nicht selber nach England eilen , um Sie aus der Schlinge zu befreien , in die Sie gefallen , doch hat er Herrn Mason , keine Zeit zu verlieren , um die falsche Heirath zu verhindern . Er wies ihn an mich , um ihm Beistand zu leiten . Ich wendete alle Eile an , und bin froh , daß ich nicht zu spät gekommen bin , wie Sie ohne Zweifel auch sein müssen . Wäre ich nicht moralisch überzeugt , daß Ihr Oheim todt sein wird , ehe Sie Madeira erreichen können , so würde ich Ihnen rathen . Herrn Mason zurückzubegleiten ; so wie die Sache steht , halte ich es aber für besser in England zu bleiben , bis Sie etwas Näheres über Herrn Eyre hören , oder bis er selber von sich Nachricht gibt . Haben wir noch sonst irgend etwas hier auszurichten ? " fragte er Herrn Mason . " Nein , nein -- lassen Sie uns gehen , " war die ängstliche Antwort ; und ohne zu warten , um von Herrn Rochester Abschied zu nehmen , gingen Beide zur Hausthür hinaus . Der Geistliche blieb noch ein wenig länger , um einige Worte der Ermahnung oder des Tadels an sein stolzes Beichtkind zu richten . Als er diese Pflicht erfüllt hatte , entfernte er sich auch . Ich hörte ihn fortgehen , als ich in der halboffenen Thür meines Zimmers stand , wohin ich mich zurückgezogen hatte . Das Haus war wieder rein , ich schloß mich ein und verriegelte die Thür , damit Niemand sich bei mir eindrängen möchte , und begann -- nicht zu weinen nicht zu trauern , dazu war ich noch zu ruhig , - sondern mechanisch mein Brautkleid abzulegen und mein wollenes Kleid wieder anzuziehen , welches ich gestern , wie ich geglaubt , zum letzten Mal getragen . Dann setzte ich mich nieder und fühlte mich matt und ermüdet . Ich lehnte meine Arme auf einen Tisch und ließ meinen Kopf darauf niedersinken . Und jetzt dachte ich : bis dahin hatte ich nur gehört , gesehen , mich bewegt -- war hinauf- und hinunter gefolgt , wohin man mich geschleppt oder geführt -- hatte ein Ereigniß nach dem andern an mir vorüberrauschen und ein Geheimniß nach dem andern sich lösen sehen -- aber jetzt dachte ich . Der Morgen war ziemlich ruhig vergangen -- Alles , mit Ausnahme der kurzen Scene mit der Wahnsinnigen -- die Verhandlung in der Kirche war nicht lärmend gewesen . Es hatte kein Ausbruch der Leidenschaft , kein lauter Zank oder Streit , kein Wortwechsel und keine Forderung , keine Thränen und kein Schluchzen stattgefunden . Es waren nur wenig Worte gesprochen , ein ruhiger Einspruch gegen eine Trauung geschehen , einige strenge , kurze Fragen von Rochester ausgesprochen , einige Antworten und Erklärungen gegeben und ein Zeuge aufgerufen worden ; dann hatte mein Herr die Wahrheit offen eingestanden und den lebenden Beweis gezeigt ; die Fremden waren fort und Alles vorüber . Ich war wieder in meinem Zimmer wie gewöhnlich -- ganz ich selber , ohne merkliche Veränderung , Nichts hatte mich getroffen , Nichts mich verbrannt oder verstümmelt . Und doch , wo war die Johanna Eyre von gestern ? -- wo war ihr Leben ? -- wo waren ihre Aussichten ? Johanna Eyre , die ein glühendes und erwartungsvolles Frauenzimmer -- ja fast eine Gattin gewesen – war wieder ein kaltes einsames Mädchen : ihr Leben war verblichen , ihre Aussichten trostlos . Ein Weihnachtsfrost war mitten im Sommer eingetreten : ein winterliches Schneegestöber wirbelte über den warmen Junius dahin ; Eis überglaste die reifen Aepfel , Schneebänke drückten die blühenden Rosen nieder , auf Heu- und Kornfeldern lag ein erstarrendes Leichentuch : Wege , die am letzten Abend noch von blühenden Gesträuchen und Blumen umgeben gewesen , waren jetzt pfadlos von unbetretenem Schnee ; und die Wälder , die noch der zwölf Stunden so duftig wehten , wie die Haine in den Tropenländern , breiteten sich jetzt wild , öde und weiß , wie Fichtenwälder im winterlichen Norwegen , aus . Alle meine Hoffnungen waren erstorben -- von einem tödtlichen Schlage getroffen , gleich dem , der in jener Nacht die ganze Erstgeburt im Lande Aegypten tödtete . Ich sah meine Lieblingswünsche an , die gestern noch so blühend und glühend waren : sie lagen wie starre , kalte und bläuliche Leichen da , die nie wieder aufleben konnten . Ich sah meine Liebe an : jenes Gefühl , welches meinem Herrn gehörte -- welches er geschaffen hatte ; sie schauderte in meinem Herzen gleich einem kranken Kinde in einer kalten Wiege ; Krankheit und Qual hatten sich ihrer bemächtigt : sie konnte Herrn Rochester ' s Arme nicht aufsuchen -- sie konnte keine Wärme an seiner Brust finden . O ! nie konnte sie sich mehr zu ihm wenden , denn der Glaube war vernichtet – das Vertrauen zerstört ! Herr Rochester war nicht mehr für mich , was er gewesen , denn er war nicht , wofür ich ihn gehalten . Ich wollte ihn keines Lasters beschuldigen ; ich wollte nicht sagen , er habe mich betrogen : aber die fleckenlose Wahrheit war aus dem Gedanken an ihn verschwunden ; und aus seiner Nähe mußte ich gehen : das sah ich wohl ein . Wann -- wie -- wohin ? konnte ich noch nicht unterscheiden ; doch ich zweifelte nicht , er selber werde mich aus Thornfield treiben . Wahre Zärtlichkeit , so schien es , konnte er nicht für mich empfinden ; es war nur eine kurze , auflodernde Leidenschaft gewesen : der war ein Hinderniß im den Weg getreten , und er bedurfte meiner nicht mehr . Jetzt mußte ich fürchten , ihm in den Weg zu treten : mein Anblick mußte ihm verhaßt sein . O ! wie blind waren meine Augen gewesen ! wie schwach hatte ich gehandelt ! Meine Augen waren bedeckt und geschlossen : wirkliche Finsterniß schien um mich