sein sollte , wofür er sich ausgab . Man flüsterte staunend vom Prinzen Egon . Hatte man doch auch von einem Diener gehört , daß er einen mit einer Krone gesiegelten Brief zur Post gegeben ! War man doch betroffen über seine genaue Kenntniß aller innern und äußern Beziehungen der fürstlich Hohenberg ' schen Familie ! Nur das Wohlwollen schien ihnen befremdlich , das er ihnen Allen nicht entzog . War es der junge Fürst , so hatten sie Alle das Gefühl , daß er ihnen Etwas schenkte , worauf sie kaum Ansprüche machen durften . Und war er freundlich , ihrer finanziellen Ansprüche wegen , so lag darin Etwas , was ihn wieder geringer erscheinen ließ , als seiner Art zu entsprechen schien . Herr von Reichmeyer faßte ihn schon gering . Er nahm oft Gelegenheit , seine Unzufriedenheit mit Vielem auszusprechen , was sich ihm auf der Reise durch die Herrschaften des Fürsten zur Anerkennung oder Rüge darbot , und machte sich in der ganzen vollen Bedeutung geltend , die er dem bedrängten Erben haben mußte . Dankmar , unbekümmert , genoß nur den Augenblick . Er ließ ihn nur noch von Melanie erfüllen . Sie hatte ihm gesagt , daß sie den Intendanten auf dem Heidekruge einholen würden und daß bis morgen das Bild in seinen Händen sein würde .... Mehr bedurfte es nicht ... Er ließ Alles geschehen um des Bildes und um des süßen Abenteuers willen . In vollem Zuge genoß er das Glück des stillen Einverständnisses mit einem reizenden Weibe . Beseligt empfand er die Macht eines einzigen jener Blicke , die aus Melanie ' s dunkeln , liebeverheißenden Augen ihn für tausenderlei gleichgültiges Geplauder , Forschen , Blinzeln , Moquiren entschädigen sollten . Konnte ihm denn entgehen , daß Melanie nur seinetwegen so muthig auf ihrem Rosse aushielt , daß sie nur seinetwegen mit den Leuten am Wege scherzte ? Zwar gab sie sich die Miene , von einer brennenden Sehnsucht nach dem Intendanten verzehrt zu werden . Sie fragte Jeden , ob sie nicht den schönen Mann in dem eleganten Reisewagen hinter der großen Thierbude gesehen hätten und da durch diese Örter noch der Transport des Mobiliars bei Nacht geschehen war , so stellte sie sich untröstlich , von Niemanden Auskunft zu erhalten .... Hier hat er geschlummert , rief sie , hier haben seine kleinen Ohren sich in die Kissen seines Wagens gedrückt ! Hier über diesen Stein rollten vielleicht die Räder seines Landaus und weckten ihn aus einem Traume , wo ich vielleicht eben vor ihm niederkniete und ihm sagte : Einziger ! Nur du ! Nur du ! Und wenn die Leute über eine gefahrene Thierbude , von der sie sprach , erstaunten , hier und da wol auch Jemand von dem ungeheueren Wagen gehört hatte , so sagte sie Andern wieder , es wäre eine Hütte , die ihr Geliebter mit sich führe , dieselbe Hütte , wo er sie zum ersten male gesehen und die er deshalb mit in sein Schloß nähme , um sie unter eine Glasbedeckung zu stellen .... Mit solchen Scherzen vergingen die ersten Stunden des Morgens , bis man sich am Gelben Hirsche sammelte und dort ein Frühstück einzunehmen beschloß . Comfortables Geschirr und feine Küche hatte man bei sich . Eier und Butter gab die Wirthschaft , die von dem Bruder der hier nicht gern verweilenden Wirthschaftsräthin geführt wurde . Zu verwandtschaftlichen Begrüßungen blieb hier nicht viel Zeit ; denn die so außerordentlich zahlreiche Gesellschaft drängte und setzte alle Hände des Wirthshauses in Bewegung . Der Bruder der Frau Pfannenstiel war wiederum nicht zugegen . Man sagte ihr , sie könnte ihm vielleicht noch begegnen ; er wäre in Helldorf , wo die angesehenen Eigenthümer der Gegend sich zu einer Wahlbesprechung unter dem Vorsitz des Heidekrügers Justus versammelt hätten . Die Wirthschaftsräthin wußte , daß ihr Bruder stark Politik trieb und war froh , daß sie sein drittes Wort nicht hörte : Schwester , thu ' Etwas für mich ! Ich habe ein halbes Dutzend Kinder .... Diese Kinder schmiegten sich denn auch , während die Mutter von der Verlegenheit über soviel Gäste fast überwältigt war , an die Tante , bekamen aber wenig andere Zärtlichkeit von ihr erwidert , als daß sie sich das Zerdrücken und Beschmutzen ihres seidenen Kleides verbat . Sie würde ihnen gern , sagte sie , von den Leckerbissen der Wagenvorräthe abgegeben haben , wenn sie nicht dann jene Beschädigung hätte fürchten müssen .... Lenchen lächelte dazu fein , ungläubig und betrachtete sie kaum .... Was ist Blutsverwandtschaft , wenn sie nicht durch den ebenbürtigen Geist vermittelt wird ! Unter einem Apfelbaum hinterm Hause nahm die Gesellschaft Platz und breitete ihre Vorräthe aus , während die Dienerschaft auf Käse und Butter aus der Wirthsküche und eine schnelle Revision aller Hühnernester angewiesen war . Frau von Reichmeyer vertheilte Teller , Servietten , Gläser , putzte und reinigte , was ihr nicht sauber schien , während die Justizräthin mit gutmüthigen Entschuldigungen ihre scharfe Kritik wieder kritisirte und Alles zum Besten zu kehren trachtete . So heiter man schien , so entging es Dankmarn doch nicht , daß er anfing die Gesellschaft zu drücken . Seine Anwesenheit belästigte wol nicht , im Gegentheil mußte sie Allen , selbst Lasally , der oft von seiner Anklage gegen Hackert sprach , interessant erscheinen ; allein der Hinblick auf ihn wurde doch ein befangener . Bartusch hatte sich entschließen müssen , Schlurck ' s Brief mitzutheilen . Er ging heimlich von Einem zum Andern . Man las , man verglich , man zweifelte und glaubte , jenachdem Dankmar in der Laune war , die geheimen Zeichen des Zweifels und des Glaubens , deren Gründe er wol errieth , durch sein Benehmen zu unterstützen oder zu widerlegen . Hätt ' er nicht immer noch annehmen müssen , diese doch hochstrebende , von der großen Gesellschaft verwöhnte Melanie gäbe sich seinen Planen vielleicht doch wol nur hin , weil sie in ihm die Eroberung eines