, der im Spätherbste genannten Jahres unter dem Herzoge von Braunschweig gegen den General Hoche kämpfte . Hoche wurde den 17. November bei Blieskastel geworfen und am 28 , 29. und 30. in der dreitägigen Schlacht bei Kaiserslautern geschlagen . Unter denen , die preußischerseits dieses schönen Sieges wenig froh werden konnten , befand sich auch Otto von Rohr , der gleich am ersten Tage , den 28. , als er mit seinem Grenadierbataillon aus einer Waldecke vorbrach , in Gefangenschaft geraten war . Diensteifer und Herzensgüte trugen die Schuld daran . Schon war ihm der Rückzug durch einen Hohlweg geglückt , als er noch sieben seiner Leute , die das Signal überhört haben mußten , jenseits des Defilees im eifrigsten Scharmützel mit dem nachdrängenden Feinde sah . Er eilte zurück , um sie zu retten , wurde aber dabei von einem Haufen Volontärs gefangengenommen , die mittlerweile den Hohlweg besetzt hatten . Die » Volontärs « von damals waren den » Franktireurs « von heute sehr ähnlich . Otto von Rohr hat seine Schicksale während der nächsten fünf Tage , in ebenso vielen , mir zur Benutzung vorliegenden Briefen aufgezeichnet , Aufzeichnungen , aus denen ich ersehen konnte , wie wenig achtzig Jahre jenseits der Vogesen geändert haben . Alles liest sich wie Erlebnisse von heute oder gestern . Im Guten und Schlechten , in Liebenswürdigkeit und Frivolität , in Artigkeit und Frechheit ist der nationale Charakter derselbe geblieben . » 28. November 1793 . Drei oder vier Volontärs nahmen mich gefangen , zwölf oder mehr aber waren es , die mich zurückführten . Ich mochte zwei Minuten zwischen meinen Begleitern gegangen sein , als diese plötzlich einige Schritt hinter mir zurückblieben und mich allein stehen ließen . Die ganze Bande schwatzte ; zugleich mußte ich wahrnehmen , daß einer von ihnen das Gewehr anlegte und auf etwa zehn Schritt nach mir schoß . Der Schuß versagte . Mein Volontär begann nun zu poltern , schüttete neues Pulver auf die Pfanne , schärfte den Stein und legte wieder an . Mittlerweile war ich von meiner ersten Betäubung zurückgekommen und hatte die klare Vorstellung eines unvermeidlichen Todes . Mich wehren , dazu fehlte mir die Waffe ( meinen Degen hatte man mir abgenommen ) , mich durch Flucht retten , war ganz unmöglich ; ich verteidigte mich also nicht , weil ich nicht konnte , und stand , weil ich mußte . Ich weiß nicht mehr , was ich tat , nur das hab ich noch in Erinnerung , daß die ganze Gesellschaft lachte . Auch der Volontär , der im Anschlage lag , lachte mit . In diesem Moment , der über mich entscheiden mußte , trat ein alter Soldat , Sergeant , wie sich später ergab , aus dem Dickicht , schlug dem Buben das Gewehr nieder und rettete mich dadurch . Die ganze Bande verlief sich nun und ich war mit meinem Retter allein . Er hieß Malwing , war ein geborener Elsässer , hatte den Siebenjährigen und dann den amerikanischen Krieg mitgemacht und vermaledeite seine eigenen Leute , die er Meuchelmörder nannte . Er hieß mich guten Mutes sein , führte mich zum kommandierenden General Hoche und übergab diesem meine Person und meine Habseligkeiten . Die letzteren stellte mir ein Adjutant des Generals sofort wieder zu . Hoche selbst unterhielt sich ein wenig mit mir , war sehr artig und überließ mich dann wiederum der Obhut Malwings . Unter den Gegenständen , die mir zurückgegeben wurden , befand sich auch mein Degen , meine Schreibtafel und Schärpe . Ich bat Malwing , die letztere anzunehmen , was er indessen entschieden ablehnte . Er sagte nur , » ich solle sie verbergen « , ein Rat , dem ich leider nicht folgte . Meine Börse mit etwa elf Dukaten nahm er . Ich besaß außerdem noch eine auf den General Möllendorf geprägte Medaille und eine kleine Schaumünze , ein Geschenk meines seligen Onkels ; ich erzählte ihm , was es mit beiden für eine Bewandtnis habe , worauf er sie mir ließ . Meine Uhr war bei der Bagage . Jetzt nahm mir der Alte Wort und Handschlag ab , daß ich mich als sein Gefangener benehmen wolle , führte mich dann nach einer nahegelegenen Bauernhütte und sorgte für ein Abendbrot , wie es die Umstände gestatteten . Darauf legte er sich neben mich schlafen . Mit uns war eine Rotte von Volontärs , unsaubere , ekelhafte Kerle . Ich hoffte aber sicher , am andern Tage ausgewechselt zu werden , und so stählte mich diese Hoffnung gegen die Widrigkeit alles dessen , was mich umgab . Ich schlief ein . Den 29. November 1793 . Morgens mit dem Tage kam mein alter Malwing . Ich war froh , ihn wieder zu sehen , stand auf und ging mit ihm , wohin er wollte . Er führte mich nach dem etwa eine halbe Stunde entfernten Hauptquartier , wobei wir an Truppenteilen vorüberkamen , die sich schon zu ihrem nahen Tagewerk versammelt hatten . Dieser Gang war eine Art Spießrutenlaufen , doch waren die Bemerkungen , die fielen , mehr beißender Spott und launiger Scherz , als pöbelhafte Worte und grobe Beschimpfungen . Sie frugen mich , ob ich etwas an meine Geliebte zu bestellen hätte , sagten , ich hätte viel Republikanisches , offerierten mir eine Prise Kontenanze u. dgl. m. Endlich langten wir im Hauptquartier an . Hier waren drei Generale , ebenso viele Repräsentanten und einige andere Offiziere in eine Stube einquartiert . Malwing stellte mich den Generälen vor und verließ das Zimmer . Generäle und Packknechte , Fleischer und Repräsentanten saßen ( gewiß ihrer dreizehn an der Zahl ) um einen großen Kumpen Reis mit Hühnern und frühstückten . Man war allgemein äußerst artig gegen mich und forderte mich auf , mit zu frühstücken . Eine kleine Weile hatte ich es mir gut schmecken lassen , als sich jemand neben mich hinstellte , der dem Anscheine nach ebenso hungrig war als ich . Er