wenn der Mond mich anhaucht da oben in den Nächten , und die Luft spielt um mich , dann fühl ich den Dichter über mir , der um Gedeihen für mich fleht zu ihnen , und gibt die vollschwellende Träne hinzu . Nur den Zwillingsbeeren , die frisch und kindlich zu ihm aufstreben , keinem andern schenkt er der ewig belebenden Liebe Tau , so kann ich ja nichts anders sein wollen als die herbe Traube , die milde reift von seinen Feuertränen ; ich hab mir ' s einmal so gesagt und sage mich nicht davon los , wie es auch mein inneres Sein ausspricht und mein Schicksal unter den Menschen . Es ist ein großer Unterschied zwischen den Geistern der Poesie . Manches ist die Natur selbst , die mit deutlichen sinnlichen Worten mich anredet , manches ist vom Genius nach allen Richtungen geprüfter Geist , der in der Unsterblichkeit einfachem Stil die Seele beruft , daß sie den Göttern den Herd weihe und nur immer des Göttlichen gedenke - der Genius bleibend werd ein ihr - in großen Gestalten heilig kühner Gedanken . Und so sind viele Bewegungen im Geist gar verschieden , als könne die Poesie die Seelen rühren wie Saiten , die erbrausen im Feuer , - und wieder still und schüchtern aufblühen wie Keime , die sich umsehen im Lebenslicht , neu geboren , nicht begreifend dies Leben , aber zum Leben vereint . Wenn ich Dir dies sagen könnt , was mich ohnmächtig macht , daß ich schüchtern werd und mich wehre gegen den Eindruck , als müsse ich ihm mein Ohr versagen , und ihm doch heimlich lausche , weil ' s mich hinreißt , und weiß nicht , ob ' s der Klang ist oder der Inhalt , und wie beide wechselnd mich bewältigen und wie ich - ja ich will Dir ' s sagen : - ein göttlich persönlicher Geist dringt auf mich ein , den ich lieben will , lieben muß im Gedicht , daß ich herzzerrissen bin von großer Wehmut . - Nein mehr ! - Tiefer geht ' s : - daß ich ausbrechen muß in ein schmerzlich Ach . - Und wenn ich ' s nicht fühlte , dies Geistige , Persönliche in der Dichtung - über mir schwebend , wie beglückt über seinen Triumph , ich glaub , ich müßte wie wahnsinnig ihm nachirren - aufsuchen und nicht finden - und wiederkommen und mich besinnen und vergehen dran ; und das ist der Goethe , der so wie Blitze in mich schleudert und wieder heilend mich anblickt , als tuen ihm meine Schmerzen leid , und hüllt meine Seele in weiche Windeln wieder , aus denen sie sich losgerissen , daß sie sich Ruhe erschlummere und wachse , schlummernd - im Nachtglanz , in der Sonne ; und die Luft , die mich wiegt , denen vertraut er mich , und ich mag mich nicht anders mehr empfinden zu ihm als in diesem Gedicht , das ist meine Wiege , wo ich mich seiner Teilnahme , seiner Sorge nah fühle und seine Tränen der Liebe auffang und mich wachsend fühle . - Du hast gesagt , wir wollen ihn sehen den Großen , Wolkenteilenden , Ätherdurchglänzenden , und ich hab gesagt , ja wir wollen ihn sehen ! - Aber wie ich ' s gesagt hatte , aus Liebe und Mitfühlen mit Dir , da wurd ich eifersüchtig und weinte zu Haus in der Einsamkeit bittere Tränen , weil ich ' s gesagt hatte : wir wollen ihn sehen ! - Und das kommt daher , weil er so lange schon mächtig mir die Seele besaitet hat und dann hineingreift , sturmaufregend , und mich sanft wieder einlullt wie ein Kind , - und ich bin gern das Kind , auf dem sein Blick befriedigt weilt . Und wär ich nicht genährt von der Natur und wie es aus tiefster Brust ihm hervorquillt ! - wie könnt ich sein , wie ich bin ? - Und weiter will ich doch nichts sein . Und ich weiß gewiß , und nicht alle sind geeignet wie ich , daß der Geist persönlich aus der Dichtung hervor über mir walte und mich reife in seiner geheimsten Seelentiefe vollschwellendem Übermaß . Aber sag Du ! Wie könnt ich atmen und ruhen und keimen , wär ' s nicht in jener Wiege seines Gefühls , im Gedicht ? Und nicht wahr , ich lieg wohl gebettet und kannst mir ' s nicht süßer wünschen ? Ja , Du verstehst es , wie ich ' s meine ; in den Manen hab ich mich zurecht gefunden in Dir , daß Du alles verstehst , und viel tiefer ! - Denn ich empfinde nur , was Deines Geistes Spur Dir lehrt , Du aber weißt alles . Du sagst selbst , wo kein Wunsch uns hinzieht , das ist für uns verloren , und man hält wohl für unmöglich , was nur des Begehrens bedürfte , um wirklich zu sein , und seit Du es mir gesagt hast - und Du sagst , Harmonie der Kräfte ist Verbindung - so hab ich mir ' s denn getraut , weil ich ihn liebe , so nehm ich alles willig hin , Schmerz und Entzücken ; - denn es ist immerdar Entzücken , ihn empfinden ! - Denn er schenkt mir ' s ihn zu fühlen , wie er aus seiner Dichtung Blüte mich anhaucht , das will er , das beglückt ihn , - daß ich erschüttert bin , das begeistert den Dichtergeist , und andre kennen nur die verschloßne Knospe , mir aber öffnet sich die Blüte , und das nimmt mich weg ! - Drum bin ich ihm allein und er mir allein ! - - Und die ganze Welt mag sich seiner teilhaftig meinen , ich weiß , daß es anders ist , und muß drauf beharren , denn sonst verzehrt mich die Eifersucht . - Und Du hast gesagt