Und schmiegt sich rund zum zärtlichsten Gedichte . Wenn ich den Blick nun zu den Bergen richte , Die duftig meiner Liebe Tal umhegen - O Herz , was hilft dein Wiegen und dein Wägen , Daß all der Wonne herber Streit sich schlichte ! Du , Liebe , hilf den süßen Zauber lösen , Womit Natur in meinem Innern wühlet ! Und du , o Frühling , hilf die Liebe beugen ! Lisch aus , o Tag ! Laß mich in Nacht genesen ! Indes ihr , sanften Sterne , göttlich kühlet , Will ich zum Abgrund der Betrachtung steigen . * Wahr ist ' s , mein Kind , wo ich bei dir nicht bin Geleitet Sehnsucht alle meine Wege , Zu Berg und Wald , durch einsame Gehege Treibt mich ein irrer , ungeduldger Sinn . In deinem Arm ! o seliger Gewinn ! Doch wird auch hier die alte Wehmut rege , Ich schwindle trunken auf dem Himmelsstege , Die Gegenwart flieht taumelnd vor mir hin . So denk ich oft : dies schnell bewegte Herz , Vom Überglück der Liebe stets beklommen , Wird wohl auf Erden nie zur Ruhe kommen ; Im ewgen Lichte löst sich jeder Schmerz , Und all die schwülen Leidenschaften fließen Wie ros ' ge Wolken , träumend , uns zu Füßen . * Wenn ich , von deinem Anschaun tief gestillt , Mich stumm an deinem heilgen Wert vergnüge , Da hör ich oft die leisen Atemzüge Des Engels , welcher sich in dir verhüllt . Und ein erstaunt , ein selig Lächeln quillt Auf meinen Mund , ob mich kein Traum betrüge , Daß nun in dir , zu himmlischer Genüge , Mein kühnster Wunsch , mein einzger , sich erfüllt . Von Tiefe dann zu Tiefen stürzt mein Sinn , Ich höre aus der Gottheit nächtger Ferne Die Quellen des Geschicks melodisch rauschen ; Betäubt kehr ich den Blick nach oben hin , Zum Himmel auf - da lächeln alle Sterne ! Ich kniee , ihrem Lichtgesang zu lauschen . * Schön prangt im Silbertau die junge Rose , Den ihr der Morgen in den Busen rollte , Sie blüht , als ob sie nie verblühen sollte , Sie ahnet nichts vom letzten Blumenlose . Der Adler strebt hinan ins Grenzenlose , Sein Auge trinkt sich voll von sprühndem Golde , Er ist der Tor nicht , daß er fragen wollte , Ob er das Haupt nicht an die Wölbung stoße . Mag einst der Jugend Blume uns verbleichen , So war die Täuschung doch so himmlisch süße , Wir wollen ihr vorzeitig nicht entsagen . Und unsre Liebe muß dem Adler gleichen : Ob alles , was die Welt gab , uns verließe - Die Liebe darf den Flug ins Ewge wagen . * Am Waldsaum kann ich lange Nachmittage , Dem Kuckuck horchend , in dem Grase liegen , Er scheint das Tal gemächlich einzuwiegen Im friedevollen Gleichklang seiner Klage . Da ist mir wohl ; und meine schlimmste Plage , Den Fratzen der Gesellschaft mich zu fügen , Hier wird sie mich doch endlich nicht bekriegen , Wo ich auf eigne Weise mich behage . Und wenn die feinen Leute nur erst dächten Wie schön Poeten ihre Zeit verschwenden , Sie würden mich zuletzt noch gar beneiden . Denn des Sonetts vielfältge Kränze flechten Sich wie von selber unter meinen Händen , Indes die Augen in der Ferne weiden . In der Karwoche O Woche , Zeugin heiliger Beschwerde ! Du stimmst so ernst zu dieser Frühlingswonne , Und breitest im verjüngten Strahl der Sonne Des Kreuzes dunklen Schatten auf die Erde . Du hängest schweigend deine Flöre nieder , Der Frühling darf indessen immer keimen , Das Veilchen duftet unter Blütenbäumen , Und alle Vöglein singen Jubellieder . O schweigt , ihr Vöglein hoch im Himmelblauen ! Es tönen rings die dumpfen Glockenklänge , Die Engel singen leise Grabgesänge , O schweiget , Vöglein auf den grünen Auen ! Ihr Veilchen , kränzt heut keine Lockenhaare ! Euch pflückt mein frommes Kind zum dunkeln Strauße , Ihr wandert mit zum stillen Gotteshause , Dort sollt ihr welken auf des Herrn Altare . Wird sie sich dann in Andachtslust versenken , Und sehnsuchtsvoll in süße Liebesmassen Den Himmel und die Welt zusammenfassen So soll sie mein - auch mein ! dabei gedenken . * Agnes war inzwischen mit Henni spazierengegangen . Sie führte ihn ins freie Feld hinaus , ohne recht zu sagen , wohin es ginge , ein nicht seltener Fall , wo ihr jedesmal eine dritte zuverlässige Person unbemerkt in einiger Entfernung hinten nachzufolgen pflegte . Agnes brachte seit einiger Zeit die schöne Sammetjacke , das Geschenk ihres vermeintlichen Liebhabers , kaum mehr vom Leibe ; so trug sie dieselbe auch jetzt , und sah trotz einiger Nachlässigkeit im Anzug sehr reizend darin aus . Unter ordentlichen Gesprächen gelangten beide zu dem nächsten Wäldchen und in der Mitte desselben auf einen breiten Rasenplatz , worauf eine große Eiche einzeln stand , die einen offenen Brunnen sehr malerisch beschattete . Agnes hatte von diesem Brunnen , als von einer bekannten Merkwürdigkeit , gelegentlich erzählen gehört . Es ist dies wirklich ein sehenswertes Überbleibsel aus dem höchsten Altertum und äußerlich noch wohlerhalten . Die runde Mauer ragt etwa eine halbe Mannshöhe über den Erdboden vor , die Tiefe , obgleich zum Teil verschüttet , ist noch immer beträchtlich , man konnte mit mäßiger Schnelle auf sechszehn zählen , eh der hineingeworfene Stein unten auf dem Wasser aufschlug . Sein Name » Alexis-Brunn « bezog sich auf eine Legende . Agnes verlangte die Sage ausführlich von Henni zu hören , und er erzählte wie folgt . » Vor vielen hundert Jahren , eh noch das Christentum in deutschen Landen verbreitet gewesen , lebte ein Graf , der besaß eine Tochter , Belsore , die hatte er eines Herzogs Sohn , mit Namen Alexis , zur Ehe versprochen . Diese liebten einander treulich und rein ;