Großquart gebrochen , worin der wie ein Herz ewig arbeitende Minister schon am frühen Morgen , eh ' er für die einzelnen Regierungs- und Kammerräte die zur Fruchtbarkeit nötigen Strichgewitter aus den Akten aufgezogen , auf die schauernde Tochter mit einem kalten Morgenwolkenbruche niederzugehen suchte . Im gedachten Dekretalbriefchen setzt ' ers auf anderthalb Bogen mehr auseinander , was er gestern gemeint - Scheidung auf der Stelle - , und bog sechs Scheidungsgründe an , - erstlich sein verstimmtes Verhältnis mit dem Vliesritter - zweitens ihre und des Grafen Jugend - drittens die nahe Hofdamenstelle - viertens sei sie seine Tochter und dieses das erste Opfer , auf welches ihr Vater für alle seine bisherigen Anspruch mache - fünftens sehe sie an seinem nachsichtigen Ja zur Liebe ihres Bruders , dessen anscheinende Besserung er ihr zum Vorbilde vorhalte , daß er nur für das Glück seiner Kinder lebe und sorge - sechstens send ' er sie in die Festung * * * zu seinem Bruder , dem Kommendanten , falls sie widerspenstig sei , um sie zu entfernen , zu bestrafen und zurechte zu bringen , und weder Weinen noch Fußfallen , noch Mutter noch Hölle sollen ihn beugen ; und er schenk ' ihr drei Tage Zeit zur Vernunft . Sie gab stumm mit nassen Augen ihrer bisherigen Trösterin das schwere Blatt . Aber aus dieser wurde eine Richterin : » Was willst du tun ? « sagte die Ministerin . - » Ich will leiden , « ( sagte Liane ) » damit Er nicht leide ; wie könnt ' ich so sehr gegen Ihn sündigen ? « - Die Mutter nahm entweder im wirklichen alten Wahne ihrer leichten Bekehrung oder aus Verstellung jenen Er für den Vater und fragte : » Mich nennst du nicht ? « Liane errötete über die Vertauschung und sagte : » Ach , ich Arme , ich will ja nicht glücklich sein , nur treu . « - Wie hatte sie nicht in dieser Nacht zwischen bangen Kriegen aller ihrer innern Engel betend gelebt und geweint ! Eine so schuldlose , von der heiligen Freundin im Himmel eingesegnete Liebe - eine vom frühen Tode so sehr abgekürzte Treue - ein so fester , mit hohem , fruchttragendem Gipfel gen Himmel wachsender Jüngling , den nicht einmal Geisterstimmen aus seiner treuen Kindheitsliebe gegen sie Unbedeutende schrecken oder locken konnten - der ewige Unwille und Gram , den er über die erste , größte Lüge gegen sein Herz empfinden würde - ihre kurze Durchgangsgerechtigkeit durchs Leben und die nahe Wegscheide , an der sie nicht Steine , sondern Blumen auf die andern Pilger zurückwerfen wollte - alle diese Gestalten nahmen sie an der einen Hand , um sie von der Mutter wegzuziehen , die ihr mit den Worten nachrief : sieh , wie du undankbar von mir gehst , und ich habe so lange für dich ertragen und getan . Da zog Liane wieder aus dem warmdunkeln Rosental der Liebe in die trockne , platte Erdfläche eines Lebens zurück , worin sich nichts hebt als ihr letzter Hügel . O , wie blickte sie bittend zu den Sternen auf , ob sie sich nicht als Augen ihrer Karoline regten und ihr es sagten , wie sie sich opfern sollte , ob für den Geliebten oder für die Eltern ; allein die Sterne standen freundlich , kalt und still am festen Himmel . Aber als die Morgensonne wieder ihr Herz anstrahlte , schlug es hoffend und von neuem gestärkt vom Entschluß , für Albano heute recht viele Leiden zu erdulden , ach , ja erst die ersten ; konnte Karoline , dachte sie , eine Liebe bejahen , der ich untreu sein müßte ? - Kaum war sie mit dem Morgengruß von den Lippen der Mutter weg , so suchte diese , aber ernster als gestern , die Wurzeln dieses festen Herzens aus seinem fremden Boden zu rücken durch den längern Gebrauch der gestrigen Blumenheber . Sie wurde in der vergleichenden Anatomie zwischen Albano und Roquairol von der gleichen Stimme an bis zur ähnlichen Taille immer schneidender , bis Liane mit dem Mädchenwitz auf einmal fragte : » Aber warum darf denn mein Bruder Rabetten lieben ? « - » Quelle comparaison ! « ( sagte die Mutter ) » Bist du nichts Bessers als sie ? « - » Sie tut eigentlich viel mehr als ich « , sagte sie ganz aufrichtig . - » Strittest du nie mit dem wilden Zesara ? « fragte die Mutter . » Nie , außer wenn ich unrecht hatte « , sagte sie unschuldig . Erschrocken nahm die Mutter immer heller wahr , daß sie tiefere und stärkere Wurzeln , als leichte Blumen schlagen , auszuziehen habe ; sie sammlete alle ihre mütterlichen Anziehungskräfte und Hebemaschinen auf einen Punkt zum Sturze der stillen , grünen Myrte ; sie entdeckte ihr des Ministers schwarzen Verlobungsplan mit dem deutschen Herrn , ihre bisherigen verschwiegenen Kriege und Seufzer darüber , ihren bisher zurückdrängenden Widerstand und die neueste väterliche Kriegslist , sie zur Festungsgefangnen bei seinem Bruder zu machen und dadurch wahrscheinlich den Herrn von Bouverot zum Festungsbelagerer . - Für einige Leser und Relikten aus dem schwerfälligen goldnen Zeitalter der Moral wird hier die Anmerkung gesetzt und gedruckt : daß eine besondere kalte , nichts schonende , oft grausame und empörende Offenherzigkeit über die nächsten Verwandten und über die zartesten Verhältnisse in den höhern Ständen so sehr zu Hause ist , daß auch die schönern Seelen - worunter doch diese Mutter gehört - es gar nicht anders wissen und machen . » O , du beste Mutter ! « rief Liane erschüttert , aber nicht vom Gedanken an die Klapper und den Schlangenatem Bouverots oder an dessen Mordsprung nach ihrem Herzen - sie dachte so kaltblütig an sein Verloben wie jeder Unschuldige an sein Sterben auf einem Blutgerüste - , sondern vom Gedanken an das lange Überbauen der mütterlichen Tränen , der mütterlichen Liebesquellen , welche bisher nährend tief unter