dies in mehreren weit verbreiteten Zeitungen bekannt . Dies geschah um jene Zeit , wo die Grafen von Boberstein und namentlich Adrian mit dem Plane umgingen , in Hamburg , als dem ersten Stapelplatz des norddeutschen Handels , ein eignes Handelshaus zu gründen , um mittelst desselben die Erzeugnisse ihrer Spinnerei mit größerem Gewinn wieder umsetzen zu können . Adrian zog genaue Erkundigungen über die Verhältnisse der Firma Oehlers ein , fand dieselben seinen Wünschen vollkommen entsprechend und machte der Wittwe den Vorschlag , das Geschäft käuflich an sich zu bringen . Man einigte sich in Kurzem über den Kaufpreis , über die Zahlungstermine und was sonst noch bei derartigen Veräußerungen festzustellen und zu berücksichtigen ist . Madame Oehlers war froh , eine große Sorge los zu sein , Adrian hatte unter verhältnißmäßig billigen Bedingungen ein in der großen Handelswelt accreditirtes Geschäft erhalten und konnte nunmehr mit bedeutendem Gewicht an der Börse erscheinen . Ein Geschäftsführer , wie er ihn wünschte , war ebenfalls bald gefunden und somit die Angelegenheiten zweier Familien zu beiderseitiger Zufriedenheit geregelt . Durch das Hin und Wider während der Geschäftsunterhandlungen hatte sich im Verkehr zwischen den Gebrüdern Boberstein oder , wie sie als speculirende Handelsherren sich consequent nannten , am Stein und der Familie Oehlers ein freundschaftliches , auf gegenseitige Achtung gegründetes Verhältniß ausgebildet . Als späterhin Aurel von England herüber kam , um als Rheder festen Fuß in Hamburg zu fassen , öffnete Madame Oehlers dem lebenslustigen Manne ihr gastfreies Haus . Clara , hübsch , jung und aufgeweckten Geistes , eine Meisterin auf dem Fortepiano , das sie leidenschaftlich gern spielte , war für Aurel ein fesselnder Magnet , wenn er auch keine ernstlichen Absichten auf das junge Mädchen hatte , was die Mutter laut , die Tochter vielleicht im Stillen wünschte . Die Flatterhaftigkeit des jungen Kapitäns und sein Hang zu sinnlichen Ausschweifungen konnte den Frauen zwar nicht gar lange verborgen bleiben , allein es störte derselbe doch in keiner Weise den freundschaftlichen Verkehr unter einander . Clara ärgerte sich freilich , so oft ihr wieder ein neuer toller Streich des in der Stadt umher schwärmenden Kapitäns zu Ohren kam , persönlich aber ward er ihr dadurch nur interessanter . Sie war nie freundlicher , zuvorkommender , liebenswürdiger , als wenn sie Aurel recht viele Jugendsünden zu vergeben hatte , und Aurel konnte wieder nie zarter dem jungen Mädchen begegnen , als nach wild durchtobten Nächten . An ein Verhältniß mit Clara oder gar an eine Heirath mit ihr dachte er nicht . Das hatte bei ihm noch lange Zeit ; zuvor wollte er auf die lustigste und mannichfaltigste Weise sein Leben genießen . - Clara hatte eben die singende Theemaschine auf den zierlichen Kohlenhalter gesetzt , um für sich und die Mutter das Frühstück zu bereiten , als der Bediente einen Brief überbrachte . Es war das Billet Aurels . Die Wittwe erbrach es und durchlas mit einigem Staunen die wenigen Zeilen . Sie las sie zwei- und dreimal und legte sie dann kopfschüttelnd neben sich auf ' s Sopha . » Von Aurel ? « fragte Clara neugierig , denn ihr scharfes Auge hatte das Wappen erkannt . » Von unserm abenteuerlustigen Kapitän , « erwiederte die Mutter mit ironischem Lächeln . » Der muntere Herr , scheint es , wird mit jedem Tage ausgelassener , ja kennte ich nicht bereits zur Genüge seine excentrischen barocken Einfälle , so würde ich das , was er mir in diesen Zeilen meldet , gradezu für eine Mystification halten . « » Ja was gibt es denn ? « fragte mit schlechtverhehltem Aerger die Tochter , indem ihre vollen runden Wangen im Feuer der Eifersucht erglühten . » Hat Aurel einen dummen Streich gemacht ? « » Das wag ' ich gegenwärtig noch nicht zu entscheiden , liebe Tochter . Höre , was mir der tolle Mensch schreibt . « Madame Oehlers nahm den Brief wieder auf und las : » Meine verehrteste Freundin ! Wenn Sie beim Lustwandeln irgendwo eine zarte Blume von wunderbarer Farbenpracht und süßem Duft gewahren , die eine frevelnde Hand absichtlich zerstören will , nicht wahr , dann schirmen Sie das bezaubernde Gewächs gegen boshafte Gewalt und bergen sie an Ihrem Busen ? Ich habe durch Zufall heut Abend eine solche Blume gefunden , ein junges Mädchen , weiß , zart , schlank , wie die Lilien in Ihrem Garten , bescheiden , wie ein Veilchen , sanft , gut und schuldlos , wie jedes unverdorbene Frauenherz . Dieses schöne , verlassene Mädchen entriß ich den Händen eines Wüthrichs , der ihr Vater zu sein vorgibt . Sie warf sich mit Freudenthränen vor mir nieder und wollte gar nicht mehr von mir lassen . Was war da zu thun ? Ich versprach dem lieblichen Kinde Schutz und Pflege , aber in meine Kammer kann ich sie doch nicht nehmen ! - Da dachte ich an Sie , meine treffliche Freundin , an Ihre Güte , Ihre sinnige Tiefe , Ihren schönen wohlthuenden Gleichmuth ! Ich dachte auch an die gute liebe Clara und ihre Engelsstimme . Nicht wahr , Sie Beide , Mutter und Tochter , Sie können mir nicht abschlagen , bei einem verlassenen Mädchen so lange Mutter- und Schwesterstelle zu vertreten , bis - ja wie lange denn ! Gott mag es wissen ! Genug , machen Sie sich morgen vor Mittag auf einen Besuch gefaßt , der Sie überraschen wird , und vergeben Sie im voraus für solche Ueberrumpelung und Erweiterung Ihres Familienkreises Ihrem unermüdlichen Kreuzer Aurel . « » Was hältst Du davon , meine Tochter ? « Clara war noch weit ärgerlicher geworden . Sie kniff recht bitterböse den kleinen Mund zusammen und sagte , noch tiefer erröthend : » Ich finde das Verlangen des Herrn Kapitäns über Gebühr ungezogen . Uns ein stockfremdes , vielleicht gar gemeines Mädchen aus freien Stücken ins Haus zu schicken ! Manchmal scheint es wirklich , als leide der gute Mann an Verstandesschwäche . « » Verdamme