brachte , die ihr sonst so oft auf dem Fuße folgt . Jacobea triumphirte bei dieser Mittheilung . Sie malte Scheurl ' s Bild in den schwärzesten Farben und das seiner Gemahlin nicht minder . Sie versicherte bestimmt zu wissen , daß diese von Kindesbeinen an ein verworfenes Geschöpf gewesen ; durch ihre Amme , die zuletzt mit in diesem Hause gewohnt , gab sie vor , über sie die genauesten Mittheilungen zu haben - ja , sie bürdete Elisabeth sogar die Schuld an dem Tode der Amme auf , die Jacobea allein selbst trug durch ihren langsam tödtenden Gifttrank . Jacobea erzählte , daß Elisabeth zu der Kranken gekommen und dieselbe wahrscheinlich mit für sie mitgebrachten Leckerbissen vergiftet habe , damit sie nicht noch habe ein Verbrechen beichten können , das sie gemeinschaftlich mit Elisabeth begangen , und wie diese seit demselben Tage , an dem sie noch bei einem nächtlichen Stelldichein mit einem Baubruder , der vor einem gemeinen Steinmetzgesellen nur das voraus habe , daß er wie ein Mönch zu leben gelobe und doch sein Wort nicht halte , sei ertappt worden , alles mögliche Schlechte auf Jacobea zu bringen suche , so daß sie schon lange nach einem Mittel strebe , sich dieser gefährlichen Feindin zu entledigen oder sie doch zu demüthigen , die scheinheilige Sünderin . Sie sei ihrem Mann auch nicht treu und habe ihn doch nur um seines Reichthums Willen geheirathet , er aber müsse ganz nach ihrer Pfeife tanzen . Dies war der Hauptinhalt von Jacobea ' s Schilderung , die sie in allen möglichen grellen Farben immer wieder neu aufzutragen suchte und die ihre Wirkung bei Katharina nicht verfehlte . » Zufällig weiß ich , « sagte Jacobea , » daß Frau Elisabeth eine ihrer Dienstmägde fortgejagt , an der Herr Scheurl Gefallen gefunden , und noch keine neue Magd dafür hat ; kein größerer Possen könnte Ihr geschehen , und Euch und mir kein größerer Gefallen , als wenn sie Euch an deren Statt in das Haus nehme , vielleicht Euch gerade trauend , weil Ihr schon bei Jahren seid , und wenn Ihr dann ihr und ihm einmal fühlen ließet , daß Ihr gerade viel ältere Rechte auf ihn hab ' t als die hochmüthige Gemahlin . « Frau Katharina lächelte sehr wohlgefällig zu diesem Plan , und beschloß ihn auszuführen und gleich morgen ihr Heil zu versuchen . Freilich durfte sie sich nicht merken lassen , daß Jacobea sie sende , obwohl sich diese damit abgab , Gesinde zu vermitteln , aber so , daß ihre Hülfe meist nur von Bademeistern , Gastwirthen und andern Leuten von zweifelhaftem Rufe angenommen ward , da nur gemeine Dirnen ihre Vermittlung beanspruchten - eben so wenig , daß sie mit ihr verwandt und bekannt war und jetzt ihre erste Nacht unter ihrem Dache zugebracht . Katharina ging daher am andern Tage wie sie gekommen mit ihrem Bündel Sachen als eine Hülfesuchende aus Regensburg , die dafür ihre Dienste anbot , zu Frau Elisabeth , und ward glücklich von derselben sogleich als Magd behalten , da Elisabeth Mitleid hatte mit der Lage der unglücklichen Flüchtigen und meinte : man könne es ja mit ihr versuchen und sehen , zu welcher Art von Arbeit sie sich am besten eigne . Katharina war noch rüstig und anstellig , aber freilich war sie nach zwanzig Jahren voll Arbeit und Sorge keine verführerische Schönheit mehr , als welche einst Herr Scheurl sie in Regensburg getroffen , noch war dieser überhaupt im Stande in der neuen Dienstmagd , die er , weil sie nahe an den Fünfzigen war , keines Blickes weiter würdigte , eines von den vielen Frauenzimmern wieder zu erkennen , an denen er einst ein sinnliches Wohlgefallen gefunden . Und Katharina hütete sich wohl ihn an sich zu erinnern , ehe ihr dazu eine passende Stunde erschien . So waren ein paar Wochen vergangen , in denen sie zuweilen heimliche Zusammenkünfte mit Jacobea gehabt und von ihr Rathschläge oder Aufträge empfangen hatte . Dieser lag daran , den Ring Streitberg ' s wieder zu erhalten , den Ezechiel an Elisabeth verkauft und den Jacobea in ihrem Besitz haben wollte , weil sie wußte , wie Streitberg zürnte , daß sein Pfand in diese Hände gekommen , und dringend verlangte es wieder zu haben . Gelang dies Jacobea ' s List eher als der des Juden , so war damit auch dieser , der jetzt mit ihr zerfallen war , wieder in ihren Händen . Sie hatte darum Katharina den Ring geschildert und jetzt erfahren , daß ihn diese auch gesehen , wie er mit andern Ringen an einem goldenen Kettlein befestigt sei , daß Elisabeth immer an sich trage , und zwar , weil sie zu viel Ringe besaß , um alle an ihre Finger zu bringen . Sie hatte ihren Schmuck , wenigstens den , welchen sie täglich zu tragen pflegte , auf ihrem Nachttisch neben ihrem Himmelbett liegen , und es war also nur möglich sich dessen zu bemächtigen , während sie schlief oder doch ehe sie Toilette gemacht hatte . Jacobea gab Katharinen ein kleines Pulver , von dem sie versicherte , daß es einen sehr langen Schlaf erzeuge , wenn es in einem Getränk genossen werde , und daß sie während dessen sich gewiß werde in Elisabeth ' s Schlafzimmer schleichen können , in dem diese seit ihrer Krankheit und Genesung allein schlief . Dann solle Katharina die Kette mit den Ringen auf den Boden werfen und die Ringe darauf herumrollen lassen ; Elisabeth werde dann bei ihrem Erwachen gewiß meinen , daß dies durch sie selbst oder einen Zufall geschehen , und wenn nur ein Ring sich nicht gleich wiederfände , nicht anders vermuthen können , denn daß er in einer Ritze der Diele oder Mauer verschwunden sei . - Jetzt wartete Katharina nur auf die günstige Gelegenheit , sowohl Elisabeth diesen Streich zu spielen , als auch mit Scheurl allein zu sprechen , sich ihm zu erkennen zu