zu reiten . Intschu-inta blieb zwar dabei , daß wir , zumal mit den Pferden , unbedingt gezwungen sein würden , wieder umzukehren ; ich aber war der Ansicht , daß kein vernünftiger Mensch auf den Gedanken gekommen sein könne , die drei Ausgänge völlig zuzuschütten . Ich nahm vielmehr an , daß sie nur maskiert , also versteckt worden seien , und verließ mich da auf meine Kombination und auf meine guten Augen . Sofort nach dem Essen bereiteten wir uns zur Durchforschung der Höhle vor . Wir selbst hatten Fackeln und Lichter mitgebracht , und als wir die Pakete der beiden Gefangenen öffneten , sahen wir , daß auch sie sehr reichlich damit versehen waren . Der Feuchtigkeit und Kühle wegen hatten wir uns große , dünne , aber wasserfeste indianische Decken mitgenommen , die wir wie Mäntel um uns legen konnten . Die Pferde wurden wieder gesattelt , die Medizinmänner auf die ihrigen festgebunden , einige Fackeln angebrannt , und dann begannen wir den unterirdischen Ritt , von dem ich mir so gute Erfolge versprach , obgleich ich gar nicht wußte , woher sie kommen sollten . Ich würde mehrere Druckbogen brauchen , um das Innere dieser wunderbaren Höhle auch nur einigermaßen zu beschreiben , doch kann ich dies einstweilen unterlassen , da sich mir später reichlich Gelegenheit geben wird , sie so zu schildern , wie sie es verdient . Sie kommt in Winnetous Testament des öfteren vor und ist dort der Schauplatz von Begebenheiten , über die ich jetzt noch schweigen muß . Wir ritten durch eine geradezu herrliche Unterwelt . Voran Intschu-inta mit einem Winnetou als Fackelträger , hinter ihnen ich mit dem Herzle , hierauf die Gefangenen , dann Pappermann mit den übrigen Winnetous , von denen einer die zweite Fackel trug . Wo es nötig war , zündeten wir uns zu den Fackeln auch noch Lichter an . Der Weg ging unausgesetzt aufwärts , und zwar oft ziemlich steil . Die Höhle war sogar an ihren niedrigsten Stellen so hoch , daß wir nirgends von den Pferden zu steigen brauchten . Kein einziger der unterirdischen Räume , durch die wir kamen , glich einem anderen . Es folgte Abwechslung auf Abwechslung , Ueberraschung auf Ueberraschung . Oft war die Ueberraschung so groß , daß wir uns lauter Ausrufe der Bewunderung nicht enthalten konnten . Es war ein Reich der herrlichsten Tropfsteinmärchen , welches wir da kennen lernten . Die köstlichsten Gedanken , zu Spat , Aragonit und Sinter erstarrt , wuchsen als Stalaktiten von oben herab . Ebenso köstliche Stalagmiten stiegen ihnen von unten aus entgegen , um sich mit ihnen zu Pfeifen , Säulen , Orgeln und anderen Gebilden zu vereinigen , von denen man kaum glauben konnte , daß sie der Erde angehörten . Wir aber hatten leider nicht Zeit zu eingehender Betrachtung , die wir uns für später aufheben mußten . Es drängte uns vorwärts , vorwärts , hinauf nach der Stelle , wo es sich zu entscheiden hatte , ob wir weiter konnten oder nicht . So ritten wir durch Gänge und Tunnels , durch kleine Kammern und riesige Säle , durch Refektorien und Kirchen , durch Vorhöfe und weite Säulenhallen , durch Veranden und Korridore . Wir kamen an Abgründen vorüber , in deren Tiefe der Fluß rauschte . Wir schlüpften zwischen dünnen Wasserfäden hindurch , die wie aus unsichtbaren Gartenschläuchen spritzten . Wir kamen über Stellen , wo es zu regnen schien . Wir sahen Kaskaden springen und Wasserstrahlen aus unsichtbaren Dachtraufen stürzen . Aber wir verweilten uns nicht : weiter ging es , immer weiter , bis endlich der breite Weg zu Ende war . Er wurde mit einem Male so schmal und so unbequem , daß nur noch Fußgänger vorwärts konnten . » Du siehst , daß ich recht hatte , « sagte Intschu-inta . » Der Weg für Pferde ist zu Ende . Er führt nicht weiter . Es gibt keine Mündung , die hinter dem Schleierfall einen Ausgang bildet . « Er schien recht zu haben . Wir befanden uns in einem breiten Gange , der vor einer Doppelgruppe von Stalaktiten und Stalagmiten Halt machte und sich dann als sehr schmaler Weg von dieser Gruppe nach rechts wendete . Nach der Karte aber machte er diese Wendung nicht , sondern er ging geradeaus , nachdem er den schmalen Pfad von sich abgezweigt hatte . Das war der entscheidende Punkt ! Jetzt mußte es sich zeigen , ob ich mich auf meine Augen und auf mein Kombinationsvermögen verlassen konnte oder nicht ! Ich begann , die Tropfsteingruppe zu untersuchen , und sah sehr bald , daß es gar keiner großen Klugheit bedurfte , das Richtige zu entdecken . Stalaktiten sind nämlich die Tropfsteine , die sich von oben , also von der Decke herab , bilden . Unter Stalagmiten aber versteht man die Tropfsteine , die aus dem Boden in die Höhe wachsen . Treffen beide in der Mitte zusammen , so bilden sich nach und nach Säulen und Säulengruppen . Die Stalagmiten entstehen anders als die Stalaktiten . Beide sind sehr leicht voneinander zu unterscheiden , weil sie nicht dieselbe Struktur besitzen . Hier nun sah ich sogleich , daß die von oben herabhängenden Tropfsteine echt waren ; die von unten emporragenden aber waren nicht echt ; sie waren Stalaktiten , keine Stalagmiten . Sie waren nicht hier an dieser Stelle entstanden , sondern man hatte sie hergeschafft und hier zusammengestellt . Warum und wozu ? Sehr einfach : Um den breiten Pfad abzuschneiden , um ihn zu maskieren , zu verbergen , ganz genau so , wie ich vermutet hatte . Ich rüttelte an dem äußersten dieser Steine ; er ließ sich bewegen . Ich schaffte ihn zur Seite . Um das zu tun , war ich vom Pferde gestiegen . Die anderen folgten diesem Beispiele und halfen , auch die nächsten Steine zu entfernen . Dadurch wurde schon nach kurzer Zeit der breite Weg wenigstens so weit frei , daß