wurde . Ich fluchte dem Abt und seinen Missetaten , aber Posidonius , der bei mir zur Wache blieb , riet , an meine eigene Seligkeit zu denken . Wo war meine Seligkeit ? Die Grausamkeit eines Eifersüchtigen hatte mich in der Wohnstätte meiner Liebe gelassen ; aber wohin war sie entführt die meiner Augen Lustgarten , Ernteflur und Himmelsplan war . Mein Jammer ging dem harten , alten Mönche zu Herzen : O rief er einmal , wie wunderbar ähnlich seid Ihr in Eurem Schmerze dem armen Wolf , den gleiches Unglück und gleiche Liebe mit Euch verbunden ; oft schon sah ich verwundert die Ähnlichkeit Eurer Züge , ähnlicher können Zwillinge nicht sein ; er wollte zu ihr fliegen , die euch verdirbt ; von dir sind die Blätter zu ihr geflogen , du bist entlaubt . Bei dem Namen Wolf gewann mein Bewußtsein für alte Erinnerungen Raum : Wolf sagt ihr ? Wohl hatte ich einen Bruder in meiner Kindheit , den ich herzte und ehrte und von dem ich nichts weiß ; aber wenn der Unglückliche geliebt hat wie ich , so war er sicher mein Bruder . Ich kann Euch sein Geschlecht wohl nennen , er vertraute es mir in den letzten Tagen ; sein Vater hatte sich neu vermählt und seine Kinder erster Ehe in Klöster gebracht ; er soll ein harter Mann gewesen sein , und darum mochte er wohl heißen der Graf von Stock . O mein armer Bruder , so wurdest du aus meinen Armen gerissen , daß ich dich sterben sähe als ein unschuldiger Sünder , von der Mörderhand falscher Gerichte ; bald grüßen wir uns und tragen zusammen unsere blutigen Köpfe vor den Richterstuhl des Herrn . Er wird jedem nach seinem Verdienste lohnen , sprach Posidonius . Wer aber soll seine Ehre verkünden auf Erden ? rief ich . Und wie soll mein Vater bestehen , wenn er sieht , wie er gewütet hat mit den Gliedern seiner Zukunft , mit den letzten Ästen seines Stammes , auf dem auch er erwachsen ? Sorge nicht für ihn , sprach Posidonius , denn dir selbst steht noch das Schwerste bevor . Er ließ mich bald allein , und der Jammer über den Untergang meines Geschlechtes strömte in wilden Klängen von meinem Herzen , bis mich das Dunkel des Abends umgeben hatte ; da klinkte es sacht an meine Tür , und ein verhüllter Mönch trat leise herein , blickte mich an und fiel dann zu meinen Füßen . Du solltest sterben um mich , rief eine Stimme , die ich nie in solcher Nähe vernommen , die ich aber kannte , wie wir den Himmel erkennen an Wohlwollen ; aber ich rette dich , fliehe von hier , kümmere dich nicht um mich , wir sehen uns wieder . Warum sollte ich sterben , warum sollte ich fliehen ? fragte ich . Nur bei dir zu bleiben nenne ich leben . Du bist verloren , sprach sie , der Abt hat Blätter mit Liebesworten von dir dem Gerichte vorgelegt , die du dem falschen Winde für mich anvertrautest ; er hat seine Wunde eröffnet vor dem Gerichte , die du ihm geworfen , als er mich , sein Beichtkind , abhalten wollte , nicht nach dir zu blicken . Hab ich es darum getan ? O Himmel , sprach sie , ich weiß am besten die Beichte , die er von mir verlangte ; aber siehe , dein Leben ist sonst nicht zu retten , ich muß schweigen . Vor einer Stunde , so sprach ich , wäre ich deinem Willen gefolgt , jetzt habe ich keinen Willen mehr ; hier will ich sterben , hier , wo mein Bruder Wolf blutete ; dieselbe Sichel soll uns beide abmähen . O sprich , rief sie bestürzt , ich ahne und zweifle ; wohl hab ich es länger vermutet , es seien euer zwei , die ich gesehen und liebte ; du schienest mir größer und bleicher . Die Sonne ging unter , der Mond ging auf ; mein Bruder fiel an dem Abend unter dem Beile , wo ich als ein müder Wanderer hier eintraf ; unsere Liebe ist gleich zu dir ; er baute sich kühne künstliche Flügel , zu dir zu gelangen , aber die Eifersucht hemmte seinen Flug - auch meine Flügel sinken dem Grabe zu , und ich bin müde des Weges ; dich habe ich gesehen , ich fühle deinen Mund an meinem , deine Tränen rinnen auf meinen Backen , und meine Tränen küssest du auf ; mit dir hätte ein herrliches Geschlecht hervorgehen sollen , mein Geschlecht sinkt . - Diese Küsse , die ich dir reiche , schenkte mir die vielgeliebte Mutter ; begegnet dir auf Erden meine Schwester Gloria , teile sie mit ihr . Gloria , rief sie , wer ruft mich , das ist mein Name , aber mein Herz ruft Jammer ; sage , wie wandelt sich alles um , das Feuer wird fest und die Erde flüchtig , und das Freudige will ich fliehen und die Leiden mir wünschen ; ich fühle dein Herz , und sein mächtiger Schlag sagt , daß du stammest von den Wächtern der Kronenburg , Rappolt , geliebter Bruder ! Stirn gegen Stirn lagen wir so im stummen Erstaunen an einander und jammerten , und sie sang mir , wie sie als Kind getan , von den Wellen , die an den Himmel schlagen , und von den Sündern , die an der Himmelstür singen ; ich aber , über allen Jammer hingetragen von dem sanften Flügel des Schlafes , besiegt von seiner Macht , sank in seine empfindungsloseste Tiefe ; schwarz ward es rings , und kein Traumbild wagte sich in diese Tiefe . Aber allmählich , wie ein Leichnam , der , tief im Wasser versunken , in der Sehnsucht zum Lichte wieder aufstrebt , so fühlte ich ein Erbeben und endlich ein farbig Begrüßen in den schillernden Wellen