durch die liebenswürdigste Anmuth der Sitten und das gefälligste Benehmen im Umgang zu mildern wüßte . Bei allem dem lebt sie auf einem so fürstlichen Fuß zu Korinth , daß zu besorgen ist , falls auch sie selbst reich genug wäre , es immer auszuhalten , die Korinthier möchten nicht artig oder demüthig genug seyn , es lange gut zu finden . Indessen , bis jetzt geht noch alles als ob es nicht anders seyn könnte . Das Volk , dem der Schein immer für das Wesentliche gilt , wird durch den Schimmer , womit sie sich umgibt , und ihre große Manier das Persische Gold in Umlauf zu setzen , im Respect erhalten ; unsre Patricier hingegen trösten sich mit dem Gedanken , daß eine solche Lebensart der geradeste Weg sey , die stolze Göttin desto eher zu humanisiren und endlich so geschmeidig zu machen , als jeder sie , wenigstens für sich selbst , zu finden wünscht . Da dieß aber ganz und gar nicht in den Plan der Dame zu passen scheint , so würde , däucht mich , ein warnender Wink von einem vertrauten Freunde nicht überflüssig und vielleicht von guter Wirkung seyn . Ich selbst bin zwar so glücklich sie öfters zu sehen , und sogar zu dem engern Ausschuß ihrer Gesellschafter zu gehören : aber , wenn ich auch großmüthig genug seyn wollte , gewissermaßen gegen meinen eigenen Vortheil zu handeln , so ist doch mein Verhältniß zu ihr nicht von solcher Art , daß ich mir ohne Zudringlichkeit das Amt eines Erinnerers herausnehmen dürfte . Auf jeden Fall , lieber Aristipp , wäre wohl das Beste , wenn du dich entschließen könntest , dich den Reizen der schönen Rhodos zu entreißen , und mit der ersten guten Gelegenheit nach Korinth zu kommen . Lais scheint beinahe gewiß darauf zu rechnen , und dein gastfreundliches Gemach im Hause deines Learch ist zu allen Stunden für deine Aufnahme ausgeschmückt . L.W. 17. Lais an Aristipp . Verzeihe , mein Lieber , wenn ich dich länger als recht ist auf Nachricht warten ließ , wie deiner Freundin die Luft des Isthmus wieder bekommt , und wie sie nach einer so langen Abwesenheit von den Korinthiern aufgenommen worden . Jene hat mir mit dem ersten Athemzug alle meine vorige Leichtigkeit und Unbefangenheit wiedergegeben ; diese benehmen sich so artig und anständig , als es die etwas zweideutige Wittwe eines noch vollauf lebenden Persischen Fürstensohns nur immer verlangen kann . Ich mache ein ziemlich großes Haus , lebe wieder so frei wie die Vögel des Himmels nach meiner eigenen gewohnten Weise , und erinnere mich zuweilen des Aufenthalts zu Sardes , und aller seiner Herrlichkeiten , als eines seltsamen Morgentraums , der im Erwachen unvermerkt an der aufgehenden Sonne zerrinnt , und , wie angenehm er auch war , kein Bedauern daß er ausgeträumt ist in der Seele zurückläßt . Freilich befinde ich mich in dem ungewöhnlichen Fall einer Person , die im Traum einen großen Schatz erhoben hätte , und beim Erwachen wirklich einen kleinen Berg von Goldstücken vor ihrem Bette aufgeschüttet fände ; und wenn du glaubst , daß dieser Umstand nicht wenig zu der Ruhe , deren ich mich rühme , beitragen könnte , so will ich so ehrlich seyn und gestehen , daß du es nahezu errathen hast . Ich lebe hier ungefähr auf eben demselben Fuß wie zu Milet . Mein Haus ist , zwar nicht zu allen Stunden , aber doch in den gewöhnlichen , wo man Gesellschaft sieht , allen offen , die man zu Athen Kalokagathen38 nennt . Eupatriden , Staats- und Kriegsmänner , Dichter , Sophisten und Künstler , alte und junge , reiche und arme , fremde und einheimische , jedermann , der sich in guter Gesellschaft mit Anstand zeigen kann , ist gern gesehen ; nur daß immer zwei oder drei mit einander kommen müssen : denn die Unterhaltungen unter vier Augen sind nur den vertrautern Freunden , lauter Männern , die meine Väter seyn könnten , vorbehalten , und unter den jüngern , höchstens Einem , den die Götter etwa in besondere Gunst genommen haben ; dir , zum Beispiel , wenn du hier wärest , zumal da sich bisher noch keiner gefunden hat , der mich vergessen machen könnte , daß du es nicht bist . Es ist wohl kein Zweifel , daß ich mich durch diese Lebensordnung weder den Matronen noch den Hetären ( deren Orden hier sehr zahlreich und begünstigt ist ) sonderlich empfehle ; wiewohl die letztern mehr Ursache hätten , mich für eine Wohlthäterin als für eine Conkurrentin anzusehen . Denn bei weitem die meisten meiner Anbeter unterliegen am Ende doch der Versuchung , sich bei ihnen , wie die Freier der Penelope bei - den gefälligen Hofmägden des Ulyssischen Hauses , für ihre bei mir verlorne Zeit und Mühe zu entschädigen . Indessen muß ich gestehen , daß die Verbindlichkeit , die sie mir von dieser Seite schuldig sind , vielleicht doch einige Einschränkung leiden mag . Die Sache ist , daß ich , theils um mir selbst die Pflichten der Frau des Hauses zu erleichtern , theils ( wenn du willst ) aus Gutherzigkeit , einige schöne junge Mädchen zu mir genommen habe , die zwar Korinthische Bürgerinnen sind , aber aus Mangel an Vermögen und Unterstützung wahrscheinlich sich genöthigt gesehen hätten , ihren Unterhalt der Aphrodite Pandemos39 abzuverdienen . Diese lasse ich von den geschicktesten Lehrmeistern im Lesen der Dichter , in der Musik und in der Tanzkunst unterrichten , und mache mir , nach dem Beispiele der schönen Aspasia , selbst ein Geschäft daraus , sie zu angenehmen Gesellschafterinnen für mich und andere zu bilden . Könnte ich ihnen mit meinen Grundsätzen auch zugleich meine Sinnesart einflößen , so würde meine Absicht vollkommen erreicht . Da sich aber darauf nicht rechnen läßt , so bin ich zufrieden , ihnen so viel Achtung gegen sich selbst und so viel Mißtrauen gegen euer übermüthiges Geschlecht beizubringen , als einem