, die mit jedem Augenblicke lauter sich aussprach , wenigstens auf halbem Wege zu begegnen . Ich weiß was ich gesollt hätte ; ich fühlte recht gut , welche Erwiderung die rührende Anhänglichkeit dieser Menschen , wenn auch nur an meinem , durch die Zeit ihnen heilig gewordnen Namen , von mir fordern durfte , und doch fürchte ich , theure Gabriele , ich fürchte , ich habe mich nicht benommen wie ich sollte . Ich konnte es nicht , weder mich zu freuen , noch Freude zu heucheln vermag ich , und so kam es denn wohl nicht ohne mein Zuthun , daß das muntre Getöse um mich her allmählig verstummte . Alles begann nach und nach , sich mit scheuem Blick , mit unsicherm Verneigen aus meiner Nähe zurück zu ziehen und endlich sich zu zerstreuen , ehe noch völlige Dämmerung eintrat . Max hat recht ernstlich mein Benehmen getadelt ; ich stand beschämt vor ihm und wußte zuletzt nur körperliches Uebelbefinden zu meiner Entschuldigung anzuführen . Er meint es so gut , und obgleich er mich oft eigensinnig schilt , ist doch sein Herz voll Mitleid mit mir ; aber wie könnte er je Wunden schonend behandeln , deren Möglichkeit er nie begreifen wird . Ich bat ihn also nur , bei einem Feste , das ich allen meinen Unterthanen zu geben Willens bin , mich als Wirth zu vertreten . Dieß stellte die treue Seele völlig zufrieden , nur mußte ich ihm noch versprechen , dabei zu erscheinen , sey es auch nur auf wenige Minuten . Morgen also . Von Morgen an wird laute Freude drei Tage lang unten durch die weiten Hallen meiner Burg tosend dröhnen . Für mich hoffe ich indessen ein stilles Plätzchen zu finden , wohin kein Ton von dorther dringen kann , wo ich allein seyn mag mit meinen lieben Gedanken an ehemals , an Gabrielen . » Sie tanzen , sie singen , sie lachen ; wie das ferne Brausen des Meeres , tönt es selbst zu dem kleinen runden Eckthurm herüber , in welchen ich mich vor alle dem Lärmen geflüchtet habe . Ist das Freude ? Die ungebändigste Lustigkeit eines Bauerngelages , so wie die ausgesuchtesten Feste der vornehmen Welt , was sind sie im Grunde anders als Schlachtmusik , die der arme Mensch sich macht , um nur nicht zu sehen und zu hören , wie der vernichtende Arm der Zeit die Sichel führt . « » Schon beim ersten Eintritte in dieses Schloß kam alles so bekannt mir vor . Das altmodisch gestickte goldne Laubwerk auf den schweren rothsammtnen Gardinen meines Bettes , die vergoldeten Löwenköpfe , welche meinen Schreibtisch tragen , die hohen geschnitzten Stühle , die kolossalen unbeweglichen Tische . Mir war , als hätte ich vor langer Zeit das alles schon gesehen , und doch hatte ich dieses Schloß kaum jemals nennen gehört ; mein Vater besuchte es nie , so lange ich denken konnte , obgleich es unser Stammhaus ist . Von Unruhe getrieben , durchzog ich heute die lange Reihe unbewohnter Zimmer , die noch in ihrer alterthümlichen verbleichenden Pracht genau so wie schon vor hundert Jahren dastehen . Ein großer Saal am Ende derselben hielt mich endlich fest . Von seinen Wänden schienen die Bilder meiner Vorfahren aus ihren breiten kunstreich geschnitzten Rahmen auf mich , den letzten trüben Sohn ihres Stammes , mitleidig herabzublicken , und ich betrachtete sie der Reihe nach . Zuletzt stand ich beim Bilde meines Vaters still , sein trauriges Alter und die Tage meiner , nicht freudiger bei ihm verlebten Kindheit traten mir vor die Seele . Ich versank in immer tieferes Sinnen , so , daß ich über die Stimme des alten Kastellans wirklich zusammenfuhr , der , von mir unbemerkt hereingetreten war . Er ist ein alter fast kindischer Greis , der hier , wo er sein ganzes Leben hinbrachte , in spielender Geschäftigkeit den Tod erwartet . Mit der Redseligkeit des Alters begann er , mir die Geschichte aller Feste und großen Jagden , welche er zu meines Großvaters Zeiten hier erlebt hatte , herzuerzählen , bis ich , um ihn zu unterbrechen , nach einem Bilde fragte , von dessen Existenz der leere Raum neben dem meines Vaters zeugte , und das augenscheinlich aus der Reihe weggenommen war . Der Alte wiegte bedächtig das schneeweiße Haupt , ich hab ' s gerettet , flüsterte er mir endlich zu und öffnete dann eine verborgne Tapetenthüre in einer Ecke des Saals . Beklemmend schlug mir die schwüle eingeschloßne Luft das wohl seit vielen Jahren nicht geöffneten dunkeln Zimmers entgegen , doch trat ich hinein , eigentlich ohne Neugier und ohne zu wissen warum . Der Alte öffnete die Fensterladen und ich sah mich in dem Kabinette einer Dame aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts . Auf dem mit Spitzen auf verblichner rosenfarbner Seide umkleideten Nachttische schimmerten noch die silbernen mit getriebner Arbeit gezierten Putzkästchen ; ein dicht zugezogner Schleier von altmodischen Spizzen verhüllte den kleinen ebenfalls in silberne Schnörkel eingefaßten Spiegel und seitwärts stand eine reich mit Perlmutter und Elfenbein geschmückte Wiege , auf deren seidner Decke wohl längst zerfallne Hände mit mühsamer Kunst eine Grafenkrone gestickt hatten . In ganz eigner Bewegung betrachtete ich die kleine Schlafstätte und die prunkenden Anstalten , welche Mutterliebe und Eitelkeit zum Empfange des hülflosen kleinen Erdenbürgers hier getroffen hatten , den das Schicksal späterhin wohl schwerlich wieder so weich gebettet haben wird , ehe er zu jener Ruhestätte gelangte , die der spanische Dichter die zweite umgekehrte Wiege nennt , und die uns noch tiefern ruhigern Schlaf verheißt . Der Alte machte mich jetzt auf das über der Wiege hängende Bild einer jugendlich schönen Frau aufmerksam . Sie lächelte mit so bekannten Zügen mich an , daß ich den Blick nicht wieder zu wenden vermochte . Plötzlich fiel es wie ein Schleier mir von den Augen , ich stand vor dem Bilde meiner Mutter , ich erkannte dieß Kabinett , in welchem ich