, sie handelte mit Überlegung , wenn auch unter dem leitenden Trieb einer heftigen Nervenaufregung . So stand sie einen Augenblick zwischen dem Tisch und der Staffelei , den Blick auf das Bild gerichtet , das morgen in die Welt hinausgehen sollte . » Über das Gesicht hin , bis in die schamlose Brust hinein – dann wird er erst wissen , was Haß ist , was Haß vermag ! « – Sie murmelte diese Worte nur vor sich hin , und doch wurden sie gehört . Donna Mercedes war lautlos die Treppe hinabgeschlüpft und stand hinter ihr ; und in dem Augenblick , als sie den langen , hageren Leib schlangenhaft hinüberwarf , um mit raschen Dolchschnitten die rührende Mädchengestalt neben der Matrone zu zerfetzen , wurde sie erfaßt und zurückgerissen . Aber Donna Mercedes hatte diese Gegnerin unterschätzt . In diesem meist müde , in krankhafter Schwäche vorgebeugten Körper wohnte eine stets verleugnete , fast männliche Kraft . Im ersten entsetzensvollen Schrecken brach sie allerdings in sich zusammen ; wilden Blickes warf sie den Kopf herum nach dem unbekannten Wesen , das sie mit weichen , aber kräftigen Armen umschnürte , und stieß ein lautes Hohngelächter aus , als sie das zarte mädchenhafte Gesicht der jungen Dame erkannte . » Ah , die Pflanzerprinzessin ! – Was haben Sie hier zu suchen in der Wohnung eines verheirateten Mannes , keusche Donna ? « – Mit einem jähen , elastischen Aufspringen versuchte sie zunächst ihre Feindin abzuschütteln – das gelang nur zum Teil , aber ihr rechter Arm rang sich frei ; und nun strebte sie abermals wie eine Rasende nach dem Bilde hin und stieß wiederholt nach der Leinwand . Donna Mercedes mühte sich ab , ihr das Messer zu entreißen – es war unmöglich . Sie verletzte sich selbst die Hand ; unter scharfem Schmerz fühlte sie , wie ihr die Schneide tief in das Fleisch ging und gleich darauf das Blut heiß über den hochgehobenen Arm nach dem Ellbogen hinunterströmte . Und dabei lief das Zittern der Erschöpfung durch ihre Glieder . Verzweiflungsvoll rief sie laut und wiederholt nach Hilfe . Ihre volle , klingende Stimme hallte mächtig von den Steinwänden wider , und sie wurde gehört . » Lassen Sie mich ! « keuchte die Baronin in einem Gemisch von Wut und namenlosem Schieden , als draußen zuerst an der Tür des Glashauses und dann am anderen Eingang in das Atelier heftig gepocht und gerüttelt wurde . Allein Donna Mercedes bot ihre letzten Kräfte auf , um die Elende festzuhalten , die im Davonstürzen noch mit einer einzigen Bewegung ihre Absicht ausführen konnte . Und so wiederholte sie unter fortgesetztem Ringen den Ruf : » Hierher ! « bis droben der Gobelinvorhang weggeschleudert wurde und Menschen auf die Galerie herausstürzten . Der Stallbursche war der erste , der die Treppe herablief , ihm folgte die Majorin auf dem Fuße . » Nehmen Sie ihr den Dolch – das Bild ist gefährdet ! « rief Donna Mercedes dem Burschen zu . In diesem Augenblick flog die Waffe klirrend auf die Steine – die Baronin hatte sie selbst von sich geschleudert . Halb schwankend vor Erschöpfung ließ Donna Mercedes ihre Gefangene nunmehr frei . Aber alle Angst und Anstrengung hatten ihr die Geistesgegenwart nicht zu rauben vermocht – der Untergebene durfte nicht ahnen , daß Bosheit all das Unheil im Atelier und Glashaus angerichtet hatte , über das er entsetzt die Sünde über dem Kopfe zusammenschlug . » Die Frau Baronin ist fieberkrank , « sagte sie in gebietendem Tone zu ihm . » Laufen Sie rasch in das Haus zu Fräulein von Riedt – « » Baron Schilling ist eben heimgekommen , « antwortete die Majorin an seiner Stelle , während ihr Blick erschreckt , aber mit sofortigem Verständnis die ganze Sachlage umfaßte . Sie kam raschen Schrittes , kopfschüttelnd , über den überschwemmten Fußboden her und wich mit mißtrauischer Miene seitwärts , als die Baronin schweigend , mit hochaufgenommenen Kleidern an ihr vorüberschoß , um über die Wendeltreppe zu entfliehen . – » Er hat gesehen , wie wir nahe an ihm vorüber in das Haus gelaufen sind , und wird wohl gleich selber da sein , « setzte sie mit gehobener Stimme hinzu . » Mir scheint , er paßt besser hierher als irgend eine Dame . « In diesem Augenblicke sank die Baronin mit jenem schrillen Aufschreien , das Donna Mercedes im Säulenhaus schon so oft gehört , auf einer der untersten Treppenstufen zusammen und blieb regungslos liegen . » Larifari – das ist Komödie ! « sagte die Majorin hart und trat , ohne sich nur weiter umzusehen , zu Donna Mercedes , die eben das Taschentuch in das Wasser zu ihren Füßen tauchte , um es auf die Schnittwunden im Daumen und Zeigefinger zu pressen . Die junge Dame schrak zusammen – unter stürmischem Herzklopfen hörte sie , wie Baron Schilling auf die Galerie heraustrat . » Was geht hier vor ? « rief er in der ersten schreckensvollen Überraschung hinab . » Irgend ein Schuft , eine infame Kanaille hat die Abzugsrohren an den Springbrunnen verstopft , gnädiger Herr ! « antwortete der Stallbursche vom Glashause herüber , wo er um das Becken watete und eben einen großen Pfropfen zum Vorschein brachte . Er hatte bereits die Springbrunnen abgeschraubt , nur ein einziger rauschte noch , und über den Rand des Beckens schoß das Wasser immer noch klatschend auf den Boden . Baron Schilling eilte die Stufen herab – da stieß sein Fuß an die hingesunkene Frau . Er bückte sich , befühlte ihr Kopf und Hände , und wie jemand , der seine Vermutung bestätigt findet , ging er schweigend von ihr weg und schritt unverweilt auf Donna Mercedes und die Majorin zu . Mochte das falbe Licht des Mondes sein Gesicht entstellen , oder machte ihm eine furchtbare innere Bewegung das Blut stocken – er war entfärbt wie ein Toter . Er schien nicht zu bemerken , daß