er ja heute noch allein lebt . Ein Egoist ! was das gleich Worte sind ! Der Zehnte weiß nicht , was er dabei denkt ! - - - - Walter kommt nicht ! Könnte ich nur die fatale Unruhe los werden ! Glaubst Du nicht auch , daß der Mensch sehr vom Blute abhängt ? Ich spüre eine Beklemmung , ein Pochen in den Pulsen ! alle Gegenstände , die ich denke , stehen wie hinter einem dichten Flor . Je schärfer ich den Willen darauf richte , je deutlicher ich sehen möchte , desto dunkler ballen sich Schatten auf Schatten , zuletzt ist es völlig Nacht in mir . Auch sie ! Ihr Bild geht in dem dunkeln Gewoge unter . Heute wollte ich mir ' s zurückrufen , ich hatte eine ordentliche Unruhe darnach . Es plagte mich , daß die Erinnerung nicht weichen , und ich doch die Anschauung nicht festhalten konnte . Ich strebte , mir das Mondlicht , den Glanz , den es verbreitet , die Bäume , die bekannte Stelle , das sonderbare , kranke Wesen , jedes einzeln recht vorzustellen . Umsonst ! Immer das Hin- und Herbewegen vorüberfliegender Dunstberge . Es ist das Blut ! weiter nichts ! Ich sei abergläubisch , beschuldigtest Du mich einmal . Denkst Du , ich fürchte , die Erscheinung neulich Nachts bedeute mir etwas ? Ich sage Dir ja , ich erkannte die Fremde wieder . Was liegt da weiter für eine Bedeutung verborgen . Es ist mir bloß darum , zu wissen , wer sie ist ? Es wird wohl das Gescheuteste sein , daß ich Walter aufsuche . So hetzt Einer den Andern . Alle suchen ! Was werden wir finden ? Der Comthur an Sophie Ich war bei Ihnen , Liebe ! Sie sind in der Messe , sagte man mir . Ich wollte Ihnen sagen , was ich mich nun genöthigt sehe , Ihnen zu schreiben . Es ist mir leid . Sie hätten mich wohl beruhigt , und wären sich selbst dadurch klarer geworden , statt daß ich Ihnen nun alles Unangenehme so über den Hals schicken und es dem Himmel überlassen muß , wie Sie damit fertig werden . Sie brauchen in Ihren Muthmaßungen nicht weit zu gehen , um sogleich auf Hugo zu stoßen . Ich weiß wohl , daß Sie längst seinetwegen Besorgnisse hegten , ohne diese eingestehen zu wollen . Es konnte Ihnen , so wenig wie Elisen , die Spannung seines verstörten , unstäten Wesens entgehen . Er selbst glaubt sich krank . Der Arzt fand sein Blut aufgeregt , doch sonst keine Spur gestörter Gesundheit . Sein Kammerdiener Birkner sagte uns darauf , sein Herr bringe alle Nächte außer dem Bette , beim Schreibtisch , zu ; soviel er bemerkt , bleibe er indeß müßig vor demselben sitzen , halte die Feder in der Hand , sehe angestrengt bald auf dieses , bald auf jenes beschriebene Blatt , scheine aber nichts zu lesen . Wenn ihm endlich die Augen zufielen , dann fahre er in die Höhe , stürze aus Fenster , oder laufe auch hinunter in den Garten , von wo er häufig erst beim Anbruch des Tages mit allen Zeichen innerer Erschütterung zurückkomme . Dies nun , und Mehreres , was ich sonst noch im Hause erfuhr , bewies mir , daß etwas Fremdes , nicht in sein früheres Geschick Verflochtenes , ihn in unnatürliche Kämpfe verstrickt halte . Ich wollte dem auf die Spur kommen , deshalb ging ich zu ihm auf ' s Zimmer . Er mochte eine Ahndung meiner Absicht haben . Verschlossen , und mit einer Eisrinde überzogen , trat er mir entgegen . Wir hatten eine seltsame Unterredung , während welcher er in dem Maße zurückgezogener ward , als ich mich in meinem Eifer fortgerissen fühlte . So sagte ich zu viel und er zu wenig , was mich verdroß , weil ich ihn eigentlich stacheln und zu Eröffnungen zwingen wollte . Ich wäre zu weit gegangen , hätte ich mich nicht gefaßt , hätte ich nicht dem Verlaufe nachgedacht . Da konnte es denn nicht fehlen , daß mir Eins und das Andere in Hugo ' s Worten besonders auffiel , und ich eine fremde Härte , eine Sprödigkeit darin wahrnahm , die mich auf gänzliches Verlieren an einen neuen , ihn durchaus beherrschenden Gegenstand seines Herzens , oder seiner Phantasie schließen ließ . Ich erschrack , und warf ihm noch eine ernste Warnung ins Gewissen , ehe ich ging . Er that nichts , mich eines Bessern zu überzeugen . So stolz stand er mir niemals gegenüber . Ich war sehr geneigt , dies hochfahrende Benehmen auf Rechnung eines beunruhigten Gewissens zu schieben , und ward hierin bestärkt , als ich erfuhr , Hugo habe den schlauen Walter in geheimen Aufträgen versandt . Nehmen Sie hierzu , das Umherschweifen bei Nacht , rechnen Sie den plötzlichen Aufschub seiner Heirath , mit vielen andern Nebenumständen zusammen , und sagen Sie selbst , ob der Verdacht , daß eine neue Liebe , eine heimliche Verbindung ihn von Elisen abziehe , wie diese ihn früher von Emma abzog , etwas Undenkbares sei ? Aber wo den Gegenstand dieser finstern , unseligen Leidenschaft suchen ? Ich verlor mich in Muthmaßungen . Jetzt , Sophie ! ist der Graf seit zwei Tagen fort , mit Post abgereist , ohne vorhergegangene Anstalten , ohne hinterlassene Befehle , ohne irgend eine Maßregel , die auf besonnenen Entschluß deutet , und - kaum getraue ich mir ' s zu denken , geschweige denn auszusprechen . Doch auffallend muß es sein , daß auch die Fremde in unserer Nachbarschaft mit einemmale verschwunden ist . Ich wage keine bestimmte Beziehung hier festzustellen , allein - wenn es wäre , wenn Alles verabredet , wenn die Intrigue vollkommen zu machen , der Schein der Gemüthskrankheit eine Komödie wäre ? - Liebe ! ich überlasse Ihrem Scharfsinn das Uebrige . Was meinen Sie aber , daß wir