, und daß auch wir nicht einen Abbruch leiden . « Mit diesen Worten gingen wir in das Speisezimmer . Nach dem Essen wurde ich von Gustav in meine Wohnung geleitet , die immer in reinlichem Stande gehalten wurde , und die jetzt von einem schwachen Feuer wohltätig erwärmt war . Mir tat eine Ruhe etwas not , und die mäßige Wärme erquickte meine Glieder . Im Laufe des Nachmittages sagte mein Gastfreund zu mir : » Es ist nie ein so schöner Spätherbst gewesen als heuer , meine Witterungsbücher weisen keinen solchen seit meinem Hiersein aus , und es sind alle Anzeichen vorhanden , daß dieser Zustand noch mehrere Tage dauern wird . Nirgends aber sind solche klare Spätherbsttage schöner als in unseren nördlichen Hochlanden . Während nicht selten in der Tiefe Morgennebel liegen , ja der Strom täglich in seinem Tale morgens den Nebelstreifen führt , schaut auf die Häupter des Hochlandes der wolkenlose Himmel herab , und geht über sie eine reine Sonne auf , die sie auch den ganzen Tag hindurch nicht verläßt . Darum ist es auch in dieser Jahreszeit in den Hochlanden verhältnismäßig warm , und während die rauhen Nebel in der Tiefgegend schon die Blätter von den Obstbäumen gestreift haben , prangt oben noch mancher Birkenwald , mancher Schlehenstrauch , manches Buchengehege mit seinem goldenen und roten Schmucke . Nachmittags ist dann gewöhnlich auch die Aussicht über das ganze Tiefland deutlicher als je zu irgend einer Zeit im Sommer . Wir haben daher beschlossen , heuer noch eine Reise in das Hochland zu machen , wie ich es in früherer Zeit schon in manchen Jahren getan habe . Die Entfernungen sind dort nicht so groß , und sollten sich die Vorboten melden , daß das Wetter sich zur Änderung anschicke , so können wir jederzeit den Heimweg antreten und ohne viel Ungemach den Asperhof wieder erreichen . Morgen wird Mathilde und Natalie eintreffen , sie fahren mit uns , auch Eustach begleitet uns . Wolltet Ihr nicht auch den Weg mit uns machen und einige Tage der lieblichen Spätzeit mit uns genießen ? Kömmt dann Schnee oder Regen , wenn wir wieder in meinem Hause angelangt sind , so werdet Ihr wohl auf dem Postwagen Eure Heimreise machen können , und das Wetter wird Euch nicht viel anhaben . « » Es kann mir nie viel anhaben , « entgegnete ich , » weil ich gegen seine Einflüsse abgehärtet bin , auch könnte mir in dem Gefühle , welches ich gegen Euch habe , keine größere Annehmlichkeit begegnen , als einige Zeit in Eurer Gesellschaft zu reisen ; aber zu Hause wissen sie nichts davon und erwarten mich wahrscheinlich schon bald . « » Ihr könntet sie ja in einem Briefe verständigen « , sagte er . » Das kann ich tun « , erwiderte ich . » Wenn ich auch gleich nach meiner Ankunft nach einer viele Monate dauernden Abwesenheit wieder fortgereist bin , wenn sie mich auch schon in den nächsten Tagen erwarten , so werden sie doch einsehen , daß ein längerer Aufenthalt in der Gesellschaft eines Mannes , zu welchem ich in einer Angelegenheit wie die zwischen uns vorgefallene gereist bin , nur in der Natur der Sache gegründet ist . Sie würden es weit übler nehmen , wenn ich unter den bestehenden Verhältnissen nach Hause käme , als wenn ich noch eine Weile bei Euch bleibe . « » Ich habe Euch meine Frage und mein Anerbieten gestellt , « antwortete mein Gastfreund , » handelt nach Eurem besten Ermessen . Was Ihr tut , wird wohl das Rechte sein . « » Ich schreibe sogleich den Brief . « » Gut , und ich werde ihn sofort auf die Post senden . « Ich ging in meine Zimmer und schrieb einen Brief an den Vater . Es war wohl das Rechte , was ich tat . Wie schwer würden es mir Vater , Mutter und Schwester verziehen haben , wenn ich mich nicht mit Freude an einen Mann zu einer kurzen Reise angeschlossen hätte , der so an unserm Hause gehandelt hat . Als ich mit dem Briefe fertig war , trug ich ihn hinab , und der Knecht , der gewöhnlich zu allen Botengängen verwendet wurde , wartete schon auf ihn , um nebst anderen Aufträgen ihn an den Ort zu bringen , in welchem er auf die Post kommen sollte . Am anderen Tage , schon im Verlaufe des Vormittages , kamen Mathilde und Natalie . Es schien , daß allen die Ursache , weshalb ich , nachdem ich schon Abschied genommen hatte , wieder in das Rosenhaus gekommen war , Freude machte . Sie sahen mich freundlicher an . Selbst Natalie , die mich so gemieden hatte , war anders . Ich glaubte einige Male , wenn ich abgewendet war , ihren Blick auf mich gerichtet zu wissen , den sie aber sogleich , wenn ich hinsah , weg wendete . Gustav schloß sich mit ganzem Herzen an mich an und hatte darüber kein Hehl . Ich wußte schon , daß er mir immer seine Neigung in großem Maße zugewendet habe , und ich erwiderte sie aus dem Grunde meiner Seele . Nachmittags wurden die Vorbereitungen zur Reise gemacht , und am anderen Morgen noch vor Aufgang der Sonne fuhren wir ab . Mit Mathilde fuhren Natalie und ein Dienstmädchen , mit meinem Gastfreunde fuhren Eustach , Gustav und ich . Mit Roland sollten wir irgend wo im Lande zusammen treffen , er sollte eine Strecke mit uns reisen , und für diesen Fall war es dann bestimmt , daß Gustav in dem Wagen der Mutter untergebracht werden mußte . Die eigentümliche Art des Hochlandes erzeugte einen eigentümlichen Plan des Reisens . Wir hatten nämlich beschlossen , über manchen steilen und länger dauernden Berg hinan zu gehen , eben so über manchen hinab . Dies sollte die ganze Gesellschaft zuweilen zusammen bringen , zuweilen trennen . Man konnte auf diese Art manches gemeinschaftlich genießen