ihm als Hausfrau alles obliege , wie es dieses und jenes machen wolle , daß es am besten komme , konnte aus vollem Herzen seufzen , ob es wohl der Aufgabe gewachsen sei , konnte mit nassen Augen Gott bitten um seinen Beistand und seine Hülfe , seinem schweren Amte getreulich vorzustehen und Uli glücklich zu machen . Von diesem allem sieht man am Morgen nichts mehr , der feuchte Glanz in den Augen scheint von dem Rauch in der Küche zu kommen . Es fährt herum wie auf Rädern und trällert seine Liedchen wie ein harmlos Rotkehlchen , und wo es Uli erwischen kann , möchte es mit ihm spassen , ihn necken . Hinter dem Tändeln aber sitzt der ernste , innige Gedanke , Uli glücklich machen zu wollen , und wenn es leichtsinnig mit ihm zu schätzeln scheint , so ist es nur , um einen Augenblick seinen Kopf an Ulis Brust legen , sich seines Glückes reche bewußt werden zu können , eine Seele zu besitzen , ein vernünftig Wesen sein nennen zu können . » Du bist mir auch das leichtsinnigste Geschöpf von der Welt , « sagte die Base oft . » Wo ich habe Hochzeit halten sollen , da habe ich manchmal ganze Tage lang pläret , und wenn mich Joggeli hat anrühren wollen , daß es die Leute gesehen , so bin ich zur Türe aus gelaufen , und kein Mensch hätte mich wieder hineingebracht . Ich weiß nicht , wie das gehen soll . « Und wirklich schüttelte sie manchmal bei sich selbst den Kopf und dachte , sie verstehe sich nicht mehr auf die heutigen Meitschi , aber wenn das so fortgehe , so komme das nicht gut . Vreneli falle nicht gut aus , und Uli sei mit ihm geschlagen , mit dr Narre Trybe werche man keinen Hof . Diesen geheimen Kummer vermehrte Joggeli noch , der ihr alle Tage sagte : » Du kannst sehen , wie das kömmt ; das geht nicht ein Jahr , so sind sie am Haufen . Aber ich vermag mich dessen nichts , ich habe es genug gesagt , es komme nicht gut . Aber man glaubt mir nichts , man hat mir nie geglaubt , darum ist auch alles so gekommen . Ich habe es mit dem Elisi von Anfang an gesagt , aber es wollte mich damals niemand hören . « So rückte in banger Stimmung die Zeit heran , wo Uli das Lehen übernehmen sollte , das ihm das Zutrauen um seiner Anstelligkeit und Treue willen übertrug . Vorher sollte er mit Vreneli Hochzeit halten . Schon seit dem Neujahr war davon die Rede gewesen , aber das Meitschi hatte immer Gründe zum Aufschub . Bald hatte es nicht Zeit gehabt , recht daran zu sinnen , bald hatte es eben daran gesinnet und gefunden , es sei besser , noch einen Sonntag oder zwei zu warten . Dann sagte es , es wolle vom Hochzeit gleich als Meisterfrau eintreten und nicht erst noch Magd sein , oder der Schuhmacher hätte seine Sonntagsschuhe , in den Holzböden könne es doch nicht wohl zum Pfarrer gehen , das Hochzeit anzugeben . So strich ein Sonntag nach dem andern vorbei . Da saß an einem stürmischen Sonntagsnachmittag die Base hinter dem Tisch und sagte : » Vreneli , gib mir doch die Brattig , sie hanget dort auf . « Sie blätterte darin , weit von den Augen sie haltend , zählte mit dem dicken Finger die Wochen , zählte wieder und schrie endlich : » Weißt du , daß es bis zum fünfzehnten Merz , wo ihr das Leben antreten müßt , nur noch fünf Wochen sind ? Du wüests Meitli hast die Sache bis dahin verdreht ! Auf der Stelle geht mir jetzt und gebt mir das Hochzeit an ! Das ist mir eine schöne Geschichte ! Jawolle ! « Vreneli wollte es nicht glauben , zählte nach , fand es endlich noch eine Woche zu früh und meinte , wenn sie nur einen Tag oder zwei vor dem Fünfzehnten Hochzeit hielten , so wäre es lange früh genug . Aber davon wollte die Base nichts hören . Uli schlug sich auf ihre Seite , und wenn schon nicht selben Sonntag , so sollte doch in selber Woche das Hochzeit beim Pfarrer zu Üfligen angegeben und derselbe ersucht werden , in Beider Heimat zu schreiben , damit es auch dort verkündet werde . Am Montag hatte aber Vreneli seine Schuhe noch nicht vom Schuhmacher , am Dienstag schien ihm der Mond zu heiter . Alle Leute würden es ja kennen durchs Dorf ab , sagte es . Am Mittwochen war das Zeichen ihm nicht gut genug , auch sei der Mittwochen ja eigentlich kein Tag , behauptete es . Es stehe an diesem Tag ja kein Jungfräulein ein , und sei das Hochzeitangeben noch wichtiger , als einen Dienst anzutreten , wo man ja das ganze Jahr daraus könne , wann man wolle . Endlich am Donnstag gingen alle mit Ernst hinter ihns und sagten ihm , das sei kreuzdumm getan . Es hätte sich der Sache doch nicht zu schämen und einmal müsse es sein , gäb es geschehe einen Tag früher oder später , und es sollte froh sein , wenn es einmal geschehen sei . Glücklicherweise hatte der Schuhmacher die Schuhe gebracht , und der liebe Gott sandte ein gräßliches Schneegestöber , daß kein Mensch mit offenen Augen ein Dutzend Schritte gehen konnte , und eine Nacht legte sich zwischen Himmel und Erde , wie keine noch so dick und schwarz gewesen war . Als es nun so recht strub machte , Schnee und Riesel an die Fenster prätschten , fingershoch an den Rahmen hingen , der Wind schaurig durch das Dach pfiff , die Nacht dick und finster zu den Fenstern ein kam , das Lämpchen selbst sich ihrer kaum erwehren mochte , die Katzen schaudernd die Feuerplatte suchten , der Hund an der