- Lassen Sie uns gefaßt sein , meine Liebe , wenn die Verräter gefangen sind , werd ' ich sie mit einem Blick vernichten . - Leibjäger , es beginne der Angriff auf den Pavillon . « - Der Leibjäger wollte schnell fort . » Halt , « rief die Benzon , » was für ein Angriff ? - auf welchen Pavillon ? « Der Leibjäger mußte auf Befehl des Fürsten nochmals über den ganzen Vorfall genauen Rapport erstatten . Immer mehr und mehr schien die Benzon durch des Leibjägers Erzählung gespannt zu werden . Als er geendet , rief die Benzon lachend : » Nun , das ist das drolligste Mißverständnis , das es wohl geben mag . Ich bitte , gnädigster Herr , daß der Förster mit seinen Leuten sogleich nach Hause geschickt werde . - Es ist von gar keiner Verschwörung die Rede , Sie befinden sich nicht in der mindesten Gefahr , gnädigster Herr ! - Der unbekannte Bewohner des Pavillons ist schon Ihr Gefangener . « » Wer , « fragte der Fürst voll Erstaunen , » wer , welcher Unglückselige bewohnt den Pavillon ohne meine Erlaubnis ? « - » Es ist , « raunte die Benzon dem Fürsten ins Ohr , » es ist Prinz Hektor , der sich im Pavillon verbirgt ! « Der Fürst prallte einige Schritte zurück , als träfe ihn plötzlich ein Schlag von unsichtbarer Hand , dann rief er : » Wer ? - wie ? est-il possible ! - Benzon ! träume ich ? - Prinz Hektor ? « Des Fürsten Blicke fielen auf den Leibjäger , der ganz verblüfft den Hut in der Hand zusammenknillte . - » Jäger , « schrie der Fürst ihn an , » Jäger ! Scher ' Er sich herab , der Förster , die Leute , sie sollen fort - fort nach Hause ! kein Mensch soll sich blicken lassen ! - Benzon , « wandte er sich dann zur Rätin , » gute Benzon , können Sie es sich vorstellen , einen Kerl , einen Spitzbuben hat Lebrecht den Prinzen Hektor genannt ! - Der Unglückliche ! - Doch es bleibt unter uns , Benzon , es ist ein Staatsgeheimnis . - Sagen Sie , erklären Sie mir nur , wie es geschehen konnte , daß der Prinz vorgibt abzureisen und sich hier versteckt , als wolle er auf Abenteuer ausgehen ? « Die Benzon sah sich durch die Beobachtungen des Leibjägers aus großer Verlegenheit gerettet . Hatte sie sich vollkommen überzeugt , daß es ihrerseits nicht ratsam , dem Fürsten die Gegenwart des Prinzen in Sieghartshof , am wenigsten aber seinen Anschlag auf Julien zu entdecken , so konnte doch auch die Sache nicht in der Lage bleiben , die mit jeder Minute sich für Julien , für das ganze Verhältnis , das sie , die Benzon selbst , mit aller Mühe aufrechterhielt , bedrohlicher gestalten mußte . Jetzt , da der Leibjäger den Schlupfwinkel des Prinzen erlauscht und dieser Gefahr lief , auf nicht sehr ehrenvolle Weise hervorgezogen zu werden , konnte , durfte sie ihn verraten , ohne Julia preiszugeben . Sie erklärte also dem Fürsten , daß wahrscheinlich ein Liebeszwist mit der Prinzessin Hedwiga den Prinzen vermocht , eine schnelle Abreise vorzugeben und sich mit seinem treusten Kammerdiener ganz in der Nähe der Geliebten zu verstecken . Daß dies Beginnen etwas Romanhaftes , Abenteuerliches in sich trage , sei nicht zu leugnen , doch welcher Liebende habe nicht Hang zu dergleichen . Übrigens sei des Prinzen Kammerdiener ein sehr eifriger Liebhaber ihrer Nanni und durch diese ihr das Geheimnis verraten worden . » Ha ! « rief der Fürst , » dem Himmel sei es gedankt , so war es der Kammerdiener und nicht der Prinz selbst , der sich zu Ihnen ins Haus stahl und dann durchs Fenster sprang in die Blumentöpfe , wie der Page Cherubin . - Mir stiegen schon allerlei unangenehme Gedanken auf . Ein Prinz und durchs Fenster springen , wie könnte sich das wohl in aller Welt reimen ! « » Ei , « erwiderte die Benzon schalkisch lachend , » ich kenne doch eine fürstliche Person , die den Weg zum Fenster heraus nicht verschmähte , als - « » Sie , « unterbrach der Fürst die Rätin , » Sie alterieren mich , Benzon , Sie alterieren mich ganz ungemein ! - Schweigen wir von vergangenen Dingen , überlegen wir lieber , was jetzt mit dem Prinzen anzufangen ! Alle Diplomatie , alles Staatsrecht , alles Hofgesetz holt der Teufel in dieser verdammten Lage ! - Soll ich ihn ignorieren ? - soll ich ihn zufällig finden ? - soll ich - soll ich ? Alles dreht sich in meinem Kopfe wie ein Wirbel . Das kommt davon , wenn fürstliche Häupter sich zu wunderlichen Romanstreichen herabwürdigen ! « Die Benzon wußte in der Tat nicht , wie das weitere Verhältnis mit dem Prinzen zu formen . Doch auch dieser Verlegenheit wurde abgeholfen . Noch ehe die Rätin nämlich dem Fürsten antworten konnte , trat der alte Kastellan Rupert hinein und überreichte dem Fürsten ein klein zusammengefaltetes Billett , indem er schelmisch lächelnd versicherte , es käme von einer hohen Person , die er gar nicht weit von hier die Ehre hätte unter Schloß und Riegel zu bewahren . » Er wußte , « sprach der Fürst sehr gnädig zu dem Alten , » Er wußte also , Rupert , daß ? - Nun , ich habe Ihn immer für einen ehrlichen treuen Diener meines Hauses gehalten , und Er hat sich auch jetzt als einen solchen bewährt , da Er , wie es Seine Pflicht war , dem Befehl meines erhabenen Eidams gehorchet . - Ich werde an Seine Belohnung denken . « Rupert dankte in den demütigsten Ausdrücken und entfernte sich aus dem Zimmer . Es begibt sich gar oft im Leben , daß einer für besonders ehrlich und tugendhaft gehalten wird gerade in dem