Gefühl gegen die Marschallin , was ihr sagte : sie ist doch Mutter ! Souvré stand sogleich vor ihnen . » Willkommen , Marquis ! « sagte die Marschallin . » Wie verließen Sie meinen Sohn ? « » Auf dem Wege , zu den Füßen seiner schönen Braut seine Genesung abzuwarten , « erwiederte der Marquis , beide Damen begrüßend . » Doch verließ ich das Terrain in dem Augenblick , als der Marschall seine Position dort nahm . Einer solchen bewaffneten Macht gegenüber , nehme ich gern sogleich meinen Rückzug - denn er bleibt stets Sieger - wovon Euer Gnaden auch wohl im Voraus überzeugt waren . « » Der Marschall hat stets den liebenswürdigen Ungestüm eines Jünglings , « lächelte die Marschallin - aber ihr Auge lag noch immer durchbohrend auf Souvré , der , seine Ueberlegenheit fühlend , auch nicht durch die kleinste Aeußerung verrieth , was sie so sehr zu wissen wünschte . » Belehren Sie mich , ob ich recht hörte , ist dies ein Abschiedsfest ? « - fragte er , sich zu Victorinen wendend - » muß Leonin in Wahrheit zu spät kommen , sich in dem Glanze des Hofes mit seinem unermeßlichen Glücke brüsten zu können ? « » Ihre Majestät werden von morgen an ihre Andacht bei den Carmeliterinnen halten und dann nur noch kleinen Zirkel in ihren Privat-Apartements empfangen , « erwiederte Victorine . » Ach , « sagte Souvré , » ich lebe auf ! So hoffe ich , werden wir auch dort noch im kleinen Zirkel mindestens einiger hundert Personen , das Vermählungsfest meines glücklichen Vetters und seiner schönen Braut erleben ! « » Lassen wir das ! « rief Victorine stolz und gereizt . » Soll ich Ihnen etwa die Feierlichkeiten dabei vorzählen , damit sie Ihre verschiedenen Hofkleider ausstauben lassen ? Ich passe nicht zum Referiren und setze immer den Takt voraus , es zu fühlen , ehe ich es selbst andeuten muß . « » Allerliebst ! « lachte Souvré - » also das hat die Liebe noch nicht bewirkt ! So nah ' an dem gehorsamsten , demüthigsten Zustande - ich meine die Ehe , « setzte er sich verbeugend hinzu - » und doch so wild , so gereizt , wie eben aus dem Kloster entkommen ? Schöne Viktorine , ich warne Sie - lenken Sie ein ! Leonin ist nur anscheinend ein schwermüthiger Schäfer , innerlich und wo es gilt , ein reißender Löwe ! « Die Marschallin horchte auf . Dies schien ihr der erste Wink . Doch Souvré blickte nur Victorinen herausfordernd an - er schien jene vergessen zu haben . » Erlauben Euer Gnaden , daß ich mich beurlaube ! « sagte Victorine , sich tief vor der Marschallin verneigend . » Die vortrefflichen Manieren des Herrn Marquis zwingen hier eine Frau , die Flucht zu ergreifen . « » Fliehen Sie Ihren Sieger ? « rief Souvré - » Sie haben nun einmal Ihre Stellung in der Welt verloren . Ein Mal besiegt , erleben Sie nichts mehr , als Niederlagen ! Ich , Ihr ältester Freund und Verehrer , mußte doch daran meinen Antheil haben ! « Victorine rollte achselzuckend ihren Fächer vor ihm auf und verschwand in dem Nebensaale . Eben wandte die Marschallin sich zu dem Marquis , entschlossen , ihn zur Sprache zu bringen , da eilte Souvré , die Herzogin von Bellefond zu begrüßen , die ihren großen Reinigungszug , wie die Hofleute ihn nannten , wobei sie jeden Fehler der Etikette rügte , durch den Saal hielt . » Soll ich Ihnen helfen , meine Beschützerin - meine Wohlthäterin ? « rief Souvré . » Wie Noth thut sicher hier Ihre glanzvolle Herrschaft im Reiche der Etikette , wo die gute Stadt Paris mit ihren breiten Manieren dem Hermeline des Königsmantels etwas sehr nahe getreten ist . Die Luft ist davon noch etwas verdorben , wie ich spüre ! « » Ach , Marquis , Marquis , « erwiederte Madame de Bellefonds , mit so heiserer Stimme , daß ihre Rede dem dumpfen Gebrumme eines zornigen Bären glich - » das fürchte ich nicht zum zweiten Male zu erleben ! Denken Sie ! den ganzen Tag auf der Straße ! Ihre Majestät die Königin sehen zu müssen , wie diese Populace sich zu ihr drängte - Anreden gestatten zu müssen auf offner Straße , ohne nur die Namen dieser Geschöpfe zu kennen , viel weniger ihren Adelsgehalt - ja , am Ende lieber Nichts von ihnen wissen zu wollen ; da doch nur zu erfahren stand , daß sie aus der Hefe wären . Alle unter dem einen Hute sich bergend , als Bürger von Paris ! Bürger von Paris , Marquis ! Ich hätte weinen können über den Wahnsinn , der sie glauben ließ , durch diesen Titel zu dem Benehmen gegen Ihre Majestät berechtigt zu sein ! Und dann die Humanitätsideen der hohen Herrschaften ! Niemand , den man in seine Schranken verweisen durfte , wodurch dem Volke der Muth wuchs bis zur Raserei ! Können Sie denken , daß davon die Rede war , einige von den Deputirten der Stadt heute Abend einzuladen ? So daß denn also kein einziger Platz rein geblieben wäre ! Aber ich drohte meinen weißen Stab in Stücken zerbrechen zu wollen , wenn man diesen Plan ausführe , und da unterblieb es , trotz dem , daß der Marquis Fenelon , dieser sogenannte große Geist , mich fragte : ob ich dächte , daß diese Herren Deputirten , die ein Paar Millionen kommandirten , weniger Bildung hätten , als meine Herzöge und Grafen ? « » Nun in Wahrheit , « lachte Souvré - » diese rasende Behauptung hätte Euer Gnaden tödten können ! « » Fast Marquis , fast war es so weit ! Und Ihr hört es an meiner Stimme , es ist mir Alles auf die Brust gefallen . Es war meine letzte Anstrengung , und in der Antwort ,