will ich mit Ihnen fechten gehen ... « » O , das würde schwerlich ein Triumphzug werden . « » Ich fürchte auch . Vielleicht schinde ich morgen etwas von dem Bilderwucherer in der Maximilianstraße heraus , der mein Hofbräuhaus-Idyll am Tisch der Ungespundeten zur Vervielfältigung erworben hat . Der Hund Weiler lauert zwar auch schon auf den Knochen und zeigt die Zähne ... Der soll sichs Maul wischen . Also morgen - vielleicht ! « - - Max v. Drillinger war auf dem Nachhauseweg in das Café Viktoria eingetreten , hatte sich Papier und Tinte geben lassen und bei einem Glas Marsala an einem stillen Ecktischchen folgende Zeilen an seine kleine Fifette geschrieben : » Nur einen Augenblick des Glücks in Deinen üppigen , süßen Armen , mein liebes , blühendes Herzensweibchen ! Ich brenne vor Ungeduld nach Dir , nach Deinem Leib , nach Deiner Seele ! Du sollst dieses Mal keine Jeremiade von mir hören , mein niedliches , braunes Reh , unser Wiedersehen soll eitel Wonne und Trunkenheit sein und seligster Rausch . Nach der Zuchthausexistenz dieser letzten Woche und den Höllenqualen , die ich erduldet , laß mich eingehen in Deinen Himmel . Kein Weib der Welt weiß zu beglücken wie Du : Beglücke mich , Du Holde , Einzige ! Heut Nacht zur bekannten Stunde im bekannten Hause in der Buttermelcherstraße . Ich werde die Wirtin benachrichtigen , daß sie alles bereit hält . Willst Du mich überselig machen - mein Blut rast nach Dir , wenn ich Dich mir so vorstelle ! - so komme etwas früher und erwarte mich in Deiner betäubenden Anmut und Deinem Liebreiz mit aufgelösten Haaren , ohne Korsett , in dem blauen Schlafrock , vorn offen , und in den durchbrochenen blauen Strümpfen . Du einziger , duftiger , unaussprechlich süßer Engel - Dein , Dein , Dein Max . « Dann schrieb er einige Worte an die Wirtin und übergab beide Briefe einem Expreßboten . In der Maximilianstraße - der Weg an der Isar , durch die Quaistraße , war ihm unheimlich - suchte er dem Oberst Wotan auszuweichen , allein der grimmige Degen schnitt ihm den Seitengang ab . Den Schlapphut bis zu den borstigen Brauen herabgezogen , schwarzgallige Worte auf den verächtlich aufgeworfenen Lippen , hatte er den leichtfüßigen Baron gestellt . Nachdem sich Drillinger hoch und heilig , verschworen hatte , weder mit einem gewissen Paillard eine mehr als rein zufällige Begegnung , noch mit dem Schlemming , Schneidmeyer und tutti quanti seit einer Ewigkeit überhaupt eine persönliche Beziehung gehabt zu haben , fuhr der Oberst fort : » Gut , dann hat man mich wieder angelogen . Aber lassen Sie sich das als Warnung dienen : Sie haben rührige Feinde , denen kein Mittel zu schlecht ist , Sie mit dem anrüchigen , der Spionage verdächtigen Gesindel in Zusammenhang zu bringen . Jetzt , wo in Bayern ohnehin so viele Wasser getrübt sind - Sie verstehen mich . Semper aliquid haeret . Weit vom Ziel ist gut vorm Schuß . « » Ich verreise morgen ohnehin auf einige Wochen . « » Da thun Sie gut daran . Ich bin auch höllisch hauptstadtmüde , zeitungsmüde , klatschmüde . Ewig diese Königs- und Kabinets- und Künstlergeschichten , das wird ja so langweilig , daß einem das Schilfrohr zum Bauch herauswächst . Remplem . Ich geh ' fort . Dieses nüchterne Pendantenvolk mit seiner Arroganz und unheilbaren Troddelose ... Hab ' auch das Bier satt , will meine Eingeweide mit Rotwein auswaschen . Ist ja auch gar kein Bierwetter , immer Kälte und Regen ; eine Salvator- und Maibock-Saison ohne lachenden Sonnenschein , das ist gegen alle Weltordnung . Ich rutsche über den Brenner nach Südtyrol hinab ; da gibt ' s noch Frühling und lustige Menschen und trinkbaren Wein . « » Aber die Ungespundeten , Herr Oberst , wenn alles geht ? « » Hören Sie damit auf ! Wer ist heute noch ungespundet ? Alle halten den Knebel im Mund und den Zapfen im Loch , weil sie der nächsten Viertelstunde nicht trauen ... Apropos , gestern bin ich die Isar hinauf , um in den Buchenwäldern von Großhesselohe und Grünwald ein wenig nach dem Frühling zu sehen . Zufällig kam ich auch nach Höllrieglskreuth und in den Steinbruch , wo der Meister Effenbach seine Werkstatt für freie Religion und Menschlichkeit aufgeschlagen hat . Wenn der Mann so fortfährt , wie ich ihn gefunden habe , gehört er nicht mehr in