, daß das Fränzchen das Leichenbegängnis des Geheimen Rates nicht schilderte , denn es ging im höchsten Trauerstil vor sich . Die Spitzen der Gesellschaft und der Justiz erschienen in Person dazu oder schickten doch wenigstens ihre Kutschen ; aber das Fränzchen saß im Hause , in der Studierstube ihres Onkels , und weinte . Sie allein weinte wirklich ; alle andern waren nur ein wenig betäubt durch den Duft von Königsräucherpulver und Chlorkalk . Zweiunddreißigstes Kapitel Das war ein Wunder über alle Wunder , so hoch oben in der Annenstraße bei der Frau Brandauer zu sitzen - Hand in Hand - , während es wieder anfing zu schneien , und von allen diesen Dingen und von dem , was kommen sollte , zu sprechen ! » Du armes Kind , was hast du alles erlitten ! « rief Hans , » aber nun sage mir auch , wie du in diesen Raum gekommen bist , wer dich hierhergeführt hat - O Gott , wie du gelebt hast in den letzten Tagen . Es ist so kalter Winter , und der geringste Vogel hat sein Nest , das ihn vor der Kälte birgt , dich aber hat man hinausgejagt - « Franziska schüttelte wehmütig lächelnd den Kopf . » Ich bin aus eigenem Willen gegangen « , sagte sie . » Man hat nicht das Fenster geöffnet und gerufen : Da flieg , Rotkehlchen ! Ich bin freiwillig gegangen , und niemand hätte mich in jenem Hause zurückhalten können . Ach , es ist nicht viel gewesen , was ich mit meinem Herzen und mit meinen Händen tun konnte , und als das Haus nach dem Begräbnis des guten Onkels wieder in Ordnung gebracht war , da konnte ich gar nichts mehr tun . Mich fror so sehr in des Onkels Studierstube , und einen andern Aufenthaltsort gab es nicht mehr für mich im Hause ; denn mein Stübchen hatte ich an ein altes Fräulein , das von der Kusine der Tante zum Trost geschickt war , abtreten müssen , und dieses Fräulein nahm auch alle Besorgungen , die sonst mir anvertraut gewesen waren , über sich . Die Tante sah ich fast gar nicht mehr . Ich hatte kein Recht mehr in diesem Hause , seit der Onkel tot war , und ich bin fortgegangen . « » Und du hattest niemand , um dir zu raten , um dir zu helfen ! « rief Hans ; aber das Fränzchen lächelte zum erstenmal ganz fröhlich . » Oh , bin ich nicht eine fast ebenso tapfere und gewandte Pariserin wie die arme Henriette Trublet ? Ich war nicht ganz von Geld entblößt , und dann bin ich ja auch das Kind des Kapitäns Götz , die Tochter des abenteuernden Soldaten und Freiheitskämpfers . Es wäre nicht sehr ehrenvoll für mich gewesen , wenn ich meinen Weg nicht gefunden hätte . Ach Gott , trotz dem tiefen Schmerz um den Onkel fühlte ich mich ja frei - meine eigene Herrin ; es durfte niemand mehr zwischen mich und mein Gefühl treten - alle schweren Ketten waren von mir abgefallen ! Und wahrlich , es war etwas von meines Vaters wildem Mut und Geist an dem Tage in mir , an dem ich unter meinem Regenschirm auszog , um mir ein Schlupfwinkelchen zu suchen . Ich habe dieses gefunden und nun gesessen während der letzten Tage und habe der guten Frau Brandauer viele wunderliche Fragen über mein junges Dasein beantworten müssen ; aber wir sind gut miteinander fertig geworden und haben einander ordentlich ins Herz geschlossen . Ich habe an Kleophea und an den Herzensonkel Rudolf geschrieben , jetzt werden sie die Briefe wohl erhalten haben ; ach , und ich wollte , ich wäre jetzt bei Kleophea ! « Sie sprachen mit leiser Stimme von dem Doktor Theophile Stein , und wie er auftreten werde , nun seine Frau von der reichen Mutter verstoßen und enterbt worden sei . Das Fränzchen weinte bitterlich über das Los der unglückseligen Kleophea ; und draußen schneite es immerzu , es sollte ein harter , böser Winter über die Welt kommen . - Sie standen jetzt am Fenster und sahen auf das Gestöber - schweigend standen sie eine geraume Weile . » Es ist ein weiter Weg nach Grunzenow « , sagte Hans . » Es wird auch ein beschwerlicher Weg sein . Wie willst du die Mühen bestehen , mein Lieb ? Jetzt wollte ich wohl , ich besäße den Zaubermantel , daß ich ihn um dich schlagen und dich warm darin über das weiße , winterliche Land forttragen könnte . « Fränzchen hob das Gesichtchen zu dem Freunde empor und lächelte durch die Tränen , welche es um Kleophea Stein geweint hatte : » Deine Liebe ist ja der Mantel , in welchem du mich an dein Herz genommen hast ! Wie könnte mich frieren an deinem Herzen , in deiner Liebe ? Und dazu soll ich eine Heimat an jenem Orte finden , ich , die ich niemals eine rechte Heimat gehabt habe , ich , die ich vom Leben immer so barsch hin und her geschoben worden bin durch Mangel und Überfluß , durch allen Wirrwarr und Zwiespalt ! Wie könnt ich den Schnee , den Winter fürchten unter deinem Mantel , Johannes , an deinem Herzen ? « » O Liebe . Liebe « , rief Hans , » ja du hast recht , wir sind gefeit gegen allen Erdenfrost und - sturm . Wir hören den Wind brausen , aber wir fühlen ihn nicht - « » Und den Onkel Rudolf werde ich sehen - endlich , endlich werde ich ihn wiedersehen ! Auch an seinem Herzen bin ich so sanft gebettet ! Gottes Segen über ihn ! « fuhr das Fränzchen fort . » Und den guten Oberst und den guten , alten Pastor werde ich sehen . O Johannes , wie großen Dank sind wir denen schuldig ! Es ist so märchenhaft schön ; o Gott